Verkaufsstrategien: Männer-Regale sollen Jagdinstinkt beim Einkaufen wecken

Verkaufsstrategien: Männer-Regale sollen Jagdinstinkt beim Einkaufen wecken

Bild vergrößern

Männer wollen zielgerichtet einkaufen: Laut Forschungsergebnissen wollen sie, statt zu bummeln, ihre Einkäufe nur schnell erledigen.

Ein New Yorker Supermarkt hat ein reines Männerregal eingerichtet. Darin findet sich alles, was Männer angeblich brauchen oder wollen. Die Zielgruppen auf ihr Geschlecht zu reduzieren, ist jedoch zu kurz gegriffen.

In New York steht ein Verkaufsregal, das männliche Urinstinkte wach rufen soll. Es ist nicht die Auswahl der Waren, die an steinzeitliche Traditionen anknüpft: Kondome, Grillsoßen, Rasierklingen, Chips. Doch es ist die Tatsache, dass sich all die vermeindlichen Männerprodukte in einem einzigen Regal tummeln – in New Yorks erstem Männerregal, wie die New York Post berichtet.

„Es gibt alles, was man braucht“, sagte der Manager des Westside Markets am Broadway, Ian Joskowitz, der Zeitung. „Wenn ein Mann zum Beispiel mit seinen Freunden zu Hause Sport schauen will, muss er nur hier stehen und braucht sich keinen halben Meter zu bewegen.“

Anzeige

Männer jagen, Frauen sammeln

Dieses schnelle, zielgerichtete Einkaufen sei typisch für Männer, weiß die Forschungsleiterin des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH), Bettina Willmann: „Männer kaufen etwas zielgerichteter ein als Frauen, die mehr Spaß am Bummeln haben und sich gerne inspirieren lassen“, sagt die Fachfrau. „Eine Studie der Sozialpsychologen der University of Michigan führt dies bis auf die Evolution zurück: Männer gehen jagen, während Frauen sammeln – dieses Verhalten ist auch heute noch in den Supermärkten dieser Welt zu finden.“

Diese Jagd will ihnen der Supermarkt am Broadway erleichtern. Die Idee sieht Bettina Willmann jedoch skeptisch: „Ein spezielles Männer-Regal ist sicherlich eine lustige Idee, aber kann kein langfristiges und ausschließliches Konzept sein.“ Denn die meisten Männer seien nicht auf der Jagd nach Kondomen und Chips: „Ein Großteil der Männer möchte heute nicht mehr auf ungesundes Essen und Körperpflege-Basics reduziert werden“, sagt Bettina Willmann. Außerdem schließe eine solche Aktion die wichtigere Zielgruppe für Supermärkte aus: „Frauen kaufen häufiger Güter des täglichen Bedarfs als Männer. Händler laufen also Gefahr, einen Großteil der Kunden nicht anzusprechen, wenn sie nur noch Regale extra für Männer aufstellen“

Media Saturn konzentriert sich auf Frauen

An das weibliche Geschlecht richtet sich derzeit das Metro-Unternehmen Media Saturn mit einer ähnlichen Aktion: In den 31 Media-Markt-Filialen in Österreich hat das Unternehmen spezielle Verkaufsflächen für Frauen eingerichtet. Die seit April bestehende „Woman’s World“ sei laut Werbeslogan „speziell für Frauen … und Männer, die Frauen was Gutes tun wollen.“ Auf den Verkaufsflächen stellen die Media-Markt-Häuser wechselnde Produkt-Sortimente aus, die sich einem bestimmten Thema verschreiben. Aktuell ist das etwa „Summer Feeling“ mit Waren, wie E-Books, wasserdichten Kameras und Wassersprudlern.

IFH-Expertin Bettina Willmann rät davon ab, Zielgruppen nach Geschlechtern zu definieren: „Den größeren Unterschied machen oft Einstellungen, Lebensphasen oder Lifestyle.“ So gebe es unabhängig vom Geschlecht die Einstellung, besonders nachhaltig, qualitätsbewusst oder günstig einzukaufen. Qualitätsbewusste Kunden lassen sich etwa mit besonders hochwertigen Regalen oder Qualitätssiegeln locken: So führt die Rewe Group etwa Produkte unter der Marke „Rewe Feine Welt“, die Metro Group setzt dabei auf die Marke „Real Selection“. Und für besonders auf Nachhaltigkeit bedachte Konsumenten inszeniert sich die Rewe Group beispielsweise mit ihren speziellen „Green Building“-Supermärkten.

Einstellung und Alter sind wichtiger als das Geschlecht

Weitere Links

Einzelhändler sollten außerdem eher die Lebensphase der Kunden berücksichtigen, als ihr Geschlecht: „Eine junge Familie hat andere Ansprüche, als ein Paar im Ruhezustand.“ Das werde besonders zum Beispiel bei der Urlaubsplanung deutlich, wo junge Familien beispielsweise eher zum Cluburlaub mit Kinderbetreuung tendieren, als ältere Touristen, die eher Ruhe oder kulturelles Programm suchen. An Senioren richtet sich seit 2009 auch die Initiative „Mitten im Leben“ von Edeka Nord. Die teilnehmenden Supermärkte bieten etwa besonders breite Gänge, Lupen an den Regalen und rutschfeste Böden. Laut Bettina Willmann sind solche Maßnahmen effektiver als Frauen- oder Männerbereiche: „Die Reduktion auf Geschlechtsunterschiede ist eindeutig zu eindimensional.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%