Verbraucherschützer warnen: Noch immer zu viel Gift in Leder und Honig

Verbraucherschützer warnen: Noch immer zu viel Gift in Leder und Honig

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Verbraucherschützer beanstanden Pflanzengifte in Honig und Antibiotika in Geflügelfleisch

Gift in Leder, Nickel in Schmuck, Pflanzentoxine in Honig – der jährliche Bericht zur Überwachung von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen zeigt: Es musste mehr beanstandet werden als im Vorjahr.

2014 hatten die Kontrolleure vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) viel zu beanstanden – mehr als im Vorjahr. Das BVL hat rund 380.000 Proben von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen, wie beispielsweise Kleidung, untersucht. 11,6 Prozent davon wurden beanstandet; zum Vergleich: 2013 lag die Quote noch bei 11,3 Prozent. Das teilte das BVL am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des jährlichen Berichts zur Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeüberwachung 2014 mit.

Das Amt legte dieses Mal einen seiner Schwerpunkte auf die Untersuchung von Nickel in Modeschmuck. Viele Menschen reagieren allergisch auf das Metall, wenn ihre Haut damit in Berührung kommt. Der Bericht zeigt, dass der Nickelgehalt in Modeschmuck oft über den Grenzwerten liegt. Im vergangenen Jahr überschritten 17 Prozent der Stecker von Ohrringen und Piercings die Grenzwerte für Nickel. Bei der letzten Untersuchung von Nickel in Schmuck im Jahr 2008 waren es erst 14 Prozent gewesen. Positiv ist jedoch die Entwicklung bei den Schmuckteilen selbst und den Verschlüssen: Wurden 2008 bei zehn Prozent der Schmuckteile und Verschlüsse die Grenzwerte überschritten, wurden aktuell nur noch 4,9 Prozent beanstandet.

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Ebenfalls schädlich ist Chrom VI, eine giftige Substanz, die beim Gerben von Leder verwendet wird und stark krebserregend ist. Deswegen unterliegt Chrom VI in Deutschland scharfen Richtlinien. Trotzdem fanden die Kontrolleure Mengen, die über dem Grenzwert lagen. Der Grund: In fernöstlichen Ländern wird es nach wie vor in der Gerberei eingesetzt. Das spiegelt sich auch in den BVL-Ergebnissen wider: Ein Drittel der in China gefertigten Lederwaren überschritt die Grenzwerte.

„Es ist an der Zeit, dass sowohl die Hersteller als auch die Importeure dafür sorgen, dass die Grenzwerte eingehalten werden“, forderte der Präsident des BVL, Helmut Tschiersky. „Hohe Gehalte von Nickel und Chrom sind gesundheitliche Risiken. Die Überwachungsbehörden der Länder werden beide Produktgruppen weiterhin verstärkt kontrollieren“. Diese wären dann auch in der Lage, die Produkte aus dem Handel zu nehmen.

Diese Produktgruppen hat das BVL beanstandet

  • Nickel in Modeschmuck

    Nickel-Allergien sind weit verbreitet, vor allem in Modeschmuck kommt das Metall vor. Betroffene reagieren mit Hautproblemen.

    Das BVL hat im vergangenen Jahr 556 Schmuckstücke untersucht. Während bei Schmuckteilen und Verschlüssen die Beanstandungsquote wegen Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte von 10 auf 4,9 Prozent zurückging, wurden 2014 mehr Stecker von Ohrringen oder Piercingschmuck beanstandet (17,4 Prozent) als 2008 (14 Prozent).

  • Chrom VI in Leder

    Chrom VI gelangt über bestimmte Gerbverfahren in Lederprodukte und kann bei unmittelbarem Hautkontakt Allergien auslösen. Da Chrom VI zudem hochgiftig ist, liegt in Deutschland der Höchstwert bei 3 Milligramm pro Kilogramm. Bei den Proben des BVL fanden sich jedoch mehrere, die diesen Wert überschritten. Besonders oft waren Handschuhe und Fingerlinge (33 Prozent Überschreitungen), Rucksäcke, Koffer und Taschen (25 Prozent), Arbeitsbekleidung (23 Prozent) und Schuhe (13 Prozent) belastet. Proben aus Deutschland waren weniger häufig auffällig (12 Prozent) als Proben aus China (33 Prozent).

  • Pflanzengift in Honig

    Bestimmte Pflanzenfamilien, vor allem der Korbblütler, der Borretschgewächse oder der Hülsenfrüchte, bilden Gifte, um sich gegen Fressfeinde zu schützen. Diese sogenannten Pyrrolizidinalkaloide (PA) können in Honig gelangen, wenn Bienen diese Pflanzen bestäuben. Die typischen Wirkungen betreffen laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor allem die Leber, zum Teil aber auch die Lunge. Im Tierversuch zeigte sich auch eine krebserregende Wirkung.

    In 43,7 Prozent der 151 untersuchten Honigproben konnte das BVL keine PA nachweisen. 46,4 Prozent der Proben wiesen Gehalte zwischen 1 und 20 Mikrogramm auf, während 9,9 Prozent der Proben Gehalte von über 21 Mikrogramm pro Kilogramm aufwiesen. Es gibt keine gesetzlichen Grenzwerte für die Stoffe - allerdings weist das BfR darauf hin, dass die Belastung für Verbraucher "so niedrig wie möglich zu halten" sei. Demnach dürfen Erwachsene von Honig mit 25 Mikrogramm PA pro Kilo nicht mehr als 20 Gramm täglich essen.

    „Deutscher und europäischer Honig ist gering belastet“, betont der Vorsitzende der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz, Michael Kühne. Anders könne das bei Übersee-Honig sein.

  • Antibiotika in Geflügelfleisch

    Antibiotika in Lebensmitteln sind problematisch, weil Bakterien gegen sie resistent werden - die Medikamente können dann nicht mehr wirken. Ein übermäßiger Einsatz in der Tiermast trägt zur problematischen Resistenzbildung bei.

    Das BVL hat 125 Proben Hähnchen und 84 Proben Pute untersucht. In Putenmuskel wurden mit 29,8 Prozent der Proben häufiger Antibiotikarückstände gefunden als in Hähnchenfleisch mit 4,8 Prozent der Proben. Dabei lagen die nachweisbaren Antibiotikagehalte aber bis auf einen Fall deutlich unter den zulässigen Höchstmengen. Lediglich bei einer Probe Hähnchenfleisch wurde die zulässige Rückstandshöchstmenge überschritten.

  • Antibiotika in Fisch

    Von 158 untersuchten Proben See- und Süßwasserfisch aus Aquakulturen aus Drittländern hat das BVL 6 Proben (3,8 Prozent) von Süßwasserfischen beanstandet, weil sie zu stark mit Antibiotika beziehungsweise Antiparasitika belastet waren. In drei Fällen wurde eine gesetzliche Höchstmengenüberschreitung festgestellt und in drei Proben aus Vietnam wurden die gegen Parasiten wirksamen Substanzen Malachitgrün gefunden, die in der EU nicht zur Behandlung von Lebensmittel-liefernden Tieren eingesetzt werden dürfen.

Eine weitere auffällige Produktgruppe ist Honig. Die Verbraucherschützer fanden in knapp der Hälfte der untersuchten Proben Pflanzengifte. Die sogenannten Pyrrolizidinalkaloide können zu Leberfunktionsstörungen führen, wenn sie in hohen Dosierungen aufgenommen werden. Viele Pflanzen bilden die Stoffe, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Sie gelangen in den Honig, wenn Bienen Blüten von Pflanzen anfliegen, die diese Gifte produzieren. Zwar gibt es keine gesetzliche Obergrenze, aber das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Erwachsenen, nicht mehr als 0,49 Mikrogramm PA täglich zu sich zu nehmen. Von einem Honig, der 25 Mikrogramm pro Kilogramm enthält, dürfte der Erwachsene also nur 20 Gramm am Tag essen. Von den 151 Honigproben waren 44 Prozent unbelastet, 46 Prozent enthielten weniger als 20 Mikrogramm den Kilogramm PA. Knapp 10 Prozent der untersuchten Honige überstiegen diesen Gehalt. Dabei schnitten insbesondere Deutsche Honige besser ab als die aus Übersee.

Im Zuge der Debatte um Antibiotika in Fleisch ging das BVL in seinen Untersuchungen verstärkt auf das Thema ein. Es ist in der Fleischproduktion ebenso üblich wie umstritten, Tieren prophylaktisch Antibiotika zu verabreichen, damit diese erst gar nicht krank werden und Geld kosten. Problematisch ist jedoch, dass Rückstände im Fleisch verbleiben können, diese von Verbrauchern aufgenommen werden und somit Resistenzen bei Menschen entstehen. Deshalb untersuchte das BVL 125 Proben von Hähnchen- und 84 Proben von Putenfleisch. Das Ergebnis: In Putenmuskelfleisch wurden mit 29,8 Prozent der Proben häufiger Antibiotikarückstände gefunden als in Hähnchenfleisch mit 4,8 Prozent der Proben.

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Ähnlich sieht es bei Fisch aus Aquakulturen aus Drittländern aus. Zwar ist der Einsatz von Antibiotika in der Fischzucht in der EU sehr stark reglementiert, wird aber in anderen Staaten deutlich leichtfertiger gehandhabt. Von den 158 untersuchten Proben von See- und Süßwasserfisch aus Aquakulturen aus Drittländern mussten sechs Proben (3,8 Prozent) von Süßwasserfischen beanstandet werden.

Das BVL arbeitet bei den Kontrollen der Lebensmittelindustrie mit den Ländern zusammen. 2014 wurden von den 1,2 Millionen Betrieben, die in irgendeiner Form mit Nahrung zu tun haben, die Hälfte kontrolliert. Von den untersuchten Betrieben haben laut BLV-Bericht rund 25 Prozent gegen Vorschriften verstoßen. In den meisten Fällen beanstandeten die Kontrolleure die Hygiene in den Betrieben. Aber auch bei der Kennzeichnung machten Unternehmen Fehler. Insgesamt mussten die Kontrolleure in der Gastronomie genauso viel beanstanden wie im Vorjahr.

Die vollständigen Ergebnisse des BVL-Berichts finden Sie hier.

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