Warenkonzern in der Krise: Expertencheck - Das taugt die Karstadt-Modernisierung

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Warenkonzern in der Krise: Expertencheck - Das taugt die Karstadt-Modernisierung

von Cornelius Welp

Der Warenkonzern Karstadt investiert zu wenig in die Modernisierung seiner Filialen. Ausnahmen sind Häuser wie Frankfurt. Doch wie tragfähig ist das Zukunftskonzept wirklich? Ein Rundgang mit einem Handelsexperten.

Professor X (siehe "Zur Person") und ich treffen uns am Freitagnachmittag um halb fünf vor dem Warenhaus an der Frankfurter Haupteinkaufsstraße Zeil. Es ist viel los, doch viele Passanten eilen achtlos vorbei. Von denen, die das Gebäude verlassen, tragen nur wenige die dunkelblauen Karstadt-Tüten in der Hand.

Offenbar trügt der Eindruck nicht, dass sich die Einkaufsfreude in Grenzen hält. Das Unternehmen, das 2009 als Teil des Konzerns Arcandor insolvent war, steckt weiter in der Krise. Der Umsatz ist eingebrochen, jährlich macht Karstadt einen dreistelligen Millionenverlust. 2000 Jobs werden aktuell gestrichen und die Angestellten weitere zwei Jahre nicht nach Tarifvertrag bezahlt.

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Deren Unzufriedenheit richtet sich zunehmend gegen den Investor Nicolas Berggruen. Der hatte Karstadt Anfang 2010 für einen symbolischen Euro übernommen. Seitdem sei zu wenig passiert, klagen Arbeitnehmervertreter und Lieferanten. Berggruen solle endlich investieren, auch eigenes Geld in die Hand nehmen, um die maroden Filialen auf Vordermann zu bringen.

In manche Standorte ist Geld geflossen – finanziert allerdings nicht von Berggruen, sondern aus den laufenden Einnahmen. Zu den größten Empfängern der Renovierungsbeihilfen gehört das Haus in Frankfurt. Ende 2011 präsentierte es sich nach siebenmonatigem Umbau als runderneuert, Kostenpunkt: zwölf Millionen Euro. Laut der internen Mittelfristplanung sollen noch einmal knapp vier Millionen Euro in das Haus gesteckt werden.

Professor X

  • Zur Person

    Unser Experte ist Professor an einer deutschen Hochschule. Erst nach dem Ortstermin erfuhr er, dass der Warenhausriese Karstadt über einen Medienanwalt gegen mehrere Wissenschaftler juristisch vorgegangen ist, die sich skeptisch zu Karstadts Zukunftsfähigkeit geäußert hatten. Deshalb wollte er sich nicht mehr mit Namen zitieren lassen. Da ein solches Vorgehen keine kritischen Inhalte verhindern sollte, veröffentlichen wir den Text trotzdem – und nennen ihn X.

Ist Frankfurt also ein Leuchtturmprojekt, das zeigt, wie es mit Karstadt weitergehen kann, wenn Geld fließt? Die Fassade des Warenhauses ist neu, waagerechte, schwarze Linien durchziehen das Weiß, etwa in der Mitte verdecken Scheiben die Sportabteilung. In den Schaufenstern neben den Eingängen verkünden knallrote „Wow! Sale“-Schilder, dass alles nun „bis zu 50 Prozent billiger“ ist. Daneben hängen ein paar rote Sommerkleidchen, in einem Guckkasten sitzen Sonnenbrillen auf weißen Schaufensterpuppenköpfen. Ein anderes Fenster ist leer. Wie ist der erste Eindruck?

„Die Eingänge sind klein, das Gebäude wirkt trotz begonnener Renovierung dunkel und abgeschlossen“, sagt Professor X . „Es lädt nicht zum Betreten ein. Die einzige Botschaft ist billiges Einkaufen, Ketten wie H&M und Primark sind jedoch oft günstiger und erscheinen moderner. Zudem sind die Schaufenster fast leer, die Erwartungshaltung der Kunden bleibt diffus. Es gibt keine Hinweise auf besonderen Service und Angebote. Nur damit aber können Warenhäuser punkten.“

Berggruen - der Retter in der Not

  • Schieder

    2007 übernimmt der Deutsch-Amerikaner ohne langen Vorlauf Teile des insolventen Möbelriesen Schieder mit 3500 Mitarbeitern.

  • Karstadt

    2010: Aufatmen bei 25.000 Beschäftigten: Berggruen kauft die insolvente Warenhauskette Karstadt. Endgültig gerettet ist sie aber noch nicht: Die Sanierung sei ein Marathon und kein Sprint, bilanzierte der Chef Andrew Jennings Mitte Mai.

  • Kaufhof

    Nach der Karstadt-Übernahme buhlt der Milliardär Ende 2011 auch um die schwächelnde Metro-Tochter Kaufhof. Er will Karstadt und Kaufhof unter einem Dach zusammenführen. Zu Jahresbeginn erteilt Metro ihm und den anderen Bietern eine Absage: Das Unternehmen will vorerst nicht verkaufen.

  • Schlecker

    Berggruen ist an der insolventen Drogeriemarktkette mit noch 13.500 Beschäftigten interessiert. Sein Unternehmen bestätigte Gespräche mit Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Schlecker hatte Anfang 2012 Insolvenz angemeldet.

Wie überall kommt es hier vor allem auf innere Werte an. Also gehen wir rein. Dort kommt erst mal die übliche Dior-Davidoff-Shiseido-Kosmetik, in dichter Reihe abgestellt auf mattweiß beleuchteten Regalen. Auffällig beim Durchgehen: Der Boden ist mal hellgrau gefliest, dann dunkelgrau, dann besteht er plötzlich aus Holz mit Teppichboden. Neu gemacht ist das noch nicht. Nach der Kosmetik herrscht Ausverkauf pur. Taschen liegen wild übereinander, an Ständern hängen Hosen und Hemden. Der Experte ist davon wenig angetan: „Die Laufwege sind gekrümmt. Das war vor 20 Jahren Mode, hat sich aber überholt. So wirkt es unübersichtlich, zumal die Beleuchtung schwach ist. Kaufhäuser setzen heute auf gerade Blickachsen. Unterschiedliche Böden wirken als unbewusste Barrieren, die man ungern überschreitet. Das Angebot der Kosmetik ist in Ordnung. Vieles sieht jedoch nicht hochwertig aus, obwohl man es erwarten würde. Die Ramschecke nebenan verstärkt diesen Eindruck. Die unterschiedlichen Warenträger im ganzen Haus vermitteln zudem ein unordentliches Präsentationsbild. Manche Produkte liegen, manche hängen. Je nachdem bringt man hier völlig unterschiedliche Mengen von Produkten unter. Das erschwert es den Einkäufern, die richtige Menge auf die Fläche zu planen.“

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