Trotz Wahl-Chaos und Pannen: Eine Liebesgeschichte über Köln

KommentarTrotz Wahl-Chaos und Pannen: Eine Liebesgeschichte über Köln

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Falsch gedruckt: Weil die äußere Form der Stimmzettel parteilose Kandidaten benachteiligt, muss die Oberbürgermeister-Wahl in Köln verschoben werden.

von Bert Losse

Keine andere deutsche Großstadt macht sich so oft lächerlich wie Köln. Keine andere Großstadt wird so erbarmungswürdig regiert und dilettantisch verwaltet. Trotzdem will ich nirgendwo anders leben.

Jetzt sind die also noch nicht mal mehr in der Lage, ein paar pöselige Wahlzettel zu drucken. In Köln muss die für den 13. September vorgesehene Oberbürgermeisterwahl verschoben werden - wegen der Buchstabengröße auf den Wahlzetteln.

Die Bezirksregierung hält die Unterlagen für rechtswidrig, weil durch das "Druckbild", das die Parteinamen ungewöhnlich fett ins Bild setzt, parteilose Kandidaten benachteiligt würden. Die bereits abgegebenen Wahlzettel von 55.000 Briefwählern landen nun im Altpapiercontainer.

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Ganz nebenbei kam heraus, dass die Kölner Wahlzettel bereits seit 1999 gegen amtliche Vorgaben verstoßen. Die Stadt ist einmal mehr blamiert und muss Zusatzkosten von über einer Million Euro tragen. Für Peter Pauls, den Chefredakteur des "Kölner Stadt-Anzeiger", herrscht in Köln mittlerweile "totale politische Sonnenfinsternis".

Köln und traurige Zustände

Zur OB-Wahl in Köln muss man ein paar Dinge wissen. Der abtretende OB Jürgen Roters (SPD) wird vor allem in Erinnerung bleiben, weil er seine Amtszeit nicht wie viele Kollegen in anderen Städten mit der Kommunalwahl 2014 auslaufen ließ, sondern auf seiner vollen Amtszeit beharrte. Auch das kostete die Steuerzahler über eine Million Euro.

Für die SPD tritt jetzt Jochen Ott an, 41, ein sympathischer Oberstudienrat. Er hat leider jüngst sein Ratsmandat an einen CDU-Mann abgeben müssen, weil bei der Kommunalwahl 2014 ein Stimmbezirk falsch ausgezählt worden war. Der pechschwarze Wahlbezirk Rodenkirchen sollte urplötzlich in die Hände der SPD gefallen sein.

Ungebührlich lange wehrten sich hohe SPD-Politiker auf Stadt-und Landesebene gegen eine Neuauszählung der Stimmen, erst das Verwaltungsgericht Köln machte dem Spuk ein Ende. Heraus kam, was alle ahnten: Das Rodenkirchener Ratsmandat steht der CDU zu. Offenbar hatten Wahlhelfer die Briefwahlergebnisse von SPD und CDU vertauscht.

Grund zur Freude hat die CDU trotzdem nicht. Sie ist in Köln in einem traurigen Zustand. Für die CDU tritt bei der OB-Wahl deshalb niemand an. Die Partei war nicht in der Lage, in der viertgrößten Stadt Deutschlands einen Kandidaten zu finden. Die CDU, für die einst ein Oberbürgermeister namens Konrad Adenauer am Rhein die Geschicke führte, unterstützt nun - zusammen mit den Grünen! - die parteilose Kandidatin Henriette Reker.

Vor lauter Verzweiflung hat sich auch noch die Kölner FDP drangehängt. Du lieber Himmel, was ist das denn für eine Kandidatenauswahl? Frau Reker wirbt für einen Neuanfang, ist aber leider als amtierende Kölner Sozialdezernentin selbst ein ziemlich großes Rad im knirschenden Getriebe der Stadt.

Laienhaft und schludrig

Natürlich gehe ich als politisch interessierter Mensch und Staatsbürger im Oktober (oder wann immer diese OB-Wahl stattfindet) in mein Wahllokal. Ich denke aber ernsthaft darüber nach, alle Kandidaten durchzustreichen und aus Protest eine Kurzfassung dieses Textes auf den Wahlzettel zu schreiben.

Denn die Blamage der verschobenen OB-Wahl steht sinnbildlich für den Zustand von Politik und Verwaltung in Köln. Es gibt keine andere deutsche Großstadt, die derart laienhaft und schludrig geführt wird. Seit Jahrzehnten werden in Köln die Führungspositionen nur hilfsweise nach Qualifikation vergeben, entscheidend ist der Parteienproporz. Wenn es aber in der Führungsetage hakt, können auch viele tüchtige Mitarbeiter auf den unteren Ebenen den Karren nicht aus dem Dreck ziehen.

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