Übernahme der Warenhauskette: Milliardärs-Grab Karstadt

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Übernahme der Warenhauskette: Milliardärs-Grab Karstadt

von Henryk Hielscher

Als Retter gestartet, als Versager geendet. Warum bisher alle Manager und Eigentümer bei der Sanierung des Warenhauskonzerns Karstadt gescheitert sind – und sich auch René Benko schwer tun wird.

Nun also René Benko. Der österreichische Immobilien-Investor übernimmt mit seiner Signa Holding die angeschlagene Warenhauskette Karstadt komplett. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich vollständig zurück und gibt auch seine Minderheitsbeteiligungen an den Luxus-Häusern des Konzerns und den Karstadt-Sportgeschäften ab. Signa wolle sich nun auf die „Sanierung und die Zukunftsfähigkeit der Karstadt Warenhaus GmbH konzentrieren", teilte das Unternehmen mit.

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Wie die Zukunft der Kaufhauskette aussehen soll, verriet Benko nicht. Klar ist: Seine Aufgabe ist gewaltig. Die Liste der Manager, Eigentümer und Investoren, die sich an Karstadt verhoben haben, ist lang. "Ich habe nicht gewusst, wie krank Karstadt nach 20 Jahren Missmanagement wirklich war", gestand Berggruen bereits vor einem Jahr ein.

Vor ihm hatte Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz in die Genesung des Konzerns investiert – und sich dabei ebenso verzockt wie die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Auch beim Immobilienkonsortium Hightstreet, das einst für einen Milliardenbetrag Karstadt-Häuser übernommen hat, dürften herbe Verluste angefallen sein. Nebenher versuchten sich unzählige Manager an einer Sanierung in Essen: von Thomas Middelhoff über Andrew Jennings bis zu Kurzzeit-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt – letztlich allesamt ohne Erfolg.

Jahrzehnte des Missmanagement

„Die Ursachen für die Dauerkrise von Karstadt reichen bis in die Ära Deuss und Urban zurück“, sagt Jörg Funder, geschäftsführender Direktor des Instituts für Internationales Handels- und Distributionsmanagements (IIHD) an der Hochschule Worms..

Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Unter Walter Deuss war 1999 die Fusion von Karstadt mit dem Quelle-Konzern von Madeleine Schickedanz eingeleitet worden. Dem Karstadt-Mann Deuss wurde der Schickedanz-Manager Wolfgang Urban zur Seite gestellt. Während Deuss über das Gesamtgebilde wachte, sollte sich Urban um die Warenhäuser kümmern. Doch statt an einem Strang zu ziehen, liefern sich Deuss und Urban fortan einen Stellungskrieg. Alle Ansätze, die frisch fusionierten Unternehmen Quelle und Karstadt enger zu verzahnen, ersticken im Stillstand. Dabei wäre eigentlich Handeln erforderlich:

Analysten der Deutschen Bank diagnostizierten schon im Jahr 2000 in Deutschlands Innenstädten einen "Überbesatz an Kaufhäusern", zugleich machen sich mehr und mehr Einkaufscenter in den Innenstädten breit. Doch statt die Filialstruktur an die sich abzeichnenden strukturellen Veränderungen anzupassen – ein Prozess der sich über Jahre hinzieht – macht das Duo lieber weiter wie bisher. Urban, der später das alleinige Kommando übernimmt, gerät zudem das Kerngeschäft aus dem Blick. Der Umbau der Karstadt-Filialen zu Themenhäusern mit einem größeren Bekleidungssortiment stockt.

Signa-Deal bestätigt Investor Benko übernimmt Karstadt

Der österreichische Unternehmer René Benko ist der neue Karstadt-Eigentümer. Er übernimmt alle Anteile der Warenhauskette. Nicolas Berggruen ist damit raus.

Der neue Karstadt-Eigentümer: Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko. Quelle: dpa

Urban investiert lieber in schicke Kaffeeläden als in schnöde Rolltreppen und neue Kassen. Aber wie lange machen die Kunden den Verfall mit? "Im Warenhaus werden manche schon unfreundlich, wenn sie drei Minuten an der Kasse stehen", bemerkt Urban zwar in einem Interview und findet das "merkwürdig". An seiner Strategie ändert er aber nichts. Ähnlich agieren auch seine Nachfolger – ein gewaltiger Investitionsstau ist die Folge. Bis heute sehen die meisten Experten darin eine der größten Schwachstellen von Karstadt.

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