Vorfall in Thailand: Wie ein Kriminalfall das Red-Bull-Image gefährdet

Vorfall in Thailand: Wie ein Kriminalfall das Red-Bull-Image gefährdet

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Haftbefehl für Red-Bull-Erbe: Vorayuth Yoovidhya wird nach einem fatalen Unfall mit Fahrerflucht polizeilich gesucht.

von Peter Steinkirchner

Red Bull hat seinen Ursprung nicht in Österreich, sondern in Thailand. Dort entwickelt sich der ungesühnte gewaltsame Tod eines Polizisten, in den der Enkel des Red-Bull-Gründers verwickelt ist, zu einem Imageproblem.

Es ist der frühe Morgen des 3. September 2012, als ein Trupp Polizisten vor einem bunkerartigen Anwesen im vornehmen Bangkoker Wohnviertel Thonglor eintrifft. Die Beamten folgten einer Ölspur durch die Straßen der thailändischen Hauptstadt bis vor den abweisenden Bau.

Vor der Villa werden die Männer fündig – das Öl trieft aus einem silbergrauen Ferrari FF. Die Motorhaube des 660-PS-Geschosses ist verbeult, die Frontscheibe zertrümmert. Unter diesem Luxuswagen starb nur kurz zuvor einer ihrer Kollegen. Statt anzuhalten, war der Fahrer weitergefahren – bis hierher, vor das Domizil der Familie Yoovidhya, eines der reichsten Clans Thailands.

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Ihren Reichtum verdankt die Familie Chaleo, dem Großvater, der vor Jahren zusammen mit dem Österreicher Dietrich Mateschitz den Getränkekonzern Red Bull gegründet hatte. Der Mann am Steuer des Ferrari war sein Enkel Vorayuth. Statt jedoch vor Gericht zu landen, ignorierte der Red-Bull-Erbe seither die Vorladungen der Justiz. Erst jetzt, fast fünf Jahre nach jener fatalen Septembernacht und unter wachsendem Druck der Öffentlichkeit, lässt sie den Milliardärsspross per Haftbefehl suchen.

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3. September 2012: Der Ferrari und ein Roller, die in dem Unfall verwickelt waren.

Schon lange nährt der Fall den Verdacht, Thailands Reiche stünden über dem Gesetz. Und droht zugleich zu einem unkalkulierbaren Imageschaden für eine der populärsten Getränkemarken der Welt zu werden. Schließlich taucht in jedem Bericht über den „Cop Killer“ der Name Red Bull auf.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter rufen Kritiker unter #boycottredbull dazu auf, den Getränkekonzern zu meiden. Wenn sich der Fall auch in Europa weiter herumspreche, könne er Red Bull und Mateschitz noch ernste Probleme bereiten, sagt Roman Meinhold, der an der Mahidol-Universität in Bangkok Wirtschaftsethik lehrt, nicht ohne Sarkasmus: „Es geht um Geschwindigkeit und teure Autos. Das müsste Red-Bull-Konsumenten eigentlich interessieren.“

Wie Red-Bull-Kopf Mateschitz über den Fall denkt, ob der Konzern ein Reputationsrisiko fürchtet, dazu mag sich bei dem Getränkemulti niemand äußern – die „Angelegenheit“ betreffe „nur die Familie Yoovidhya und nicht Red Bull“ heißt es auf Anfrage. Gelegenheiten, über den Fall zu reden, gäbe es: Einmal im Jahr, heißt es, treffe sich der Red-Bull-Chef mit der Familie in der Nähe von Salzburg, um übers Geschäft zu reden.



Dabei gäbe es auch über Vorayuths Lebensstil einiges zu besprechen. Denn während die Milliardäre die Familie des toten Polizisten mit Geld ruhigzustellen versuchten, führte der Youngster scheinbar unbeschwert ein auf Facebook und Instagram üppig dokumentiertes Jetset-Leben, mit Vorliebe im Umfeld des von Red Bull finanzierten Formel-1-Rennstalls. Dort posierte Vorayuth, den seine Freunde „Boss“ nennen, gern mit Fahrern wie Max Verstappen.

Seinem in London zugelassenen schwarzen Porsche hat Vorayuth das Kennzeichen BO55 RBR – Boss Red Bull Racing – verpasst. Die in Österreich registrierte Gulfstream G550, mit der seine Familie gern reist, ist an der Spitze der Tragfläche mit dem Red-Bull-Logo verziert – getreu dem Werbespruch, wonach Red Bull Flügel verleiht.

Vom Entenzüchter zum Milliardär

Es sind vor allem die Red-Bull-Gewinne, die der Familie einen aufwendigen Lebensstil finanzieren. Die Geschäfte laufen blendend. So verkaufte der Konzern nach eigenen Angaben 2016 erstmals mehr als sechs Milliarden Dosen der süßen Limonade und setzte so über sechs Milliarden Euro um.

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Red Bull Quelle: Hassân Al Mohtasib

Die Geschichte der Yoovidhyas ist eine klassische Aufsteigersaga: Das 2012 verstorbene Familienoberhaupt Chaleo kam als Kind chinesischer Einwanderer in der thailändischen Provinz zur Welt. Die Familie lebte von der Entenzucht, bis Chaleo Mitte der Fünfzigerjahre T.C. Pharmaceuticals gründete.

Das Unternehmen verdiente sein Geld vor allem mit dem Import von Medikamenten. Einen Erfolg landete Chaleo 1975 mit einem stimulierenden Getränk, das er, ähnlich wie Medizin, in kleinen, braunen Glasflaschen verkaufte. Mit Krating Daeng („Roter Stier“), einem Mix aus Wasser, Zucker, Koffein und dem Aufputschmittel Taurin, eroberte Chaleo den thailändischen Markt.

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