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Wegen Euro-Krise: Karstadt baut 2000 Stellen ab

Quelle: Handelsblatt Online

Als Retter ist Investor Nicoals Berggruen beim Warenhauskonzern Karstadt freudig empfangen worden. Doch auch ihm gelingt nicht alles. Das Unternehmen wird 2000 Stellen bis Ende 2014 abbauen - aus mehreren Gründen.

Neckermann

Es ist der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fallen dem zum Opfer. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen; die Konzernspitze beklagt, dazu fehle das Geld.

Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Sun Capital werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Damit ist das Unternehmen pleite.

Bild: dpa

Mit dem scharfen Wettbewerbsumfeld im Einzelhandel und den „herausfordernden Marktbedingungen der Euro-Krise“ begründet der Warenhauskonzern Karstadt den geplanten Abbau von 2000 Vollzeitstellen. Das teilte das Unternehmen am Montagabend in Essen mit. Nach Informationen des ZDF sind viele Teilzeitkräfte betroffen, sodass insgesamt 3000 Beschäftigte um ihr Stelle fürchten müssen. „So schmerzhaft diese Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter sind, so notwendig sind sie“, wurde Karstadt-Chef Andrew Jennings in einer Mitteilung zitiert.

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Der Stellenabbau solle „so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden“. Hauptsächlich wolle das Unternehmen das Ziel durch Frühpensionierung, Nichtverlängerung befristeter Verträge und freiwilligen Austritt von Mitarbeitern erreichen. Betriebsbedingte Kündigungen werden aber nicht explizit ausgeschlossen. Derzeit beschäftigt Karstadt etwa 25000 Mitarbeiter.
Von den 86 Waren- und 26 Sport-Häuser solle nach derzeitigem Stand keines geschlossen werden, sagte ein Unternehmenssprecher am Abend Handelsblatt Online. Alle Häuser lieferten „einen positiven Ergebnisbeitrag“.

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Die Gewerkschaft Verdi kritisierte den angekündigten Stellenabbau scharf. „Das ist ein völlig falsches Signal an die Belegschaft und die Kunden“, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz. Die Karstadt-Beschäftigten hätten durch den Sanierungstarifvertrag bereits erheblich zum Umbau des Warenhauskonzerns beigetragen.
Schmitz sagte, Karstadt brauche motivierte und engagierte Mitarbeiter, auch für die nötige fachliche Beratung. Statt Stellen zu streichen, müssten die Unternehmensführung und Investor Berggruen mehr Geld in die Modernisierung investieren. Dies gelte vor allem für die klassischen Warenhäuser. Die Gewerkschaft wolle erreichen, dass möglichst viele Stellen erhalten bleiben.
Mit dem Umbau des Unternehmens wird Karstadt zufolge die zweite Stufe der Unternehmensstrategie „Karstadt 2015“ gestartet. Denn Anfang September dieses Jahres läuft der Sanierungstarifvertrag aus, unter dem sich die Mitarbeiter zu Gehaltsverzicht in zweistelliger Millionenhöhe bereit erklärt hatten. Der Vertrag hatte einen Arbeitsplatzabbau und das Schließen unrentabler Kaufhäuser verhindert. Der Stellenabbau soll „quer durch die gesamte Organisation“ erfolgen, so der Sprecher weiter. Man habe in den vergangen Monaten durchleuchtet, wo es Redundanzen und unnötigen Verwaltungsaufwand gebe.

Ab dem 1. September soll jetzt wieder der Flächentarifvertrag des Einzelhandels für die Karstadt-Beschäftigten gelten. Erstmals seit sechs Jahren erhielten die Mitarbeiter daher wieder ein Weihnachtsgeld. Seit der Übernahme durch den Investor Nicolas Berggruen im Jahr 2010 sind nach Karstadt-Angaben 160 Millionen Euro in das Unternehmen investiert worden. Die Modernisierung der Häuser solle weiter fortgesetzt werden.

mit dpa

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 16.07.2012, 20:42 Uhrglueckchen

    Betriebswirtschaftlich mag es ja sinnvoll erscheinen, teure Arbeitskräfte einzusparen, vielleicht gibt es schon bald Einzelhandel, Supermärkte, Warenhäuser und Fabriken ganz ohne Personal, alles elektronisch gesteuert; nur wenn irgendwann überall mit diesen Begründungen von modernen BWLern alle Arbeitskräfte nach Hause in den Fernsehsessel verfrachtet werden, dann geben wir jedem nicht mehr teuer arbeitenden Bürger 2000 Euro netto in die Hand, denn all die so fein vollautomatisch erzeugten und vollautomatisch vertriebenen Produkte brauchen doch Abnehmer.
    Oder überlegen wir mal alle, ja alle Bürger sind aufgerufen, wie soll denn unsere Wirtschaftsform künftig aussehen? Wenn jetzt Eurowahn und Globalisierung die Gründe sind, appellieren wir: Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat treiben Politik gegen den Willen einer großen Mehrheit des Volkes – wie schon 1967 Wirtschaftsminister Karl Schiller befürchtet hat, „löst sich Deutschland langsam auf wie ein Stück Würfelzucker im Tee“ - empört Euch, Occupy Wall Street gehen wir auf die Barrikaden
    http://www.avaaz.org/de/petition/Das_Gesetz_uber_die_EuroRettungsschirme_ESM_darf_in_keinem_Fall_in_Kraft_treten_und_volkerrechtlich_unwiderrufliche_G/share/
    Macht mit, schreibt an den Bundespräsidenten!

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