Verpackungsfrei einkaufen: Tüten und Kartons bleiben uns erhalten

Verpackungsfrei einkaufen: Tüten und Kartons bleiben uns erhalten

Kunden wollen beim Einkauf keine Verpackungen, legt eine aktuelle Studie nahe. In der realen Supermarktwelt ist davon bislang wenig zu merken. Nur eine kleine Öko-Elite nimmt "verpackungsfrei" wirklich ernst.

Die überwiegende Zahl der Verbraucher in Deutschland würde beim Kauf von Lebensmitteln auf Verpackungen verzichten. Acht von zehn Kunden wären bereit, ihre eigenen Transportbehälter mitzubringen. Das zumindest besagt eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) unter 1.000 Deutschen.

So viel Müll macht unser Einkauf

  • Berge an Verpackungsmüll

    Insgesamt 16,5 Millionen Tonnen Verpackungsmüll sind 2011 in Deutschland angefallen. 7,3 Millionen davon waren aus Karton und Pappe, 2,8 aus Kunststoff und 2,6 aus Glas. Während die Menge des Verpackungsmülls in den vergangenen Jahren nur langsam gewachsen ist, hat die Zahl der Kunststoffverpackungen stark zugenommen. Zehn Jahren zuvor fielen nur 1,9 Millionen Tonnen an.

    Quelle: Bundesumweltamt, Gesellschaft für Verpackungsforschung

  • Verpackungsmüll pro Personen

    Damit fallen rund 204 Kilogramm Verpackungsmüll pro Deutschem und Jahr an. Gut 34 davon entfallen auf Plastikmüll, etwa 90 auf Karton und Pappe.

  • Und dann sind da noch die Einkaufstüten

    71 Tüten aus Plastik nutzt jeder Deutsche im Jahr. Zusammengerechnet sind das 68.000 Tonnen für Plastik. Damit ist Deutschland aber noch vergleichsweise zurückhaltend. Der EU-Durchschnitt liegt bei 198 Stück. Spitzenreiter ist übrigens Bulgarien mit 421 Stück pro Person.
    Dennoch haben bereits zehntausende Bundesbürger eine Online-Petition gegen die Plastiktütenflut unterzeichnet: www.change.org/plastiktueten

"Der verpackungsfreie Einkauf ist kein Nischenthema für eine kleine Elite, die ökologisch bewusst lebt, sondern hat die breite Bevölkerung erreicht", glaubt deshalb Gerd Bovensiepen, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter.

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Verpackungsfreie Supermärkte als Alternative?

Tatsächlich scheint verpackungsfrei derzeit in zu sein. In vielen großen Städten Deutschlands eröffnen derzeit Supermärkte, die ganz auf Verpackungen verzichten. Wer einkaufen will, bringt seine Dosen und Flaschen am besten selbst mit. Mehl und Kaffee gibt`s nur zum Abfüllen aus großen Kästen. Essig, Öl und Waschmittel kommen aus dem Zapfhahn und Nudeln aus dem Spender.

So funktioniert der Supermarkt ohne Verpackung

  • Kerngedanke

    Wir machen zu viel Müll, glauben die Unterstützer und Gründer der verpackungslosen Supermärkte und verschmutzen damit die Umwelt. Supermärkte ohne Verpackung versuchen den Müll so weit wie möglich zu minimieren. Die Lebensmittel werden nicht abgepackt angeboten, sondern in großen Behältern präsentiert, aus denen sich die Kunden selbst bedienen können.

  • Aufbewahrung der Waren

    Im "Unverpackt Kiel" werden die Lebensmittel in großen Spendern, so genannten "Bulk-Bins", aufbewahrt. Auf Knopfdruck kann der Kunde aus ihnen die Ware abzapfen. Andere verpackungslose Supermärkte setzten auf ähnliche Modelle. Weil in der EU eine Kennzeichnungspflicht gilt, müssen die Händler zudem Informationen zu den Inhaltsstoffen bereithalten.

  • Hygiene

    Für Supermärkte ohne Verpackung gelten die gleichen Hygienevorschriften, wie für den normalen Lebensmittelhandel. Die abgeschlossenen Spender garantieren dabei die saubere Lagerung der Produkte. Bislang gibt es von offizieller Seite keine Beanstandung gegen diese Art der Aufbewahrung. Die bisherigen Anbieter verzichten aus Sorge um die Hygiene aber weitgehend auf frische tierische Produkte wie Fleisch und Milch.

  • Preis

    Discounter-Preis-Niveau können weder Marie Delaperrière noch ihre Mitstreiter bieten. Im Schnitt liegt der Produktpreis der unverpackten Ware aber etwa auf Augenhöhe mit normalen Supermärkten oder sogar leicht darunter. Zum einen drückt der Verzicht auf die Umverpackung die Kosten. Und zum anderen können Kunden genau bestimmen, wie viel sie kaufen wollen. Das senkt die Kosten für weggeworfene Lebensmittel.

Die verpackungsfreien Supermärkte sind die vielleicht deutlichste, auf jeden Fall aber medienwirksamste Ausprägung dieser Entwicklung. Daraus lässt sich jedoch weder ein gesellschaftlicher Trend gegen die Verpackung ableiten, noch die Annahme, Tüten, Kartons und Pappbecher würden großräumig aus den deutschen Supermärkten verschwinden.

Die Zahl der ökologisch korrekten Märkte ist gering und Hoffnung, die die deutschen Konsumenten würden ihre Müllberge bald aus eigenem Antrieb schrumpfen lassen, ist unbegründet. Derzeit wächst die Zahl der Verpackungen jährlich um zwei bis drei Prozent. Ursache sind die steigenden Zahl der Single-Haushalte und der Trend zu Convenience-Produkten. Fast 16,6 Millionen Tonnen Verpackungsmüll fielen laut Statistischem Bundesamt 2012 in Deutschland an. 1991 waren es noch 15,6 Millionen Tonnen.

Bloße Lippenbekenntnisse

Dass das vermeintliche Verlangen nach verpackungslosen Lebensmitteln in der Realität ein jähes Ende findet, zeigt sich auch beim Blick in die Auswertung der Umfrage. Auf Verpackungen wird dann verzichtet, wenn es nur wenig Mühe macht.

Essig und Öl aus dem Zapfhahn Supermärkte kämpfen gegen Verpackungswahn

Milch im Tetrapack, Salat in der Plastiktüte, Fleisch unter Frischhaltefolie – im Supermarkt wird viel Müll verkauft. Einige Händler wollen Lebensmittel nun verpackungsfrei verkaufen - sie werden es schwer haben.

Quelle: dpa

Am ehesten würden die Verbraucher laut der Umfrage Obst und Gemüse (71 Prozent) und Backwaren (62 Prozent) immer verpackungsfrei kaufen. Weitere 21 beziehungsweise 27 Prozent zumindest manchmal. Schon bei anderen Trockenprodukten wie Reis, Linsen oder Nudeln könnten sich das noch 37 Prozent als Dauerlösung vorstellen. Bei Molkereiprodukten oder flüssigen Lebensmitteln wie Essig, Öl oder Saft sinkt die Bereitschaft der Kunden jedoch in den Keller. Weniger als ein Drittel der Kunden sind zudem bereit, für verpackungsfreie Waren mehr zu zahlen.

Was den Deutschen beim Einkauf wirklich wichtig ist

  • Über die Umfrage

    Fragestellung: “Welche der folgenden Aspekte sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Leistungen des Lebensmitteleinzelhandels?”
    Quelle: Institut für Handelsforschung // repräsentative Umfrage unter 1.542 Deutschen

  • 73,9 Prozent

    Produktangebot mit dem bestmöglichen Preis-Leistungs-Verhältnis

  • 64,7 Prozent

    Große Auswahl verschiedener Produkte

  • 60,2 Prozent

    Immer hohe Qualität aller Produkte

  • 59,9 Prozent

    Immer alles was ich brauche an einem Ort

  • 59,5 Prozent

    Kundenorientierte Öffnungszeiten

  • 57,1 Prozent

    Viele gut erreichbare Geschäfte in meiner Nähe

  • 47,8 Prozent

    Angenehme Einkaufsatmosphäre

  • 23,4 Prozent

    Immer alle Informationen, die ich zu den Produkten brauche verfügbar

Und selbst bei den theoretisch Überzeugten ist fraglich, wie lange sie einen umfassenden Packungsverzicht aufrechterhalten könnten. "Supermärkte, die unverpackte Lebensmittel anbieten, erfordern die Bereitschaft der Konsumenten, mehr Zeit für die Auswahl und Verpackung der Lebensmittel einzuplanen", sagt etwa Susanne Eichholz-Klein vom Institut für Handelsforschung in Köln im Gespräch mit der WirtschaftsWoche Online. Beim alltäglichen Einkauf aber geht es vor allem um Komfort und Geschwindigkeit.

Tatsächlich aber Konsumforscher stellen schon länger ein wachsendes Interesse an einem ökologischen und nachhaltigen Einkauf fest – vor allem dann, wenn er keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet. Große Supermarktketten wie Rewe und Edeka machen gute Geschäfte, seit dem sie ihr altes Produktportfolio mit regionalen Waren vom Bauern aus der Nachbarschaft in den Laden ausbauen.

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Eine ähnliche Entwicklung könnte sich auch bei den Verpackungen einstellen. Schritt für Schritt. "Das Bewusstsein der Verbraucher verändert sich", sagt Gerd Bovensiepen.

Es sei zwar unrealistisch, dass die Supermärkte komplett umstellten. "Aber sie könnten bei einzelnen Sortimenten auch verpackungsfreie Waren anbieten, wobei ich vor allem Bio-Produkte und regionale Produkte für ein geeignetes Testfeld halte." Hier könne gut mit kleinen regionalen Erzeugern zusammengearbeitet werden. Die Industrie sollte zudem Materialien sparsamer und noch mehr Verpackungen auf Basis nachwachsender Rohstoffe einsetzen

Mit Material von Reuters.

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