Bild: dpaNeckermann
Es ist der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fallen dem zum Opfer. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen; die Konzernspitze beklagt, dazu fehle das Geld.
Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Sun Capital werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Damit ist das Unternehmen pleite.
Bild: dapdSchlecker
Ende Februar meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Bereits im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nannte Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Da sich bis Anfang Juni 2012 kein Investor für Schlecker gefunden hatte, musste Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das endgültige Aus der Drogeriemarkkette verkünden.
Die Pleite der Drogeriekette hat nun ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts.
Bild: REUTERSKarstadt
Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor - Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - rutscht 2009 in die Pleite. Der Geschäftsbereich Warenhaus mit den Karstadt-Häusern geht für fünf Millionen Euro im Juni 2010 an die Holding des deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und ist damit vorerst gerettet. Bis 2016 - so Pläne von Dezember 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegen - soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2016 rund 272 Millionen Euro betragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz bei 3,228 Milliarden Euro. Karstadt schrieb einen ansehnlichen operativen Gewinn (Ebitda) von 103 Millionen Euro. Am 16. Juli gab Karstadt bekannt, 2000 Stellen streichen zu müssen.
Bild: APQuelle
Das zweite Opfer der Arcandor-Pleite: Von den 50ern bis in die 1990er Jahre stand Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel. Im Juni 2009 kam das Aus. Kein Investor wollte das Versandhaus, das bereits seit 1999 zum Karstadt-Konzern gehörte. Seit August 2011 können Quelle-Fans unter www.quelle.de bei einer Tochter des Otto-Versands bestellen. Die Marke Quelle lebt nur noch im Internet weiter.
Bild: dpaIhrPlatz
Die Schlecker-Tochter wurde mit in die Insolvenz gerissen. Betroffen von der Pleite sind rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter. Seit 2007 gehört IhrPlatz zu Schlecker. Davor waren die Märkte schon einmal insolvent - und konnten sich erfolgreich sanieren. Ursprünglich sollte IhrPlatz die Schlecker-Premiummarke werden. Nach der Pleite der Unternehmensmutter Schlecker wird noch nach einem Investor für IhrPlatz gesucht.
Bild: dpaHertie
Das Ende der Kaufhauskette war ein Tod auf Raten. Seit Mitte der 80er Jahre gingen die Umsätze zurück. Der Aufkauf durch Karstadt 1994 brachte weitere Einschnitte. 2005 wurden die kleineren Hertie-Häuser verkauft - vier Jahre später die letzten Filialen geschlossen. Der Name "Hertie" stammte übrigens vom Onkel des Firmengründers Oscar Tietz. Da der jüdische Name Tietz im Dritten Reich nicht mehr geführt werden durfte, wurden die Kaufhauskette zu Ehren von Onkle Hermann Tietz in „Hertie“ umbenannt.
Bild: dpaWoolworth
Der Kaufhauskonzern Woolworth meldete im April 2009 Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen 11.000 Mitarbeiter und unterhielt 330 Filialen in Deutschland und Österreich. Das 1926 gegründete Unternehmen gehörte seit 2007 der britischen Investment- und Beratungsgesellschaft Argyll Partners.
Bereits im November 2008 hatte das britische Traditionskaufhaus Woolworths Zahlungsunfähigkeit gemeldet. Die US-Mutter hatte ihre Kaufhäuser in den USA bereits 1997 geschlossen. Der amerikanische Woolworth-Konzern benannte sich erst in Venator um, seit 2001 heißt das Unternehmen Foot Locker und verkauft in erste Linie Sportartikel.
Woolworth Deutschland gehört seit Mitte 2010 der HH Holding und der Tengelmann-Gruppe.
Bild: PressebildMäc-Geiz
Der Non-Food-Discounter mit Sitz in Landsberg verkaufte Haushaltsartikel. Im Gegensatz zu anderen Discountermärkten sind die Waren in den Mäc-Geiz-Filialen nicht nach Warengruppen geordnet, sondern nach Preisgruppen gestaffelt. 2002 erhielt Mäc-Geiz den Unternehmerpreis der ostdeutschen Sparkassen für sein Marketingkonzept. Am 18. Mai 2010 meldete Mäc Geiz Insolvenz an. Mäc-Geiz gibt einen Großteil der Filialen ab. Der Textildiscounter NKD führt einen Großteil der Standorte in NRW weiter. Die österreichische MTH Handels-Holding GmbH übernimmt den Geschäftsbetrieb inkl. Einkauf und Logistik unter der Geschäftsführung von Johannes Riedl & Christoph Pfeiffer. Derzeit gibt es 180 Filialen, Mäc Geiz beschäftigt 1300 Mitarbeiter.
Neckermann
Es ist der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fallen dem zum Opfer. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen; die Konzernspitze beklagt, dazu fehle das Geld.
Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Sun Capital werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Damit ist das Unternehmen pleite.
Der Versandhändler Neckermann wird am Mittwoch beim Amtsgericht Frankfurt einen Insolvenzantrag stellen. Das teilte das Unternehmen selbst mit. Geplant war, den Eigenhandel mit Textilien einzustellen und das Frankfurter Zentrallager aufzugeben. Dem Umbau sollten 1380 Stellen zum Opfer fallen.
Der Niedergang von Neckermann.de
2006
Aus der Neckermann Versand AG wird Neckermann.de. Die Umbenennung steht für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel.
2007
Das Unternehmen wird mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgt.
2010
Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernimmt Sun Capital auch die übrigen Anteile an Neckermann.de. Der Versandhändler hat sich nach Verlusten mit einem starken Wachstum im Online-Geschäft wieder berappelt.
April 2012
Das Unternehmen will mehr als jede zweite Stelle streichen, verabschiedet sich aus dem schrumpfenden Kataloggeschäft und will nun voll auf den Online-Handel setzen. Es war 2011 Berichten zufolge zurück in die Verlustzone gerutscht. 1380 Jobs sollen entfallen, der größte Teil am Stammsitz in Frankfurt. Das Logistikzentrum in Frankfurt, das vor allem Textilien ausliefert, soll dichtgemacht, das Eigentextilsortiment und die Kataloge sollen eingestellt werden. Gewerkschaft Verdi und Betriebsrat reagieren entsetzt. Sie wollen in Verhandlungen mit der Unternehmensleitung möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.
Mai 2012
Der Betriebsrat legt ein grobes Konzept zum Erhalt Hunderter Arbeitsplätze vor. Er will entgegen den Plänen der Geschäftsleitung am eigenen Textilangebot festhalten. Das Logistikzentrum in Frankfurt könne zum Online-Dienstleister für stationäre Textilketten werden. Geschäftsleitung und der Finanzinvestor Sun Capital lehnen das Alternativkonzept nach Angaben der Gewerkschaft jedoch ab.
Juni 2012
Die Gewerkschaft Verdi verlangt einen Tarifvertrag, in dem ein Sozialplan und eine Beschäftigungsgesellschaft geregelt sind. Eine erste Verhandlungsrunde mit dem Unternehmen endet ergebnislos. Die Beschäftigten reagieren mit Streiks.
Juli 2012
Neckermann.de stellt Insolvenzantrag. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, stellt keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung. Der Investor hält eine nach schwierigen Verhandlungen erzielte Lösung zwischen Management und Gewerkschaft Verdi zum geplanten Stellenabbau für nicht tragfähig.
Im wochenlangen Ringen hatten sich Management und die Gewerkschaft Verdi zwar in letzter Minute auf eine Lösung geeinigt, wie beide Seiten mitteilten: Sozialplan, Abfindungen in begrenztem Umfang und eine Transfergesellschaft. Der Eigentümer, der US-Finanzinvestor Sun Capital, halte das Ergebnis aber nicht für tragfähig und werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen. „Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann das Unternehmen in seiner bestehenden Form damit nicht fortgeführt werden“, teilte das Unternehmen mit.
„Kurz vor der Unterschrift hat Sun erklärt, dass sie kein Geld mehr zur Verfügung stellen, so dass die Zahlungsfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist“, sagte Verdi-Sekretär Bernhard Schiederig. Der Investor hatte noch im April signalisiert, weitere 25 Millionen Euro in das Unternehmen zu investieren, wenn alle Beteiligten bei der Sanierung an einem Strang zögen. Die WirtschaftsWoche hat über das drohende Ende des Versandhändlers ausführlich berichtet.
























