Weiterer Manager geht von Bord: Karstadt-COO Rüdiger Hartmann schmeißt hin

Weiterer Manager geht von Bord: Karstadt-COO Rüdiger Hartmann schmeißt hin

Nach dem Eigentümer-Wechsel bei Karstadt geht ein weiterer Manager bei dem angeschlagenen Warenhauskonzern von Bord. Im September wird der Aufsichtsrat über die Sanierung beraten.

Karstadt-COO Rüdiger Hartmann, der unter anderem als Geschäftsführer die Le Buffet Restaurant und Cafe GmbH leitete, scheide auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus, teilte Karstadt am Donnerstag mit. Erst vergangene Woche hatte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz den Hut genommen.

Damit leitet derzeit übergangsweise Finanzvorstand Miguel Müllenbach allein den Konzern. Der bisherige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte seine Anteile vor zwei Wochen an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko und dessen Signa-Gruppe abgegeben.

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Karstadts Krisen-Chronik

  • Keine Wende

    Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

  • 2009

    Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet.

    Am 1. Dezember wird bekannt, dass zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden sollen. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

  • Erstes Halbjahr 2010

    Beim Essener Amtsgericht wird am 15. März ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu. Am 1. Juni haben von bundesweit 94 Kommunen bis auf drei bereits alle einem Verzicht auf die Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher. Nur sechs Tage später erhält die Berggruen Holding vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen. Am 14. Juni endet eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

  • Zweites Halbjahr 2010

    Am 26. August hat sich Berggruen mit der Essener Valovis-Bank geeinigt: Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es. Am 2. September stimmen die Highstreet-Gläubiger den geforderten Mietsenkungen zu.

    Am 30. September hebt das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

    23. November: Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt. Er beginnt Anfang Januar 2011.

  • 2011

    Jennings legt am 6. Juli das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

  • 2012

    Am 16. Juli kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an.

  • 2013

    Karstadt kündigt am 13. April 2013 eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Am 9. Juni bestätigt das Unternehmen, dass der Vertrag von Karstadt-Chef Jennings zum Jahresende ausläuft.

  • 2014

    Im Februar kommt Ikea-Managerin Eva-Lotta Sjöstedt nach Essen und übernimmt den Geschäftsführerposten. Am 7. Juli legt Sjösted nach nur fünf Monaten alle Ämter nieder. Als Grund dafür nennt sie, dass die „Voraussetzungen“ für den von ihr angestrebten Weg nicht mehr gegeben seien.

  • Der Neue

    Der Österreicher René Benko kauft Karstadt im August für nur einen Euro. Der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen zieht sich komplett zurück. Die Sanierungsaufgaben bleiben gewaltig.

Nun will sich der Aufsichtsrat des Unternehmens am 11. September zu seiner mit Spannung erwarteten Sitzung treffen. Erst in der vergangenen Woche hatte das Bundeskartellamt grünes Licht für die Übernahme von 88 Karstadt-Warenhäusern durch die Signa-Holding des Österreichers gegeben. Zu den Inhalten des Treffens machte das Unternehmen am Mittwoch in Essen zunächst keine Angaben. Beobachter gehen davon aus, dass Benko zeitnah ein Sanierungskonzept für die angeschlagene Warenhauskette vorlegen wird.

Weitere Artikel

Die Gewerkschaft Verdi hatte in den vergangenen Tagen wiederholt die Forderung nach einer Standort- und Beschäftigungsgarantie des neuen Eigentümers für das Unternehmen bekräftigt. Eigentlich war die Sitzung, auf der die Karstadt-Führungsspitze ihr Sanierungskonzept vorstellen wollte, bereits in der vergangenen Woche geplant gewesen. Sie musste aber wegen des Eigentümerwechsels verschoben werden.

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