Versandhandel: Neckermann steuert auf ein Desaster zu

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Versandhandel: Neckermann steuert auf ein Desaster zu

von Henryk Hielscher

Nach Praktikers-Last-Minute-Rettung und dem Schlecker-Kollaps bahnt sich das nächste Großdesaster im Handel an: Kommt es im Streit zwischen den Neckermann-Beschäftigten und der Unternehmensspitze nicht bald zu einer Lösung, droht die Pleite – mal wieder.

„Was wie ein langsamer Abgang aussah, wurde ein Sturz ins Bodenlose.“ Mit diesem Satz begann ein Artikel im „Spiegel“ aus dem Jahr 1976. Das Thema: Der Absturz des Neckermann-Versandimperiums. Damals stand das Schicksal der Wirtschafswunderikone auf Messers Schneide. Neckermann war praktisch pleite. Ausgerechnet eine Jubiläumsrabattaktion hatte die Finanzkraft des Unternehmens ausgehöhlt. Nur die Übernahme durch Karstadt wendete den Konkurs noch einmal ab.

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Was derzeit am Frankfurter Sitz des Unternehmens abspielt, dürfte getrost als der Tragödie zweiter Teil in die Konzernhistorie eingehen. Seit Monaten schon beharken sich Neckermann-Management und Mitarbeiter. Das Unternehmen will knapp 1400 Stellen streichen, doch um Abfindungen für die von Kündigung bedrohten Beschäftigten zu zahlen, fehlt nach Meinung der Führungsspitze um Henning Koopmann das Geld. Betriebsrat und Gewerkschaft ringen dagegen um Zugeständnisse für Betroffene, denen gekündigt wurde.

Unverhohlen steht die Schlecker-Drohung im Raum. Ein Verkauf des insolventen Drogeriebetreibers war vor allem an der Vielzahl von Kündigungsschutzklagen gescheitert. Auch bei Neckermann sieht man die Prozessrisiken durch Abfindungszahlungen. Diese Klagen seien finanziell nicht kalkulierbar und gefährdeten die Existenz des Unternehmens, hieß es. Mögliche Co-Investoren würden durch das Risiko abgeschreckt.

Das Unternehmen hatte am Mittwoch mitgeteilt, die Verhandlungen seien gescheitert. „Das Unternehmen prüft alle Optionen, um möglichst finanzierbare Lösungen zu finden“, hieß es in der Folge. Dem sei weiterhin nichts hinzuzufügen, sagte eine Firmensprecherin am Montag.

Der geplante Arbeitsplatzabbau ist Teil einer umstrittenen Radikalkur des Unternehmens. Der Versandhändler will den Eigenhandel mit Textilien sowie das Frankfurter Zentrallager aufgeben. „Sowohl die Strategie ist falsch als auch die Umsetzung der Restrukturierung“, sagte indes Handelsexperte Jörg Funder, geschäftsführender Direktor des Instituts für internationales Handelsmanagement in Worms, gegenüber WirtschaftsWoche Online.

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