Überkapazitäten: Havarie im Handel

Überkapazitäten: Havarie im Handel

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Viel Platz, kein Umsatz. Auf Schlecker könnten weitere Zusammenbrüche folgen

von Henryk Hielscher

Schlecker ist erst der Anfang. Der gesamte Handel kämpft gegen zu viele Läden und den Marsch der Kunden ins Internet.

Josef Sanktjohanser ist ein Mann mit sonnigem Gemüt. Schon qua Amt muss der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE) gute Stimmung verbreiten, und er erfüllt seine Mission mit Verve. Der Wettbewerb sei zwar „extrem hart“, doch der Handel habe seine Hausaufgaben gemacht, schwärmt der Verbandschef. Die Branche zeige sich „anhaltend robust mit positiven Folgen für die Beschäftigung“, 60 000 Stellen seien 2011 neu entstanden. „Das erste Quartal weist erneut eine stabile Entwicklung auf, und wir erwarten auch für 2012 moderates Wachstum“, sagt Sanktjohanser.

Wachsendes Absturzrisiko

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Allein, die frohe Kunde aus Berlin will nicht so recht zur Stimmungslage passen. Nach Schlecker dominiert in vielen Unternehmen die Absturzangst. Der deutsche Einzelhandel, so der Tenor in den Chefetagen, liefere sich derzeit einen Wettlauf mit der Solarindustrie um den Titel „Krisenbranche 2012“. Die Pleite des früheren Drogeriedominators sei dabei nur der deutlichste Hinweis auf das Ausmaß der Probleme. Überkapazitäten und die Abwanderung vieler Kunden zu Online-Händlern, so die Prognose, werden die Zunft noch über Jahre in Atem halten – und Handelsikonen heute ins Wanken bringen.

In den vergangenen Monaten häuften sich die Hiobsbotschaften aus der Kassenzone – auch jenseits des Schlecker-Getöses. So verzichtet der Traditionsversender Neckermann künftig auf den Druck von Katalogen – und auf fast die Hälfte seiner rund 2500 Mitarbeiter. Die Baumarktkette Praktiker schredderte in den vergangenen Jahren ihre Erträge und klaubte im Mai nur mit Mühe ein paar Millionen Euro für die drängendsten Reparaturarbeiten zusammen. Beim insolventen Schuhhandelshaus Leiser muss jede vierte Filiale schließen, teilte das Unternehmen in der vergangenen Woche mit – der Internet-Konkurrent Zalando lässt grüßen.

Die düsteren Vorzeichen betreffen alle Metiers. Die Douglas-Buchhandelstochter Thalia, das Ratinger Modelabel Esprit und der Rewe-Billigableger Penny sind Sanierungsfälle. Selbst die angelsächsische Handelsweisheit „sex sells“ scheint nicht mehr zu zünden. Zumindest herrscht beim Flensburger Erotikfilialisten Beate Uhse tote Hose. Und auch bei Deutschlands größtem Händler, dem Düsseldorfer Metro-Konzern, häufen sich die Schwierigkeiten. Inzwischen muss der Handelsriese gar um den Verbleib im Leitindex Dax bangen.

Havarie im Handel? Was ist nur los in einer Branche, die sonst gern als Hort der Stabilität gepriesen wird und der HDE-Präsident Sanktjohanser bescheinigt, „eine verlässliche Stütze in der Krise“ zu sein.

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