Tomtom : Es lebe der Sport

, aktualisiert 29. Dezember 2016, 18:42 Uhr
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Joggen mit elektronischer Hilfe: Tomtom will mit Sportuhren an frühere Erfolge anknüpfen.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Das Geschäft mit Navigationssystemen befindet sich im freien Fall. Deshalb weisen die Niederländer von Tomtom jetzt mit Computeruhren Joggern und Wanderern den Weg. Kartendaten für Autos sollen dabei künftig helfen.

MünchenEinmal vom Weg abgekommen, ist es unglaublich schwer, wieder die richtige Richtung einzuschlagen - auch als Navihersteller. Nirgendwo wissen sie das besser als bei Tomtom. Noch vor zehn Jahren war das börsennotierte Unternehmen aus Amsterdam ein Star in der internationalen High-Tech-Szene. Mit dem Aufstieg der Smartphones aber stürzten die Niederländer ab. Die kleinen elektronischen Wegweiser waren auf einmal nur noch schwer verkäuflich.

An die glorreichen Zeiten des vergangenen Jahrzehnts kann Tomtom bis heute nicht anknüpfen. Trotzdem ist das Management zuversichtlich. „Die Navis sind noch immer sehr wichtig für uns“, meint Mike Schoofs, der Vertriebschef für Europa, Afrika und Lateinamerika. Doch er ergänzt: „Das Wachstum kommt aus dem Sport.“

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In der Tat: In den Sportläden und Elektronikmärkten ist die Marke inzwischen mit einer stattlichen Kollektion an Sportuhren und Fitness-Armbändern vertreten. In den Auslagen finden sich Geräte für Läufer, fürs Gymnastik-Fans, Outdoor-Enthusiasten und Golfer; und jedes Jahr werden es mehr.

Die Strategie hat nur einen Haken. Das Geschäft mit tragbaren Navis bricht schneller weg, als die neue Sportsparte wächst. So sanken die Erlöse des Konzerns im dritten Quartal um sechs Prozent auf 239 Millionen Euro. Mehr als jedes zweite Navi in Europa stammt von Tomtom, eigentlich eine komfortable Position. Doch zwischen Juli und Ende September ist der Markt um mehr als ein Fünftel geschrumpft. Das konnte Tomtom nicht ausgleichen, obwohl sich der Umsatz der Sportuhren Unternehmensangaben zufolge verdoppelte. Detaillierte Zahlen veröffentlicht die Firma dazu allerdings nicht.

Ein Selbstläufer ist das Sportgeschäft allerdings keinesfalls, trotz des strammen Wachstums. Denn Tomtom steht in einem scharfen Wettbewerb mit Sportspezialisten wie Polar und Suunto, tritt aber auch gegen Smartwatch-Hersteller wie Apple und Samsung an. Und dann ist da noch ein alter Bekannter aus dem Navi-Business: Garmin. Die Amerikaner müssen ebenso wie Tomtom fallende Navi-Umsätze kompensieren. Der Vorteil des Konzerns aus Kansas: Garmin bietet schon seit mehr als zehn Jahren Sportuhren an, hat also viel mehr Erfahrung als die Niederländer.

Tomtom-Manager Schoof glaubt, dass seine Marke trotzdem künftig einen immensen Vorteil hat: die Kartendaten. Tomtom ist einer der wichtigsten Lieferanten von Routeninformationen weltweit, selbst Apple vertraut auf dem iPhone auf Tomtom. Bislang sind es vor allem Autofahrer, Brummi-Lenker und Motorradfans, die sich von Tomtoms elektronischen Landkarten leiten lassen. Doch bald schon könnten es auch die Jogger sein.

Damit nicht genug. Experten sehen die große Zeit der Computeruhren und Fitness-Tracker erst noch kommen. Die Geräte seien bisher nicht ausgereift, meinen die Marktforscher von Gartner. So lege fast ein Drittel der Nutzer von Fitness-Armbändern diese schon nach ein paar Wochen wieder zur Seite; weil sie ihnen zu langweilig sind, weil die Geräte nicht ansprechend daher kommen oder weil sie schlicht nicht richtig funktionieren. Kein Wunder, dass bislang nur rund ein Fünftel der Bevölkerung in den Industriestaaten solche Apparate am Handgelenk trägt.


Routenpläne zum Hochladen

Die Hersteller der sogenannten Wearables müssten den Konsumenten künftig bessere Geräte anbieten: Uhren und Armbänder, die sich deutlich von dem unterscheiden, was Smartphones können, meint Gartner-Analystin Angela McIntyre. Tomtom-Manager Schoof will die Konsumenten begeistern, indem er ihnen Tipps für ihre persönliche Fitness gibt. Die Empfehlungen sollen auf den Daten all der Nutzer basieren, die Tomtom-Geräte mit sich tragen. Jede Woche bekommt der Konzern die Details aus einer Million Trainingseinheiten seiner Kunden übermittelt; wo laufen die Leute, wie schnell sind sie unterwegs, wie häufig schlägt das Herz? All das weiß die Firma ganz genau. „Wir möchten die Leute motivieren“, betont Schoof.

Schon heute lassen sich auf den Uhren von Tomtom zudem Routenpläne hochladen, auch Musik können die Nutzer speichern und abspielen. Auf der Elektronikmesse CES Anfang Januar wird Tomtom zudem die neueste Version seiner App My Sports vorstellen. Über die Software kommunizieren Kunden und Konzern.

Sport ist der wichtigste, aber nicht der einzige Hoffnungsträger bei Tomtom. Denn die Zukunftsgeschäfte mit der Automobilindustrie, die inzwischen rund 40 Prozent zum Umsatz beitragen, legen ebenfalls kräftig zu. Dabei geht es um die Entwicklung hochgenauer Karten für selbstfahrende Autos und eine elektronische Fahrassistenz-Technik sowie das Fahrzeugflotten-Management von Unternehmen. Analysten zeigten sich daher zuletzt auch zuversichtlich, dass der Konzernumbau gelingt. Die Investoren allerdings zögern noch. Im Jahresverlauf haben die Aktien fast 30 Prozent an Wert verloren. Dabei gab es zuletzt durchaus gute Nachrichten: Die IT-Riesen SAP und Microsoft kaufen künftig Karten- und Verkehrsdaten bei den Niederländern ein.

Wer weiß, vielleicht kommen die Niederländer bald auch mit den großen Sportmarken ins Geschäft. Für Weltmarktführer Nike hat Tomtom einst Uhren hergestellt. Inzwischen kooperiert der US-Konzern mit Apple. Doch auch Adidas, Asics oder Puma fehlt das Know-how, um eigene Hardware anzubieten. „Das ist für die eine fremde Welt“, meint Schoof. Aus den Gesprächen mit den Turnschuh-Produzenten habe sich bis jetzt jedoch kein Auftrag ergeben.

„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, tönt es aus dem Navi. Das stimmt nicht ganz bei Tomtom. Denn es wird vermutlich noch ein bisschen dauern, ehe die Firma wieder an die besten Zeiten Ende des vergangenen Jahrzehnts anschließt. 2007 erwirtschaftete der Konzern bei 1,7 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 317 Millionen. Wenn die Firma ihre eigene Prognose erfüllt, werden sich die Erlöse heuer auf 980 Millionen Euro summieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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