Wachsender Drogenmarkt: Die Deutschen im Drogendelirium

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Wachsender Drogenmarkt: Die Deutschen im Drogendelirium

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Wie viele Drogen tatsächlich im Umlauf sind, weiß niemand. Nur eins: Die Zahlen gehen nach oben.

von Kathrin Witsch

Sinkender Konsum von Alkohol und Tabak, doch illegale Drogen erfahren ein gefährliches Comeback. Der aktuelle europäische Drogenbericht spricht von „neuen Bedrohungen“. Und Deutschland wird zum Eldorado für den Rausch.

Die Tür zum Büro der Asservatenverwaltung öffnet sich, und der süßliche Geruch von Marihuana dringt in die Nase. Auf einem Rollwagen liegen unzählige braune Briefumschläge und Päckchen. Von ein paar Gramm Haschisch, Heroin, Kokain oder Ecstasy-Pillen bis zu einem sechs-Kilo-Paket Marihuana. Heute wird all das „amtsgerecht“ vernichtet. Ort und Zeitpunkt sollen nicht öffentlich werden, zu groß ist die Gefahr eines Überfalls durch Dealer oder Junkies.

Die Verwalter der Asservatenkammer sitzen an einem dunkelbraunen Beamtenschreibtisch. Daneben unterschreiben und stempeln Staatsanwalt und Rechtspfleger, unterschreiben und stempeln, unterschreiben und stempeln. Auf jedem der knapp 300 Päckchen klebt ein kleiner weißer Zettel auf dem steht, wie viel wann beschlagnahmt und wie lange gelagert wurde. Fast zwei Tage jeden Monat nimmt diese Art der „fachgerechten Entsorgung konfiszierter Betäubungsmittel“ in Anspruch.

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Heute laden die Beamten knapp 15 Kilogramm Drogen in den Kofferraum eines silbernen Renault Megane. Dann geht es zur örtlichen Deponie. Dort werden die Päckchen ganz unbürokratisch in die Müllentladeschiene geworfen und mit einem massiven Metallschieber in den Bunker befördert, um mit anderem Restmüll in der bis zu 1500 Grad heißen Feuerung vernichtet zu werden.

Jedes Jahr werden in Deutschland so tonnenweise konfiszierte Drogen entsorgt; allein 2014 waren es sechzig Tonnen. Und das sind nur die illegalen Substanzen, die von Behörden sichergestellt wurden. Wie viele Drogen tatsächlich im Umlauf sind, weiß niemand. Nur eins: Die Zahlen gehen nach oben. Der heute veröffentlichte Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA), warnt vor einem Aufwärtstrend bei Angebot, Reinheitsgrad und Konsum illegaler Substanzen. Seit vier Jahren entwickelt sich der Drogenmarkt auch in Deutschland mit auffällig hohem Tempo.

Der Weg der Drogen nach Europa

Sei es die Anzahl der Drogentoten, der Konsumenten oder der Reinheitsgrad einzelner Substanzen: Seit 2012 steigen die Werte kontinuierlich, aktuell auf ein Vier-Jahres-Hoch. Der Drogenmarkt floriert wie lange nicht mehr. Ein großer Faktor: Der Drogenkauf im Internet. Hinzu kommt ein seit einigen Jahren florierender Handel im Darknet, dem digitalen Schwarzmarkt, und das Geschäft mit den sogenannten „Legal Highs“. Letztere sind faktisch legal zusammengesetzte chemische Substanzen, die über das frei zugängliche Internet zu haben sind.

Gleichzeitig sind die Drogenpreise stabil geblieben oder sogar gesunken. Das Ergebnis: Immer mehr Deutsche greifen für weniger Geld zu härterem Stoff. Auf 320 Milliarden US-Dollar schätzen die Vereinten Nationen den Jahresumsatz des illegalen Drogenhandels weltweit. 24 Milliarden Euro davon geben laut der EMCDDA allein die Europäer jährlich für den illegalen Rausch aus. Wobei von einer Spanne von bis zu 31 Milliarden Euro ausgegangen werden muss.

Preiskämpfe zwischen Produzenten klassischer und neuer synthetischer Drogen spielen in der Veränderung des Drogenmarktes eine große Rolle. Die gestiegene Qualität ist eine weitere Folge dieser Machtkämpfe. „Die Nachfrage nach härterem Stoff ist extrem gestiegen“, sagt Huth. Das zeigten auch die Stoffproben der Behörden. Beispiel Kokain: Hier hat sich der Reinheitsgrad innerhalb von drei Jahren fast verdoppelt. Das Geschäft mit den Drogen ist eine Milliardenindustrie. - und Deutschland mittendrin.

Drogen-Eldorado Deutschland

Deutschland ist nicht ohne Grund ein regelrechtes Eldorado für den illegalen Drogenhandel. „Es bietet die perfekte Ausgangssituation: eine stabile Wirtschaftslage, zahlungsfähige Kundschaft und bei 80 Millionen Einwohnern eine große Auswahl an potenziellen Konsumenten“, sagt Oliver Huth, Stellvertretender Vorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BdK) in Nordrhein-Westfalen. Die Dunkelziffer liege weitaus höher als das, was die offiziellen Zahlen hergeben. Und das sei nicht der einzige Negativtrend in den letzten Jahren. Huth selbst war vier Jahre lang in der Rauschgiftermittlung tätig, bevor er in den Bereich der Organisierten Kriminalität wechselte. Die Entwicklung des deutschen Drogenmarktes beobachtet er mit großer Sorge. „Durch das Internet ist es heutzutage viel einfacher, unerkannt an illegale Substanzen zu gelangen“, erklärt er.

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