Vom Pelzmonopolisten zum Kaufhof-Interessenten: Der Aufstieg der Hudson's Bay Company

Vom Pelzmonopolisten zum Kaufhof-Interessenten: Der Aufstieg der Hudson's Bay Company

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Auch die Edel-Warenhauskette Saks Fifth Avenue gehört mittlerweile zur Hudson's Bay Company.

von Stephan Happel und Henryk Hielscher

Kanadische Wochen bei Galeria Kaufhof: Ein 1670 gegründetes Unternehmen aus Toronto will die deutsche Warenhaus-Ikone übernehmen. Wer steckt hinter Hudson's Bay Company?

Die Kanadier kommen. Das multinationale Handelsunternehmen Hudson's Bay Company (HBC) ist an einer Übernahme der Metro-Tochter Galeria Kaufhof interessiert. Die Gespräche über die Zukunft der rund 140 Geschäfte der Kaufhauskette laufen offenbar seit Jahresbeginn, sind aber dem Vernehmen nach noch in einem sehr frühen Stadium.

Ob HBC tatsächlich zum Zuge kommt, ist damit zwar höchst ungewiss. Doch zumindest beim Metro-Großaktionär Haniel könnte das Interesse durchaus auf Gegenliebe stoßen. Die Ruhrgebietsdynastie will seit längerem ihr Metro-Risiko im Portfolio reduzieren. Ein Verkauf von Kaufhof käme da gerade recht.

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Dass die Geschichte der Haniels und die der kanadischen Interessenten durchaus Parallelen aufweisen, könnte die Verhandlungen. Beide Gesellschaften trotzen seit Jahrhunderten allen wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen und haben ihre Geschäftsmodelle mehrfach gewandelt.

"Here Before Christ"

Der Aufstieg der Haniels begann 1756, als die Famile in Duisburg-Ruhrort ein "Packhaus" errichtete, um Tabak, Tee und Gewürze zu lagern. Um das Grundstück zu erwerben, war die Unterschrift von Friedrich II notwendig.

Die Geschichte von HBC begann bereits im Jahr 1670. Charles II von England hatte der Company 1670 Eigentum über Land und Bodenschätze übertragen. Vor allem aber bekam sie mit dem Titel der englischen Handelskompanie auch das Monopol über den Pelzhandel übertragen. Die Historie der HBC ist derart eng mit der des Landes verknüpft, dass seine Chefs bis heute Gouverneure heißen. Wegen des quasi-staatlichen Auftretens werde das Unternehmenskürzel "HBC" von Kanadiern spöttisch auch als "Here Before Christ" übersetzt, heißt es denn auch in der Online-Bibliothek „Wikipedia“.

Die umsatzstärksten Modehändler der Welt

  • Rang 10

    El Corte Inglés

    Umsatz 2013: 14,789 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista, Stand: 2015

  • Rang 9

    The Gap

    Umsatz 2013: 16,149 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 8

    Marks and Spencer

    Umsatz 2013: 16,391 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 7

    Kohl's

    Umsatz 2013: 19,031 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 6

    H&M

    Umsatz 2013: 19,729 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 5

    Inditex (Beinhaltet Großhandelsumsätze)

    Umsatz 2013: 22,265 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 4

    LVMH (Schätzung)

    Umsatz 2013: 24,392 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 3

    TJX

    Umsatz 2013: 27,423 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 2

    Macy's

    Umsatz 2013: 27,931 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

  • Rang 1

    Sears

    Umsatz 2013: 36,188 Mrd. US-Dollar

    Quelle: Statista

Bis 1870 kontrollierte HBC den lukrativen Fell-Markt, dann kaufte Kanada der Gesellschaft die Rechte wieder ab. HBC änderte daraufhin die Ausrichtung, stieg in den Großhandel ein und versorgte Siedler. Auch in der Schifffahrt und im Handel mit Öl und Gas war HBC tätig, bevor sich die Gesellschaft in den 1990er Jahren wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte.

Heute steht bei Hudson’s Bay das klassische Warenhausgeschäft im Mittelpunkt. 332 Filialen betreibt die Kette aus Toronto. Ende 2013 bezahlte der Konzern für die Übernahme der traditionsreichen amerikanischen Handelskette Saks Fith Avenue rund 2,2 Milliarden Euro.

Der Zukauf trieb den Umsatz in neue Höhen: Mit Saks Fifth Avenue, der Kernmarke Hudson's Bay, der Modekette Lord & Taylor und dem Haushaltswarenhändler Home Outfitters machte HBC zuletzt einen Umsatz von gut 6 Milliarden Euro (8,16 Milliaden kanadische Dollar) und rund 177 Millionen Euro Gewinn (238 Millionen kanadische Dollar).

HBC an Kaufhof interessiert

Nun suchen die Kanadier offenbar auch über den eigenen Kontinent hinaus nach Expansionsmöglichkeiten – und rücken dafür Kaufhof auf den Pelz. Schätzungsweise rund 2,5 Milliarden Euro müssten sie für die deutsche Warenhauskette wohl auf den Tisch legen. Eine Summe, die andere Interessenten bislang abschreckte. Seit Jahren will Metro die Warenhauskette abstoßen. Sie passe einfach nicht mehr zum Kerngeschäft. Eilig hat es der Handelskonzern damit aber nicht. "Oberste Priorität bei Kaufhof hat die weitere Modernisierung – nicht der Verkauf", sagte Metro-Chef Olaf Koch im Februar im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Metro-Chef Olaf Koch "Wir sind zu hart am Limit gefahren"

Den Verkauf von Kaufhof hat Olaf Koch auf Eis gelegt. Im Interview erklärt der Metro-Chef, wie er mit seinen Warenhäusern und den Elektromärkten MediaMarkt und Saturn die Attacken von Online-Händlern parieren will.

Metro-Chef Olaf Koch Quelle: dpa Picture-Alliance

Anders als bei Konkurrent Karstadt laufen die Geschäfte der Warenhauskette - mit einem Netto-Umsatz von 3,1 Milliarden Euro und einem Gewinn von 193 Millionen im Geschäftsjahr 2013 / 2014 - immerhin solide. „Auf dem derzeitigen Kurs kann Metro mit Kaufhof noch über Jahre fahren“, sagt Thomas Roeb, Professor für Handel und Marketing an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Wachstumsperspektiven sieht der Handelsexperte hingegen kaum: "Um echtes Wachstum zu erzielen, müsste Kaufhof ein großes Risiko eingehen und seine Strategie umkrempeln. Dazu müsste das aktuelle Management über den Schatten seiner jahrzehntelangen Erfahrung springen - ein große Herausforderung."

Auf Immobilien-Suche

Für die Hudson's Bay Company wäre eine Übernahme in der Größenordnung von Kaufhof keine Premiere. Mit Kaufhof bekämen sie für ihren ersten Schritt nach Europa eine starke Marke – und wertvolle Immobilien in meist sehr guten Lagen.

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Das passt zur Strategie von Unternehmens-Chef Richard Baker, der seine Regeln für Zukäufe kürzlich so beschrieben hatte: "Unser erstes Kriterium ist, dass wir Unternehmen kaufen, die uns Synergieeffekte ermöglichen - wir wollen Kosten einsparen." Zweites suche man nach Unternehmen, bei denen Möglichkeiten bestehen die Geschäfte besser zu führen, als es das bisherige Management könne. "Und drittens müssen die Unternehmen eine Immobilienkomponente haben", so Baker. Gleichzeitig schränkte er ein: "Wir haben die Kapazitäten und die finanziellen Möglichkeiten für solche Transaktionen", sagte Baker. "Sind aber sehr wählerisch und vorsichtig."

Auch inhaltlich würde Kaufhof ins HBC-Portfolio passen. Mit seinen Waren im mittleren bis gehobenen Preissegment ähnelt Kaufhof der Kernmarke Hudsons Bay und auch dem vornehmeren Saks Fith Avenue. Unterschiede gibt es hingegen beim Warenangebot. „Mit ihrem großen Anteil an Non-Fashion-Produkten sind die deutschen Kaufhäuser sind eigentlich eine Anomalie in der Branche. Die Kaufhäuser in Amerika und auch in England setzen deutlich stärker auf Bekleidung“, erläutert Roeb.

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