Tönnies: Schlachtkonzern zerfleischt sich selbst

Tönnies: Schlachtkonzern zerfleischt sich selbst

von Florian Zerfaß und Mario Brück

Seit einem Jahr zerfleischen sich in Deutschlands größtem Schlachtkonzern Tönnies die Familiengesellschafter. Dabei spielt offenbar auch ein Steuerfahnder eine zwielichtige Rolle.

Wenn Rüdiger P.* bei Deutschlands größtem Metzger Clemens Tönnies vorbeischaut, hält sich dessen Freude in Grenzen. Als Rüdiger P. am Dienstag vor zwei Wochen wieder mal vor der Unternehmenszentrale im westfälischen Rheda-Wiedenbrück stand, blieb Tönnies zumindest die direkte Aversion erspart. Der Hausherr weilte auf dem Kreuzfahrtschiff Aida, als Rüdiger P. bei ihm anrückte und mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss Einlass begehrte.

Rüdiger P. ist Steuerfahnder beim Finanzamt Bielefeld und spielt im Machtkampf bei Deutschlands größtem Schlachtkonzern mit 4,3 Milliarden Euro Umsatz und 8000 Mitarbeitern eine schwer durchschaubare Rolle. Seit nunmehr einem Jahr zerfleischen sich Schlachtbaron Clemens Tönnies, 56, und sein Neffe Robert, 34. Es ist eine zunehmend auch öffentliche Auseinandersetzung mit vielen Ferkeleien – und mittendrin Steuerfahnder Rüdiger P.

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Neffe gegen Onkel

In dem Schlachtimperium tobt ein verbissener Streit um Gesellschaftsanteile. Onkel Clemens und Neffe Robert halten jeweils 50 Prozent. Doch Robert fordert einen fünfprozentigen Firmenanteil zurück, den er Clemens Ende 2008 geschenkt hatte. Der Neffe wirft dem Onkel groben Undank vor, weil dieser sich privat an Schweinemastbetrieben in Russland sowie an Deutschlands größtem Wursthersteller Zur Mühlen beteiligte, der Marken wie Böklunder und Redlefsen produziert.

Aus Sicht von Robert und seinem Anwalt Mark Binz hat Clemens Tönnies auf diese Weise konkurrierende Unternehmen aufgebaut und somit die Schenkung verwirkt. Sollte Robert Tönnies damit vor Gericht durchkommen und die Schenkung widerrufen können, hielte er 55 Prozent an der Tönnies Holding und wäre der neue Herrscher über das Fleischreich.

Gezielte Indiskretion und diskrete Hinweise

An Roberts Seite kämpft mit Anwalt Binz ein Advokat, der als Spezialist für Streitereien unter Gesellschaftern nicht unumstritten ist. In einem Aufsatz beschrieb Binz Ende vergangenen Jahres Instrumente, mit denen Gesellschafter sich gegenüber ihren Kompagnons "lästig" machen können. Zu den Waffen zählt Binz darin exzessive Auskunftsersuchen, gezielte Indiskretionen gegenüber der Presse und diskrete Hinweise an Strafverfolgungsbehörden.

Knapp drei Wochen nach der Durchsuchung verdächtigt Onkel Clemens nun Binz und seinen Neffen Robert, hinter der Razzia in der Konzernzentrale zu stecken. "Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass es Verbindungen zwischen der Steuerfahndung sowie Robert Tönnies und seinen Anwälten gibt", sagt Sven Thomas, der Düsseldorfer Anwalt von Clemens Tönnies. "Bei der Durchsuchung wurden Akten beschlagnahmt, die keinerlei Bezug zum Ermittlungsverfahren aufweisen, deren Herausgabe aber zuvor von Herrn Binz begehrt wurde."

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