Versandhandel: Management trieb Neckermann in den Ruin

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exklusivVersandhandel: Management trieb Neckermann in den Ruin

von Henryk Hielscher

Die Versandhaus-Ikone Neckermann scheiterte nicht nur, weil der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Geldhahn zudrehte. Auch das Management in Frankfurt patzte.

Die Botschaft kam per Blackberry: "Nachricht schockt mich", schrieb Johannes Neckermann, Sohn des 1992 verstorbenen Unternehmensgründers Josef Neckermann, vergangenen Mittwoch um 21.15 Uhr, der WirtschaftsWoche. "Wir wussten zwar, dass die Situation bei Neckermann kritisch ist, mit einer ‚Aufgabe‘ habe ich aber ganz und gar nicht gerechnet", textete der Nachkomme, der in den Siebzigerjahren in der Geschäftsführung des Versandhauses tätig war.

Wenige Stunden zuvor hatte das Management des maroden Traditionsversenders Insolvenz angemeldet. Nach Hertie, Quelle und Schlecker steht damit eine weitere deutsche Handelsikone vor dem Aus, von deren Pleite offenbar als Kreditgeber auch das Essener Bankhaus Valovis betroffen ist.

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Neckermann – der Name galt lange Zeit als Inbegriff für die Konsumfreuden der bundesdeutschen Nachkriegsära. Egal, ob Necko-Mopeds, Waschmaschinen oder Fertighäuser – "Neckermann macht’s möglich" war in der Bonner Republik als Werbespruch allgegenwärtig. Die telefonbuchdicken Kataloge gehörten zum deutschen Wirtschaftswunder wie sonst nur die Zigarren von Ludwig Erhard.

Der Niedergang von Neckermann.de

  • 2006

    Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.

  • 2007

    Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.

  • 2010

    Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.

  • April 2012

    Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden. Gewerkschaft Verdi und Betriebsrat reagieren entsetzt. Sie wollen in Verhandlungen mit der Unternehmensleitung möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

  • Mai 2012

    Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.

  • Juni 2012

    Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.

  • Juli 2012

    Neckermann.de stellt Insolvenzantrag. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.

Wechselvolle Geschichte

Doch schon Mitte der Siebzigerjahre war der Zenit überschritten. Kurz vor der Pleite musste die Neckermann-Familie ihr Unternehmen an den Rivalen Karstadt abgeben, der es später an den US-Finanzinvestor Sun Capital weiterreichte. Nun fällt Sun Capital die Rolle des Totengräbers zu.

Bedingt angriffsbereit. Neckermann-Chef Koopmann patzte bei der Sanierung Quelle: Pressebild

Bedingt angriffsbereit. Neckermann-Chef Koopmann patzte bei der Sanierung

Bild: Pressebild

Nach Ansicht des Handelsexperten Jörg Funder, geschäftsführender Direktor des Instituts für internationales Handelsmanagement in Worms, trägt aber die Neckermann-Führungsspitze um Henning Koopmann mindestens eine Mitschuld an dem Desaster. "Sowohl die Strategie war falsch als auch die Umsetzung der Restrukturierung", bilanziert Funder.

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