WAZ-Gruppe: Wenn's kracht im Clan

WAZ-Gruppe: Wenn's kracht im Clan

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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Nach dieser Devise ließen die Familieneigentümer des Finanzdienstleisters Sal. Oppenheim die Bankführung werkeln und gewaltige Risiken beim angeschlagenen Handelskonzern Arcandor (ehemals KarstadtQuelle) eingehen - mit dramatischen Folgen.

von Peter Steinkirchner, Cornelius Welp, Jürgen Salz und Lothar Schnitzler

Streit kommt in den besten Familien vor. Wenn Eigentümerfamilien zanken, lähmt das den ganzen Konzern - oft mit dramatischen Folgen.

Die operativ tätigen Manager einfach mal so machen lassen ist oft Resultat zu großer persönlicher Nähe zu den Eigentümern und unklarer Entscheidungsregeln. Peter May, Gründer der Bonner Intes-Akademie für Familienunternehmen fordert, dass Familienunternehmen endlich den Schritt „von der Willkür zur Rechtlichkeit“ machen müssen.

Eine in regelmäßigen Abständen zu überprüfende Familienverfassung könne klare Spielregeln formulieren und den Ausgleich der Interessen fair und transparent regeln.

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Was passiert, wenn dies ausbleibt, demonstriert seit Jahren der Essener Medienkonzern WAZ. In der Ruhrstadt gebieten zwei Eigentümersippen über einen der größten Zeitungsverlage Europas. Dass der Riese nicht noch größer und zukunftsfähiger ist, hat er der fast traditionellen Uneinigkeit der Eigner zu verdanken.

1948 hatten der Journalist Erich Brost und der Verlagsmanager Jakob Funke gemeinsam von der britischen Militärregierung die Lizenz für die Herausgabe der WAZ bekommen. Doch seit dem Tod der Gründer beharken sich die Eigentümersippen aufs Intensivste, strategische Entscheidungen scheiterten an der Uneinigkeit.

Beim Münchner Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 etwa kamen die WAZ-Männer 2003 wegen interner Uneinigkeit nicht zum Zuge. Stattdessen kaufte der Amerikaner Haim Saban den Laden für 525 Millionen Euro und vertickte ihn später für drei Milliarden Euro an die Finanzinvestoren KKR und Permira.

Anteilsverkäufe zwischen Brost und Funke

Einer der Familienstämme Brost und Funke könnte sich im kommenden Jahr aus Essen verabschieden. Die Funke-Tochter Petra Grotkamp bietet den Erben der Brosts 470 Millionen Euro für deren Anteil.

Ob sie zum Zuge kommt, entscheidet der Anwalt der drei in München lebenden Brost-Enkel Bernhard, 23, Hannah, 18, und Theresa, 13, die eigentlich erst ab 2015 über diesen Anteil verfügen dürften.

Die Brosts hatten die nächste Generation als Erben eingesetzt, weil sie ihren eigenen Sohn Martin bereits 1978 nach einem Streit ausbezahlt hatten. Der durfte sich dem Vernehmen nach lange Zeit im Verlag nicht blicken lassen.

Dennoch wirkt er im Hintergrund mit am geplanten Anteilsverkauf, ausgerechnet an die stets argwöhnisch beäugte Gegenseite – eine spektakuläre Wende, die die 2010 verstorbene Verlegerwitwe Anneliese Brost offenbar so absurd fand, dass sie sie nicht mal in ihrem Testament erwähnte.

Kommt der Verkauf zustande, wäre allerdings noch immer nicht geklärt, wer die Macht bei der WAZ hat – denn weiterhin wird es Petra Grotkamp mit der eigenen Funke-Sippschaft zu tun kriegen.

Selbst wenn die Grundkonstellation stimmt und strategische Streitereien unterbleiben, sind Dynastien dem Untergang geweiht, wenn sie sich gar nicht oder nur gegenseitig kontrollieren.

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