Virtual Reality: Auf einen Kaffee mit pinken Monstern

Virtual Reality: Auf einen Kaffee mit pinken Monstern

, aktualisiert 13. November 2016, 08:15 Uhr
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Die heranstürmenden kleinen Feinde müssen mit Feuerbällen und Laserkanonen abgewehrt werden. Der Clou: Die vier Spieler sind gemeinsam in der Computerwelt unterwegs und können sich unterhalten und sich gegenseitig helfen.

von Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Das Start-up Holocafé will aus Virtual-Reality-Spielen gesellschaftliche Treffpunkte machen. Unterstützt von Media Markt startet es jetzt in Düsseldorf – mit großen Plänen. Ein Bericht aus den virtuellen Welten.

DüsseldorfDer Einstieg ist noch einfach. Entwickler Oliver Eberlei passt mir die klobige schwarze Brille an, drückt mir in jede Hand einen Controller und entlässt mich in den virtuellen Raum. Ich drehe mich vorsichtig einmal um die eigene Achse – und erschrecke. Denn direkt vor mir schwebt eine weitere Virtual-Reality-Brille im zunächst leeren Raum. Es ist mein Mitspieler, der nicht nur physisch einen Meter vor mir steht, sondern per Software auch in die gleiche Computerwelt gebeamt wurde.

Mit simplen Übungen geht es los. Auf dem Boden liegen weiße Bälle und Würfel. Ich kann sie mit dem Controller greifen und hochheben. Ich werfe einen Ball zu meinem Mitspieler, der es tatsächlich schafft, ihn aufzufangen. Anschließend stapele ich vier Würfel aufeinander und balanciere sie stolz durch den Raum – zumindest bis mein Mitspieler meinen Turm mit einem gezielten Ballwurf zum Einsturz bringt.

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Im Holocafé in den Düsseldorf-Arcaden werden sogar Kinderspiele cool. Das virtuelle Spielzimmer für erwachsene Kinder öffnet am kommenden Montag in einem Pop-Up-Store in dem Shoppingcenter im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Bereits jetzt können Kunden online Zeiten in der Virtual-Reality-Arena buchen.

Und das Holocafé bietet eine Premiere: „Wir sind die ersten, die Virtual-Reality-Spiele für mehrere Mitspieler anbieten“, erklärt Eberlei, der das Start-up zusammen mit den Spieleentwicklern Jessica Karger und Sebastian Kreutz gegründet hat. Kreutz hat die Ursprungsidee dazu geliefert – inspiriert vom „Holodeck“ aus dem Film „Star Trek“.

Alle drei sind selbstständige Spieleentwickler, die sich seit Jahren in virtuellen Räumen herumtreiben. Nun wollen sie mit ihrer Geschäftsidee Holocafé die Virtual-Reality (VR)-Games zum Gesellschaftsspiel machen. Dabei haben sie die Rollen klar verteilt: Jessica entwirft die bunten Landschaften und Fantasiewesen, Oliver programmiert die Software und Sebastian kümmert sich als Geschäftsführer um die Organisation.

Worauf sie stolz sind: Sie haben nicht nur ihre Spiele selbst entwickelt, sondern den Aufbau von Holocafé bisher weitgehend selbst finanziert. Unterstützt werden sie seit kurzem von der Metro-Tochter Media Saturn Holding, die ihnen Hardware zu Verfügung gestellt hat. Ein Spieler zahlt 12 Euro für 20 Minuten Spielzeit. „Allein mit den Vorausbuchungen, die wir jetzt schon haben, können wir die erste Monatsmiete bereits bezahlen“, sagt Eberlei.

Im Pop-Up-Store haben sie zunächst nur eine 25 Quadratmeter große Spielfläche. Ihr Traum aber ist es, nach der dreimonatigen Testphase eine größere Location zu bekommen, wo sie auch einen Café-Betrieb integrieren können, um das Holocafé zu einem richtigen Freizeittreffpunkt für Gamer zu machen. Wenn alles gut läuft, sollen Cafés in weiteren Städten folgen.


„Das macht richtig Spaß“

Ich fühle mich erstmal fremd, aber Jessica Karger erklärt mir gleich, dass ich hier genau richtig bin. „Virtual Reality ist perfekt für Menschen, die noch keine Erfahrung mit Computerspielen haben, weil alles ganz intuitiv geht“, macht sie mir Mut für meine weiteren Erkundungen in den von ihr entworfenen künstlichen Welten. Dass sie nach eigenen Angaben ein Faible für Monsterjagden hat, hätte mir jedoch zu denken geben sollen.

Denn jetzt wird es ernst. Eberlei hat für die zweite Runde eine Wüstenlandschaft ausgewählt. Die vier Mitspieler stehen Rücken an Rücken und gucken in die vier Himmelsrichtungen. Ich habe es kaum geschafft mir per Knopfdruck eine Waffe auszusuchen, da schwebt vor mir schon eine bedrohliche Horde aus pinken, pyramidenförmigen Robotern über die Sanddüne.

Ich habe mir den Feuerwerfer als Waffe gewählt – ein klarer Fehler für einen Anfänger. Die ersten zwei Feuerbälle zerplatzen wirkungslos vor meinen Füßen, den dritten schleudere ich so ungeschickt in die Höhe, dass ich mich fast selbst getroffen hätte. Währenddessen marschieren die Gegner unbarmherzig auf mich zu. Zum Glück greift einer meiner Mitspieler ein und erledigt die kleinen feindlichen Monster mit gezielten Schüssen aus seiner Laserkanone.

Mit deutlich größerem Geschick als ich ballert Martin Wild, Chief Digital Officer der Media Saturn Holding, auf die pinken Kampfroboter. Kein Wunder, hat er doch zuhause selber eine VR-Ausrüstung und ist begeisterter Gamer. Doch mit anderen Spielern den virtuellen Raum zu teilen, ist auch für ihn neu. „Das macht richtig Spaß“, sagt er.

Zuversichtlich sieht er auch die Partnerschaft seines Unternehmens mit dem Start-up Holocafé. „Wir wollen in der Testphase erstmal gemeinsam Erfahrungen sammeln und dann entscheiden wir, in welcher Form wir in Zukunft zusammenarbeiten wollen“, sagt Wild. Denkbar wäre etwa, in Media-Markt-Filialen Holocafés einzurichten, um eine weitere Attraktion für die Kunden zu bieten. Aber auch alleinstehende Cafés, unterstützt von Media Markt, sind möglich.

Schon seit Ende vergangenen Jahres setzt Media Saturn voll auf digitale Extras. So können Kunden in ausgewählten Märkten per VR-Brille Backöfen und Geschirrspüler in virtuellen Küchen ausprobieren. Roboter rollen durch Filialen und begrüßen die Kunden oder liefern Päckchen aus. Doch zunächst sind all das Pilotprojekte; ob sie in den 1000 Läden der beiden Ketten Media Markt und Saturn zum Standard werden, ist noch unklar.

Aber auf eins hofft Media-Saturn-Manager Wild auf jeden Fall: Dass die Kunden im Holocafé so viel Spaß an den virtuellen Welten bekommen, dass sie sich eine eigene VR-Ausrüstung für zuhause wünschen. „Dann können sie sie bei uns im Markt gleich kaufen“, sagt er schmunzelnd.

Quelle:  Handelsblatt Online
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