Überwachungsskandal: Rewe soll Mitarbeiter ausgespäht haben

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Überwachungsskandal: Rewe soll Mitarbeiter ausgespäht haben

von Henryk Hielscher

Der Rewe-Konzern und seine Discount-Kette Penny sollen über Jahre Mitarbeiter bespitzelt haben  - nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch im privaten Umfeld.

Bislang galt die Kölner Rewe-Gruppe als einer der fairsten Arbeitgeber im deutschen Einzelhandel. Von Skandalen über den Umgang mit Mitarbeitern, wie sie Aldi, Lidl oder Netto erschütterten, blieben die Rewe-Supermärkte und die Discount-Tochter Penny verschont – bis heute.  Nach Recherchen des TV-Magazins Frontal 21 soll der Konzern Mitarbeiter in Einzelfällen nach Stasi-Manier durchleuchtet haben. So hätten Detektive Mitarbeiter im Privatbereich observiert und sogar deren Kellerräume durchsucht. Selbst der Angestellte eines Dienstleisters sei tagelang verfolgt und mit seiner Familie beim Einkaufen gefilmt worden, geht aus den Recherchen des Magazins hervor.

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Ein Rewe-Mitarbeiter entfernt eine Überwachungskamera in einer Filiale in Osterhofen Quelle: ZDF

Ein Rewe-Mitarbeiter entfernt eine Überwachungskamera in einer Filiale in Osterhofen.

Bild: ZDF

Zudem seien in zahlreichen Rewe- und Penny-Filialen Kameraanlagen installiert worden, von denen die Mitarbeiter nichts wussten. Für den Einsatz solcher verdeckten Überwachungsanlagen gelten strikte Regeln. Zu klären ist nun, ob die vom Unternehmen stets eingehalten wurden.

Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz, rügt dem Bericht zufolge die Überwachungspraxis des Kölner Konzerns: „Wenn sich ein Unternehmen fortgesetzt nicht an Recht und Gesetz hält und die Mitarbeiter hintergeht oder hinterrücks heimlich überwacht und das nicht nur in einem gerechtfertigtem Extremfall, ist das eine nicht hinnehmbare Praxis, die durch eine Aufsichtsbehörde geahndet oder vor Gericht geklärt werden muss.“

In einer ersten Stellungnahme räumte Rewe Verstöße ein, schloss eine flächendeckende Überwachung jedoch kategorisch aus. „Tatsache ist“, heißt es, „dass es im Zeitraum 2009/2010 Einzelfälle gegeben hat, in denen eine einzelne Mitarbeiterin der Revision bei Penny Süd eigenmächtig und ohne Anweisung von Vorgesetzten sowie ohne die erforderliche Zustimmung des Betriebsrates eine verdeckte Überwachung von Penny-Mitarbeitern veranlasst hat.“

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Der Lebensmitteldiscounter Lidl räumte im März 2008 ein, dass Mitarbeiter mit Überwachungskameras bespitzelt wurden. Trostpflaster für die Angestellten: Lidl zahlte den Beschäftigten nach der überstandenen Krise eine Prämie von 300 Euro. Quelle: AP

Diese Vergehen seien von der Konzernrevision Ende des Jahres 2010 aufgedeckt worden. Von der verantwortlichen Mitarbeiterin habe sich das Unternehmen sofort getrennt. Auch die Geschäftsbeziehungen zu der Detektei seien unverzüglich beendet worden. „Die Behauptung, dass solche Maßnahmen wie im Jahr 2009/2010 in Einzelfällen geschehen, seitdem bis heute flächendeckend praktiziert würden, entbehrt daher jeder Grundlage", sagte ein Konzernsprecher. 

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Laut Frontal21 überwacht der Konzern allerdings bis heute Mitarbeiter auch verdeckt. Dies belegen aktuelle Aufnahmen von einer Rewe-Filiale.  „Jeder Einsatz der verdeckten Videoüberwachung ist gesetzeskonform, dient immer und ausschließlich der Aufklärung von Straftaten, ist nur bei einem konkretem Verdacht zeitlich befristet zulässig und bedarf der Zustimmung des Betriebsrats“, teilt dazu von Rewe-Sprecher mit.

Schon in der Vergangenheit sorgten zahlreiche Fälle von Überwachungen von Beschäftigten im Einzelhandel für Aufsehen.  Mit entsprechenden Vorwürfen sahen sich etwa die großen Discountketten Lidl und Aldi ausgesetzt.  "Immer wieder wird bekannt, dass sich Unternehmen für das Privatleben ihrer Beschäftigten interessieren", sagt etwa der frühere Aldi-Manager und Buchautor Andreas Straub im Interview mit wiwo.de. "Fliegt eine Bespitzelungsaktion auf, kann die Unternehmensspitze im Zweifel darauf verweisen, dass ein externer Dienstleister zuständig war: Man selbst hätte natürlich nie entsprechende Informationen angefordert", so Straub.

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