United Airlines: Passagier-Misshandlung löst Boykott-Aufrufe in China aus

United Airlines: Passagier-Misshandlung löst Boykott-Aufrufe in China aus

, aktualisiert 12. April 2017, 10:19 Uhr
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Der Vorfall bei United Airlines sorgt für Empörung bei vielen Amerikanern mit asiatischen Wurzeln.

von Lea DeuberQuelle:Handelsblatt Online

Der Rauswurf eines Passagiers aus einem überbuchten Flugzeug sorgt in China für Empörung. In sozialen Netzwerken kursieren Boykott-Aufrufe gegen United – auch von Prominenten. Dabei ist der Geschädigte gar kein Chinese.

Peking„Brutaler Angriff“: So betitelt das chinesische Staatsfernsehen den Rauswurf eines Passagiers aus einem Flugzeug der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines. Die Bilder des Mannes mit blutverschmierten Gesicht und hochgezogenem Hemd laufen seit Montag rauf und runter in den Programmen. Nicht zuletzt, weil zunächst spekuliert wurde, der Mann sei chinesischer Abstammung.

Die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines geriet unter Druck, nachdem das Video des brutalen Vorgehens gegen den Passagier öffentlich wurde. Der Mann war am Sonntag auf einem United-Flug von Chicago nach Louisville gewaltsam aus dem Flugzeug entfernt worden. Mehrere Passagiere hatten den Vorfall gefilmt. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte den Mann an seinen Armen und Beinen zwischen den Sitzreihen hindurchschleifen.

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Nach Angaben der Fluggesellschaft war der Flug zumindest ausgebucht. Für vier Flugbegleiter, die mitfliegen sollten, war daraufhin kein Platz mehr gewesen. Nachdem keiner der Passagiere das Flugzeug gegen eine Entschädigung freiwillig verlassen wollte, wurde der Mann mit drei anderen Passagieren ausgewählt. Diese kamen der Aufforderung freiwillig nach. Der Mann wehrte sich gegen die Entscheidung.

Wie die amerikanische Linienfluggesellschaft aus Chicago die Auswahl getroffen hat, ist nicht bekannt. Passagiere hatten berichtet, der Mann habe sich beschwert, dass die Wahl nur auf ihn gefallen ist, weil er Chinese sei. Laut US-Medienberichten handelt es sich bei dem Mann aber um einen 69-jährigen Arzt mit vietnamesischen Wurzeln – doch seine Abstammung wurde erst bekannt, als die Rassismus-Debatte in China schon voll entbrannt war.

Innerhalb weniger Stunden kursierten Boykott-Aufrufe gegen die Fluggesellschaft in Chinas sozialen Netzwerken. Der Hashtag „United Airlines zwingt einen Passagier, das Flugzeug zu verlassen“ wurde auf der Blogplattform Weibo von über 200 Millionen Menschen aufgerufen. Es ist dort seit Tagen das meistgeklickte Thema.

Laut Aussagen von Passagieren gegenüber TV-Sendern hatte der Mann zunächst freiwillig seinen Platz aufgeben wollen. Da der nächste Flug aber erst am darauffolgenden Tag starten sollte, entschied er sich dagegen. Er habe am folgenden Tag Patienten zu behandeln.

Viele chinesische Nutzer unterstellten der Fluggesellschaft aufgrund der asiatischen Abstammung des Arztes Rassismus. Gao Xiaosong, ein bekannter Sänger und Musikproduzent sowie Mitgründer der Alibaba Music Group, veröffentlichte gleich mehrere Posts, in denen er von ähnlichen Erlebnissen mit der Fluggesellschaft berichtete. „Ich habe vor ein paar Jahren meine Lektion zwei Mal lernen müssen, und bin seitdem nie wieder geflogen.“ Der taiwanesisch-amerikanische Sänger Jason Chen postete auf Weibo: „United Airlines ist unmenschlich. Auch wenn ich eine goldene Mitgliedschaft habe, werde ich nie wieder mit ihnen fliegen.“

Für Aufmerksamkeit sorgte auch eine Petition mit dem Hashtag #ChineseLivesMatters, die ans Weiße Haus gerichtet war und nach dem Vorfall ins Leben gerufen wurde. Sie fordert eine Untersuchung des Vorfalls und erhielt innerhalb weniger Tage mehr als 150.000 Unterschriften. Der Hashtag ist eine Anlehnung an die Protestbewegung #BlackLivesMatters.


China ist für United ein wichtiger Markt

Proteste dieser Art häufen sich in jüngster Zeit in China. Im März war ein Chinese in Paris von der Polizei erschossen worden. Daraufhin war es zu massenhaften Protesten der chinesischen Community in der Stadt gekommen. Es gäbe eine gezielte Verfolgung von Menschen mit chinesischer Abstammung, so der Vorwurf. Die Proteste wurden auch in China unterstützt.

Die Fluggesellschaft reagierte zunächst mit einem Statement von Konzernchef Oscar Munoz, der sich am Montag für den Vorfall entschuldigte. „Es tut mir leid, dass wir die Passagiere umquartieren mussten“, so Munoz. Als dies die Wogen nicht glätten konnte, entschuldigte er sich am Dienstag nochmal und erkläre, dass „niemand jemals so behandelt werden sollte“. Die Fluggesellschaft werde die volle Verantwortung für den Vorfall übernehmen.

Der chinesische Markt ist wichtig für die Fluggesellschaft, die bereits seit 1986 Städte in dem Land anfliegt. Mittlerweile 96 Flüge starten jede Woche aus Festlandchina und Hongkong, darunter Direktflüge von Peking nach New York und von Schanghai nach Los Angeles. Durch die Proteste muss die Airline nun auf diesen Strecken mit massiven Schwierigkeiten rechnen.

Auf Weibo forderte der bekannte Wirtschaftsexperte Song Hongbing einen Boykott von United: „Wir sollten chinesische Menschen überall auf der Welt zu einem Boykott motivieren. Solche Leute verstehen nur die Sprache des Geldes, deshalb sollten wir die Snobs mit der Macht des Marktes bestrafen.“ Also Vorbild nennt er das jüngste Vorgehen gegen südkoreanische Unternehmen, darunter vor allem die Lotte Group.

Der südkoreanische Konzern ist in China in die Kritik geraten, nachdem es ein Firmengelände für die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems THAAD zur Verfügung gestellt hatte. Die chinesischen Staatsmedien hatte die Firma noch gewarnt, dass sie mit Konsequenzen rechnen müsste, würden sie die Entscheidung nicht überdenken. Inzwischen wurde ein milliardenschweres Bauprojekt des Unternehmens in China gestoppt, nachdem die Behörden es einer ausführliche Feuerinspektion unterzogen hatten.

Ein Großteil der Supermärkte wurde mit ähnlichen Begründungen geschlossen. 20.000 Mitarbeiter hat die Kette in China. Auf weitere Unternehmensarme sind von den Gängelungen betroffen. Lotte hat seit ihrem Markteintritt mehrere Milliarden Dollar in China investiert. Durch die Boykotte steht das Unternehmen massiv unter Druck.

Quelle:  Handelsblatt Online
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