Übernahme von Galeria Kaufhof: Was Hudsons’s Bay mit dem Warenhauskonzern vorhat

Übernahme von Galeria Kaufhof: Was Hudsons’s Bay mit dem Warenhauskonzern vorhat

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Der Warenhauskonzern Galeria Kaufhof steht seit langem zum Verkauf.

von Henryk Hielscher und Martin Seiwert

Höhere Investitionen, eine bessere Verzahnung von Web- und Filialgeschäft, keine Entlassungen: Der kanadische Traditionshändler Hudsons’s Bay steigt mit einer klaren Wachstumsstrategie in den Kampf um Kaufhof ein.

Ein Schnäppchen sind die weißen Wolldecken nicht. 495 kanadische Dollar will das Kaufhaus Hudsons’s Bay Company in der Innenstadt von Toronto dafür haben. Die Decken gingen trotzdem gut weg, sagt eine Verkäuferin. Schließlich handle es sich um ein „kanadisches Kulturgut“. Tatsächlich hat die „Multi Stripe Point Blanket“ mit ihren grünen, roten, gelben und blauen Streifen einen festen Platz in Kanadas Geschichte. Die 1670 gegründete Hudson’s Bay Company (HBC) tauschte die Decken schon vor über 200 Jahren gegen Felle indianischer Fallensteller ein.

Das Unternehmen machte so viel Gewinn, dass es als einziges von etlichen internationalen Pelzhandelsgesellschaften überlebte. Heute ist die Handelskette das älteste Unternehmen Nordamerikas – ein stolzes Unternehmen: In der Hudson‘s-Bay-Collection finden sich Baby-Strampler, Kanus, Holzfäller-Äxte, Handtaschen und Dutzende weitere Artikel im bunten Design der geschichtsträchtigen Wolldecke.

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Vom Pelzmonopolisten zum Kaufhof-Interessenten Der Aufstieg der Hudson's Bay Company

Kanadische Wochen bei Galeria Kaufhof: Ein 1670 gegründetes Unternehmen aus Toronto will die deutsche Warenhaus-Ikone übernehmen. Wer steckt hinter Hudson's Bay Company?

Auch die Edel-Warenhauskette Saks Fifth Avenue gehört mittlerweile zur Hudson's Bay Company. Quelle: AP

Direkt über dem Hudson’s-Bay-Kaufhaus erhebt sich der 33-stöckige Simpson Tower, wo  HBC ihren Hauptsitz hat. Hier feilen Konzerngrande Richard Baker, Vorstandschef Gerald Storch und der für das internationale Geschäft zuständige Manager Donald Watross gerade an einer Auslandsmission, die nicht weniger gewagt ist, als die Einkaufstouren der frühen Pelzhändler in die kanadische Wildnis: Der Handelskonzern will die deutschen Kaufhof-Filialen übernehmen und treibt die Pläne nun mit Verve voran.

Sobald wie möglich soll ein offizielles Angebot für die Warenhauskette beim Mutterkonzern Metro präsentiert werden, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Zeit drängt: Nicht nur HBC hat Interesse an Kaufhof.  Karstadt-Eigner René Benko hat bereits ein Angebot auf den Tisch gelegt. Er soll mit seinem österreichischen Immobilienunternehmen Signa rund 2,9 Milliarden Euro bieten. Zudem muss HBC seinen Aktionären am 9. Juni bei der Hauptversammlung in Toronto Rede und Antwort stehen. Dabei dürfte es auch um die Expansionspläne des Konzerns mit Kaufhof gehen.

Galeria Kaufhof im Überblick

  • Kunden

    2 Millionen Kunden pro Tag.

    Quelle: Unternehmensangaben

  • Umsatz

    3,1 Mrd. Euro Umsatz 2013/14.

  • Ergebnis

    193 Millionen Euro (Ebit vor Sonderfaktoren) Ergebnis 2013/14.

Die haben es in sich, folgt man einem Insider, der mit dem Projekt vertraut ist: Sollte HBC tatsächlich den Zuschlag für Kaufhof erhalten, wolle die Kette massiv investieren und vor allem das Online-Geschäft ausbauen und besser mit den Filialen verzahnen. Auf 15 bis 20 Prozent könnte der E-Commerce-Anteil nach oben schnellen. Die Marke soll HBC in Nordamerika bereits erreicht haben. Schließungen von Warenhäusern seien dagegen nicht geplant. Kaufhof könnte vielmehr eine Basis für eine weitere Expansion in Europa sein, möglicherweise auch durch weitere Übernahmen.

Die US-Kanadier haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Seit fast zehn Jahren haben sie Kaufhof auf der Watchlist und bescheinigen dem Management einen guten Job gemacht zu haben. Daher soll die Führungscrew auch nach der Übernahme an Bord bleiben, Entlassungen von Mitarbeitern sind ebenso wenig geplant wie großangelegte Filialschließungen, sagte der Insider. Er betonte, dass Kaufhof zwar verbessert, aber nicht zu einer Luxuskette werden soll.

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Auch den Vorbehalten von Gewerkschaften gegenüber nordamerikanischen Investoren will HBC die Grundlage entziehen. So sei die von Verdi befürchtete Ausweitung des Anteils von Drittanbietern kein Thema, heißt es im Umfeld der Kanadier. In den Hudson's-Bay-Filialen liege der Anteil vermieteter Flächen, so genannter Concessions, bei unter sechs Prozent und damit niedriger als bei Kaufhof jetzt. Das Unternehmen halte nicht viel von Concessions, zumal man das Sortiment insbesondere mit Blick auf den Online-Versand unter Kontrolle halten muss, heißt es.

Sollten die Kanadier in ihrer Offerte tatsächlich entsprechende Zugeständnisse verankern und einen konkurrenzfähigen Preis bieten, könnte es für die österreichische Signa eng werden. Die Benko-Truppe galt bislang als Favorit im Übernahmekampf. Bei einem Zusammenschluss mit der angeschlagenen Warenhausgruppe Karstadt, die zum Signa-Reich gehört, befürchten Experten langfristig jedoch auch für Kaufhof empfindliche Einschnitte - während die Kanadier auf eine klare Wachstumsstrategie setzen.

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