Tupperware feiert sich selbst: Die größte Tupperparty der Welt

Tupperware feiert sich selbst: Die größte Tupperparty der Welt

, aktualisiert 31. Mai 2016, 13:15 Uhr
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Getuppert wird in vielen Familien oft schon seit Generationen.

von Katrin TerpitzQuelle:Handelsblatt Online

Alle zwei Jahre feiert Tupperware sich selbst und die besten seiner drei Millionen Vertriebler. Das Handelsblatt konnte in Barcelona einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des legendären Partyvertriebs werfen.

BarcelonaSie sind herausgeputzt wie Hollywood-Diven. In glitzernden Ballkleidern posieren die weltbesten Vertriebsdamen von Tupperware auf dem roten Teppich. Das Make-up ist perfekt, schließlich macht das Plastikschüssel-Imperium ein Drittel seines Umsatzes inzwischen mit Kosmetik. Die Tupperfrauen aus Indonesien erscheinen im rot-blauen Partnerlook mit ihren Männern – alles extra für den Anlass geschneidert. Getoppt werden sie nur noch von den Koreanerinnen in ihrer knallbunten Nationaltracht mit ausladenden Röcken. Heute ist „Recognition Gala“, die Oscar-Nacht bei Tupperware. Jede hofft auf eine Trophäe.

Im Luxushotel Arts in Barcelona – direkt am Strand beim bronzenen Walfisch - verwöhnt Tupperware für vier Tage seine 250 fleißigsten Vertriebsleute samt Partner. Etliche von ihnen haben zum ersten Mal im Leben ein Flugzeug bestiegen. Das Direktvertriebsunternehmen aus Orlando/Florida verwöhnt die besten seiner selbstständigen Verkäufer nicht ohne Grund. Denn ohne Vertriebler kein Umsatz. Mehr als drei Millionen sogenannte Partymanager – fast ausschließlich Frauen – verkaufen Plastikbehälter, Häcksler und Pfannen in 85 Ländern.

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Alle 1,2 Sekunden beginnt irgendwo auf der Welt eine der legendären „Tupperpartys“ - Markenzeichen der Firma seit 1951. Jede Partymanagerin darf 24 Prozent vom Umsatz behalten, im Schnitt kommen zwischen Couch und Küchentisch jedes Mal 400 Euro zusammen. Wer Kollegen anwirbt, kann sich hocharbeiten und an deren Partys mitverdienen. Ganz oben in der Hierarchie der freien Vertriebler thronen die Bezirkshändler – in Deutschland gibt es 120 davon.

Die Top-Vertriebler aus Deutschland sitzen mitten im bunten Treiben zusammen an einem runden Tisch. Darunter Monika Stumpf, Bezirkshändlerin aus Koblenz. Auch sie ist selbstständig und leitet mehr als 400 Partymanager. „Ich tuppere seit 37 Jahren“, erzählt sie stolz. Und offenbar so erfolgreich, dass ihr Mann vor 25 Jahren seinen Beruf als Bauingenieur aufgab, um seine Frau in Vertrieb und Logistik zu unterstützen. Anfangs hatte sein Ego daran zu knabbern, gibt er zu. „Vorher war ich der Chef, jetzt ist es meine Frau“, sagt er augenzwinkernd.

Tupperware ist aber längst nicht mehr reine Frauensache. Daniel Schwandt, gerade mal 31 Jahre jung, ist der erfolgreichste Bezirkshändler in Deutschland – und zugleich der erste Mann in dieser Position. Er führt die Tupperware-Vertretung in Ulm quasi in dritter Generation. Seine Oma wurde vom „Tuppervirus“ infiziert, als der Opa Mitte der 60er-Jahre von einem Amerikaner eine Tupperdose geschenkt bekam.


Veteranen werden gefeiert

Damals war die Plastikdose mit dem wasser- und luftdichten Verschluss noch revolutionär. Schwandts Eltern übernahmen das Geschäft, und schon der kleine Daniel half im Lager mit. „Aber zu tuppern, das war für mich als Mann immer undenkbar“, betont er. Doch dann half er als Student einmal aus – und blieb dabei. Seine Motivation: „Ich wollte unbedingt einen Firmenwagen haben.“ Heute managt der Betriebswirt Geschäfte und Logistik für rund 1800 Vertriebler.
Musik. Tänzer und Akrobaten ganz in weiß interpretieren den Gute-Laune-Song „Happy“. Auftritt von Tupperware-Chef Rick Goings in Smoking und Fliege, Standing Ovations, Blitzlichtgewitter. Goings springt leichtfüßig auf die Bühne. Der Mann ist zwar schon 70, aber wickelt die Tupperfrauen in galanter George Clooney-Manier seit fast 20 Jahren gekonnt um den Finger. „Tupperware is a Company of Friends“, ruft er – die Menge jubelt.

Zunächst werden verdiente Veteranen gefeiert. Ex-Frankreich-Chef Denis Gruet, der Tupperpartys zu Kochevents machte, wird mit einer Luxusuhr beschenkt. „Denis, wenn Du einmal von uns gehst, tuppern wir Dich ein!“, scherzt Goings.

Danach darf der ergraute Tommy Demigella auf die Bühne. Dessen Vater verhalf mit der legendären Vertrieblerin Brownie Wise und ihrer Idee der Tupperpartys der Firma Anfang der 50er-Jahre zum Durchbruch. Im Einzelhandel hatten die Plastikbehälter vorher wie Blei in den Regalen gelegen.

Dann redet Ehrengast Saadia Zahidi vom Davoser Weltwirtschaftsforum. „Wie lange dauert es, bis wir endlich Geschlechterparität haben?“ fragt die Frauenrechtlerin in den Saal. „Viel zu lange!“, rufen die Unternehmerinnen zurück. Tupperware hat aus seinem Männermangel eine Tugend gemacht und sich Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben. „Wir machen Frauen zu Unternehmerinnen“, erklärt Rick Goings. „Es gibt Frauen, die zwei Millionen Dollar im Jahr verdienen mit Tupperware.“ In manchen Schwellenländern sei Tupperware für Frauen oft eine der wenigen Chance, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.

Susanne Bollig aus Hilden stand als Juristin in einer Kanzlei viele Jahre auf eigenen Beinen, bevor sie als Bezirkshändlerin von Tupperware den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Die Kinder waren klein und sie wurde dadurch flexibler. Den Stamm an Vertrieblern kaufte sie ihrer Vorgängerin ab – ähnlich wie es Ärzte mit der Patientendatei machen.

Als Studentin hatte Bollig mit dem Tuppern angefangen. Auf ihren ersten Firmenwagen war sie „mächtig stolz“. Heute managt die 47-Jährige außer ihrer Familie noch rund 700 Vertriebler. Alles auf eigenes Risiko. „Kaufmännisches Wissen ist da unabdingbar“, betont sie. Bollig hat ihren Bezirk straff organisiert.

Montag ist Tuppertag – wie überall in der bunten Tupperwelt. 40 bis 70 Partymanager kommen dann vorbei, werden geschult, ausgezeichnet und eingeschworen. Ob das nicht diejenigen frustriert, die keine Bestleistung bringen? „Nein, der Wettbewerb sporne doch eher an“, ist Bollig überzeugt. „Der Montag ist ganz wichtig für unseren Zusammenhalt.“ Schließlich springen die meisten Partymanager in den ersten drei Monaten wieder ab. Die gelte es, an die Hand zu nehmen.


„Mama, you work so hard!“

Dann wird es spannend. Der Countdown beginnt für die Top-Vertriebler in der Kategorie „Umsatzsteigerung“. Die besten zehn werden auf die Bühne geholt – etwas füllige Damen aus Südafrika, Mexiko, Korea und Brasilien.

Per Videobotschaft werden Kinder und Mitarbeiter eingeblendet. „Mama, you work so hard! We love you. You are the best!“ Tränen der Rührung fließen wie bei den echten Oscars. Rick Goings überreicht Küsschen und Pokale am Fließband.

Aus den Boxen erschallt Salsa-Musik. „Jetzt kommt die Königsklasse“, erklärt Daniel Schwandt. Die Kategorie „Top-Ten der Umsatzbringer.“ Auf die Bühne gerufen werden neun Vertriebler aus Brasilien und eine Indonesierin. Die Brasilianer rasten aus, schwenken Fahnen, rufen „Bra-zil, Bra-zil“ – als wäre wieder WM in Rio. „Wie wär’s, wenn unsere erfolgreichen Tupperfrauen die Regierungsgeschäfte in Brasilien übernehmen?“ ruft Goings in Anspielung auf die dortige Krise. Der Saal bebt.

Am deutschen Tisch dagegen herrscht betretene Stille. Die Zeiten, als Deutschland neben den USA noch zu Größten im Tupper-Imperium zählten, sie sind lange vorbei. Heute spielt die Musik in Schwellenländern, sie machen Zweidrittel des Geschäfts von Tupperware. „Da können wir nicht mithalten.“ Immerhin wachsen die Geschäfte in Deutschland wieder. Und die nächste Party kommt bestimmt. Denn alle 1,2 Sekunden beginnt irgendwo auf der Welt ein Tupperparty…

Quelle:  Handelsblatt Online
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