Weltbild-Chef: Verkauf des Verlags nur als Ganzes sinnvoll

exklusivWeltbild-Chef: Verkauf des Verlags nur als Ganzes sinnvoll

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Carel Halff, Chef der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild.

von Peter Steinkirchner

Der Chef der kircheneigenen Verlagsgruppe Weltbild Carel Halff wehrt sich gegen eine Zerschlagung des größten deutschen Buchhändlers, dem Weltbild-Verlag.

WirtschaftsWoche: Herr Halff, weil die Verlagsgruppe Weltbild im Internet auch Sexbücher anbietet, wollen die katholischen Bischöfe das Unternehmen verkaufen. Warum haben Sie nicht besser aufgepasst?

Halff: Zunächst eines dazu: Der Umsatz, den die Verlagsgruppe Weltbild mit sogenannter erotischer Literatur erzielt hat, lag 2011 bei einem Anteil von 0,017 Prozent, also knapp 300 000 Euro bei einem Umsatz von 1,65 Milliarden. Dreist, zu behaupten, die Kirche verdiene mit Pornos Millionen, das kommt also schon rein rechnerisch gar nicht hin. Zum anderen gibt es in Deutschland kein Lektorat, das groß genug wäre, den riesigen Strom der Neuerscheinungen nach anstößigen Inhalten zu überprüfen.

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Warum steigt die Kirche ausgerechnet jetzt aus? Wollen erzkonservative Kirchenkreise ein Exempel statuieren?

Zu innerkirchlichen Angelegenheiten kann ich als Geschäftsführer einer GmbH mich nicht äußern, das müssten Sie die Bischofskonferenz fragen. Ich denke aber, dass der Beschluss, den Verlag zu verkaufen, nicht allein von einigen wenigen erotischen Büchern ausgelöst worden ist. Aber im Grunde genommen ist der Beschluss der Gesellschafter, die Verlagsgruppe zum Verkauf zu stellen, auch nur folgerichtig. Dieses Haus hat sich von einem kleinen Zeitschriftenverlag mit einer sehr starken religiösen Prägung in mehr als 30 Jahren zu einem Medienunternehmen mit einem Milliardenumsatz gewandelt. Damit übersteigt dieser Konzern die Möglichkeiten der Kirche bei Weitem.

Ist die Kirche überfordert?

Die Kirche verfolgt ja nicht primär ein wirtschaftliches Interesse, sondern ein pastorales. Sie will das Evangelium verbreiten, wir wollen Bücher verkaufen. Das war schon lange ein schwieriger Balanceakt - für die Gesellschafter wie für uns -, der durch die Fülle des Internet-Angebotes noch schwieriger geworden ist.

Als potenzielle Käufer gelten die Medienunternehmen Bertelsmann, Burda und die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck?

Darüber zu reden ist noch viel zu früh, denken Sie aber nicht nur an die üblichen Verdächtigen. Es kann genauso gut ein Unternehmen sein, das auch die besonderen Möglichkeiten der neuen Medien erkennt - wir verkaufen zwei Drittel unserer Bücher mittlerweile nicht mehr stationär, sondern über den Katalog und vor allem das Internet. Der Verkaufsprozess wird einige Zeit in Anspruch nehmen, wir rechnen mit einem Zeitraum von 18 bis 24 Monaten, in dem wir in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat ausgewählte Gespräche führen werden. Und an der Geschäftsführung wird es sicher nicht scheitern, diesen Prozess auch abzukürzen.

Mitarbeiter befürchten eine Zerschlagung der Weltbild-Gruppe.

Das hätte wenig Sinn, denn unser Geschäftsmodell basiert auf dem Prinzip Multi-Channel: Wir bedienen alle verfügbaren Verkaufskanäle vom Buchladen bis zum E-Book-Lesegerät. Hier einen Teil herauszunehmen ist nicht sinnvoll, zumal es auch in Deutschland kaum ein anderes Buchhaus gibt, das mit der Verzahnung der Kanäle so weit ist wie wir. Insofern gehe ich fest davon aus, dass die Verlagsgruppe als Ganzes verkauft wird.

Bleibt es beim Joint Venture mit der Buchhandelskette Hugendubel?

Weltbild und Hugendubel arbeiten längst so eng verzahnt wie eine Firma, auch hier gilt das zuvor Gesagte.

Sie müssen nun alle 14 Tage Ihren Gesellschaftern über Fortschritte beim Entfernen unerwünschter Inhalte berichten und alle drei Monate über den Verkaufsprozess rapportieren. Wie lange bleiben Sie unter den Umständen noch an Bord?

So etwas muss ein Manager aushalten können. Dies ist ein Unternehmen mit vielen tollen Mitarbeitern, und von diesen sehe ich mich genauso in die Pflicht genommen wie von unseren Gesellschaftern. Und wenn die künftigen Gesellschafter mich ebenfalls in die Pflicht nehmen wollen, wäre ich dazu gern bereit.

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6 Kommentare zu Weltbild-Chef: Verkauf des Verlags nur als Ganzes sinnvoll

  • Der Weltbild-Konzern übersteigt bei Weitem nicht die Möglichkeiten der Kirche. Allein in Deutschland ist die Kirche einer der größten Arbeitgeber mit mehr als 1 Mio. Beschäftigten und etwa 30.000 Firmen. Die Kirche hat 2.000 Jahre überlebt und bewiesen, dass sie mit Geld umgehen kann. Da sind 6.400 Beschäftigte ein Klacks. Peanuts so zu sagen. Die Kirche ist damit also nicht überfordert.

    Recht hat Herr Halff meines Erachtens aber mit der Aussage, dass nicht nur die Erotik ein Grund sein kann, Weltbild loswerden zu wollen. Im Münchener Kirchenradio ist ein interessanter Artikel erschienen: http://www.muenchner-kirchenradio.de/weltkirche/weltkirche/article/d-kein-signal-zum-rueckzug.html . Dieser macht klar: Bis zu einem gewissen Grad muss Kirche bei ihren weltlichen Unternehmen auch mit unethischen Implikationen rechnen. Bis zu 5 % Rüstungsbeteiligung wird in dem Artikel z. B. für unproblematisch gehalten. Das müsste dann auch für Erotik gelten, doch hier sagt Herr Halff habe man nur 0,017 % Umsätze gemacht. Die wahren Ursachen für die Verkaufsentscheidung bleiben also im Dunkeln und sind in einer von Männerbündeleien und Mauscheleien im Kreuzgang von Klöstern bestimmten Gedankenwelt auch schwer zu beleuchten. Vielleicht sind es einfach auch nur persönliche Aversionen bestimmter Menschen in der Kirche gegen die Führung des Weltbild-Konzerns gegen Halff oder andere. Auch andere katholische Verlage wie St. Benno, Herder, Sankt Ulrich etc. hätten sich zu einem Konzern mausern können, sind aber Klitschen geblieben, weil sie nicht das richtige Führungspersonal hatten oder sich nicht geöffnet haben. Da ist ein breites Feld für innerkirchlichen Neid, von dem auch Kleriker und Kirchenmitarbeiter nicht frei sind.

    (2. Teil folgt unten)

  • Dass man einen so großen Versender und Verlag nicht einfach wie eine Tüte Haribobärchen verkaufen kann, leuchtet jedem ein. Aber Organe wie die Würzburger Tagespost, Kath.net, Kreuz.net, PUR oder wie diese kirchlichen oder kirchennahen Schreibstuben heißen, werden nicht locker lassen, den Verkauf des Weltbild Verlages zu forcieren und die gemäßigten kirchlichen Kräfte vor sich herzutreiben. Insofern ist fraglich, ob bei dem geplanten Verkauf die für einen solchen gigantischen Deal notwendige Zeitachse eingehalten wird. Sogar Herr Halff scheint den in der Wirtschaft üblichen Prozess abkürzen zu wollen. Das aber könnte gegen die Belegschaft gegen und zu einer Zerschlagung der Weltbild-Gruppe führen.

    Im Gegensatz zu Herrn Halff halten Fachleute die Gruppe nämlich sehr wohl für spaltbar. So ist es kein Problem, den 33-%-Anteil an buecher.de oder den 50-%-Anteil an Droemer Knaur oder den 49-%-Anteil an Booklooker abzustoßen. Auch kein Problem ist die Zerschlagung der Marken Weltbild, Jokers und Kidoh. Auch eine Abspaltung des Versands von den Marken ist kein Problem. Von Tschechien oder einem Amazon-Lager aus könnten die Bücher billiger versandt werden. Worin Herr Halff Recht hat, ist das Multichannel-Konzept der Marken: Katalog – Internet – Filialen. Diese drei Wege zum Kunden dürfen bei den Marken Weltbild und Jokers nicht voneinander getrennt werden, sonst funktionieren diese Marken in sich nicht mehr. Alles andere ist aber zerschlagbar und die Gefahr besteht, dass es zerschlagen wird und Tausende Menschen arbeitslos werden.

  • Das aber hätte auch enorme Folgen für den deutschen Büchermarkt, denn Weltbild steht hier in der Zwischenzeit für etwa 10 bis 15 % Buchabsatz. Fällt der weg oder zu Teilen weg, wird er nicht 1:1 von Amazon oder Thalia etc. geschluckt werden können. Sprich: Es werden auch viele Verlagsmitarbeiter und Buchhandelsmitarbeiter um ihre Arbeitsplätze zittern dürfen – auch wenn ihnen andererseits Weltbild wegen seines Erfolges ein Dorn im Auge sein mag.

    Was auf die Mitarbeiter der kirchlichen Banken (Liga-Bank, Pax-Bank, Augusta-Bank etc.), die kirchlichen Immobilienfirmen, Brauereien, Restaurants, Hotels, Rüstungsfirmen, an denen die Kirche beteiligt ist, Krankenhäuser, Kindergärten etc. noch alles zukommt, bleibt abzuwarten. Die Gesellschaft wird jedenfalls genau hinschauen, was das von Papst Benedikt XVI. ausgegebene Schlagwort von der Entweltlichung für die Menschen unter dem Krummstab konkret noch bedeutet. Jedenfalls würde es sich auf für die Wirtschaftswoche lohnen, hier mal genauer nachzuforschen, wie Arbeitsstandards eingehalten werden, wie und wo die Kirche beteiligt ist und ihr Wirtschaftsimperium ausbreitet.

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