Unzufriedene Händler: Dem Weihnachtsgeschäft fehlt der Glanz

Unzufriedene Händler: Dem Weihnachtsgeschäft fehlt der Glanz

, aktualisiert 20. Dezember 2011, 11:09 Uhr
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Das Allee-Center in Magdeburg: Mittelmäßiges Weihnachtsgeschäft bisher.

Quelle:Handelsblatt Online

Wenn die Einzelhändler eine „gemischte“ Zwischenbilanz über das Weihnachtsgeschäft ziehen, dann heißt das nichts anderes als: man ist ziemlich enttäuscht. Die Deutschen konsumieren trotz des Booms kaum mehr als früher.

DüsseldorfDie Wirtschaft wächst, die Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt: Im Vergleich zu früheren Jahren hätte das Weihnachtsgeschäft 2011 eigentlich brummen müssen. Doch die ohnehin schon niedrigen Erwartungen wurden bisher enttäuscht.

Nach den vier Adventswochenenden ist der Einzelhandel mit dem Verlauf der Vorweihnachtssaison alles andere als zufrieden. „Die Halbzeitbilanz des bisherigen Weihnachtsgeschäfts fällt weiterhin gemischt aus“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Der Knoten sei noch nicht geplatzt.

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Mit genauen Umsatzzahlen geizen die Händler wie üblich - zumindest bis Januar. Aber solche negativen Aussagen sind durchaus ungewöhnlich. Dabei hat die Branche noch mehr Register gezogen als früher schon. So wurden die Öffnungszeiten bisweilen erheblich ausgeweitet.

Auch an Angeboten und Schnäppchen mangelt es sicherlich nicht. Üppige Nachlässe erwarten die potenziellen Käufer praktisch überall, so er auf einer Einkaufsmeile derzeit hinschaut. Früher war Winterschlussverkauf im Advent undenkbar, heute gehört es dazu. Auch wenn die Verhältnisse noch längst nicht so sind wie am "Black Friday" in den USA.

Abgesehen von den vielen Angeboten zeichnet sich ein zweiter Trend deutlich ab: Die Kunden zog es vor allem in die größeren Städte. Besonders Händler in hoch frequentierten Zentrumslagen hätten von einem guten Zulauf berichtet und zeigten sich mit dem Weihnachtsgeschäft „überdurchschnittlich zufrieden“.

Weniger Publikumsverkehr herrschte dagegen in vielen kleineren Städten. Forderungen nach einer Abschaffung der verkaufsoffenen Adventssonntage lehnte HDE-Chef Genth ab. Kunden, Geschäfte und Städte profitierten vom „stressfreien Bummeln mit der ganzen Familie“ gleichermaßen, erklärte er.

„Bis Weihnachten bleiben noch sechs Verkaufstage. Der Kalender wird uns dieses Jahr ein besonders starkes Last-Minute-Geschäft bringen“, sagte Genth voller Hoffnung auf den großen Durchbruch kurz vor dem Fest. Die Händler sähen aber auch der Woche zwischen Weihnachten und Silvester mit großen Erwartungen entgegen.

Das durchwachsene Weihnachtsgeschäft hat auch konkrete Folgen für einzelne Konzerne. Die Aktie von Deutschlands größtem Einzelhändler Metro geriet auch deshalb spürbar unter Druck. Anfang November hatte der Konzern noch gesagt, die laufende Prognose für das Gesamtjahr sei nur zu halten, wenn das Weihnachtsgeschäft gut laufe. Inzwischen musste Metro die Prognose korrigieren.


Hoffnungen für 2012

Von Rekordumsätzen berichtet der HDE im Online-Handel. Der HDE rechne in diesem Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatz in Höhe von 6,5 Milliarden Euro im Internet, nach 5,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Online-Verkäufe machen allerdings nur einen Bruchteil des gesamten Handelsgeschehens aus. Der HDE hatte für das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 1,5 Prozent auf 78 Milliarden Euro prognostiziert.

Immerhin bleibt die Verbraucherstimmung in Deutschland bleibt trotz Euro-Dauerkrise und Rezessionsängsten konstant. Der private Konsum werde damit seiner Rolle als wichtige Stütze der hiesigen Wirtschaftskraft gerecht, kommentierte das Marktforschungsunternehmen GfK heute.

Zwar sei die Anschaffungsneigung zuletzt auf hohem Niveau spürbar zurückgegangen. Doch zum ersten Mal seit fünf Monaten stiegen die Konjunkturerwartungen der Verbraucher wieder. Dementsprechend nahm auch deren Einkommenserwartung zu. Der Konsumklimaindex für Januar liegt daher weiterhin bei 5,6 Punkten.

Die guten Rahmenbedingungen im Inland hätten sich zuletzt wieder stärker ins Bewusstsein der Bürger geschoben, schrieb die GfK zur Begründung. „Ob dieser Trend anhalten kann, bleibt jedoch abzuwarten.“ Denn wenn mehrere Staaten wegen der Euro-Krise stärker sparen müssten, träfe dies den für die deutsche Wirtschaft besonders wichtigen Export.

„Wir gehen davon aus, dass der Konsum eine wichtige Stütze sein wird, weil der Außenhandel etwas weiter sinken wird“, sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg. Der Anteil des privaten Verbrauchs am Bruttoinlandsprodukt von knapp 60 Prozent in diesem Jahr werde daher weiter steigen. Und zwar vor allem dank der guten Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Allerdings seien genaue Prognosen derzeit nur sehr schwer zu stellen, betonte Bürkl - schließlich gebe es gegenläufige Entwicklungen. „Die internen Rahmenbedingungen werden sicherlich stabilisierend wirken.“ Aufgrund des robusten Arbeitsmarktes, steigender Löhne und noch immer voller Auftragsbücher deutscher Unternehmen stünden die Ampeln im Inland auf grün.

Gefahren für den Konsum drohen laut Bürkl eher aus dem Ausland: „Es wird sicher auch davon abhängen, wie mit der Schuldenkrise umgegangen wird, ob es zu einer nachhaltigen Lösung oder zu einer Belastung der Bürger kommt.“ Schon jetzt verunsichere gerade die Euro-Dauerkrise die Verbraucher sichtlich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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