Weniger Discounter : Deutschen vergeht der Appetit auf billig

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Weniger Discounter : Deutschen vergeht der Appetit auf billig

Mehr als 50 Jahre war Deutschland ein Mekka für Discounter. Jetzt haben die Kunden offenbar die Nase voll von Billigläden und gehen stattdessen zum Supermarkt. Schuld an dem Wandel sind reiche Singles.

Der lang anhaltende Wachstumstrend der Lebensmittel-Discounter scheint gebrochen: Laut einer Erhebung des EHI Retail Instituts hat die Zahl der Discounter wie Aldi, Lidl oder Penny in Deutschland erstmals abgenommen. Stattdessen konnten Supermärkte wie Edeka oder Rewe zulegen.

20082009201020112012
kleine Lebensmittelgeschäfte13.90012.80011.19310.65010.064
Discounter15.97016.02016.24016.46216.393
Supermärkte9.6609.7009.98010.14810.505
große Supermärkte9319559851.0021.010
SB-Warenhäuser887885890893894
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Beim Umsatz hat sich dagegen nicht viel verändert: Seit August 2012 beobachten die Experten des Marktforschungsinstituts GfK bei den Discountern beachtliche Zuwächse bei deren Lebensmittelumsätzen. Wie die WirtschaftsWoche im März berichtete, haben die Discounter allein im Januar ein Plus von knapp acht Prozent verbucht. "Vor allem Aldi, nach wie vor das Schwergewicht in der Vertriebsschiene, treibt das Wachstum", heißt es in der GfK-Untersuchung. Das mag auch daran liegen, dass Aldi zu Beginn des Jahres Markenprodukte wie Nutella und Coca-Cola ins Sortiment aufgenommen hat.

Diese Rolle spielt Aldi im Einzelhandel

  • Das Handelsimperium Aldi

    Aldi ist der führende Lebensmittel-Discounter in Deutschland. Fast neun von zehn Haushalten kaufen Schätzungen zufolge bei Aldi Nord und Aldi Süd regelmäßig oder spontan ein. „Da ist derjenige dabei, der zweimal in der Woche bei Aldi seinen Grundbedarf deckt, aber auch derjenige, der am Urlaubsort zufällig bei Aldi vorbeikommt und dort einkauft“, sagt der GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth.

  • Wie groß ist die Marktmacht von Aldi?

    „Der Einfluss von Aldi wird noch immer gern unterschätzt“, findet Matthias Queck vom Handelsinformationsunternehmen Planet Retail. Wenn man den deutschen Lebensmittel-Einzelhandel insgesamt betrachte, liege der Marktanteil von Aldi Nord und Süd zusammengenommen zwar nur bei 15 Prozent. Bei einzelnen Produkten sei der Marktanteil und damit der Einfluss aber wesentlich höher. „Ob bei Milch, Saft oder Zucker - Aldi legt vor und bestimmt den Preis, und alle anderen reagieren innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen“, schildert der Experte. An Aldi-Preisen orientierten sich die großen Supermarkt-Gruppen in der untersten Preislage.

    Mit dem dichten Filialnetz von insgesamt rund 4300 Märkten in Deutschland und dem begrenzten Sortiment würden Aldi Nord und Aldi Süd über Nacht zu einem der größten Verkäufer, wenn sie ein neues Produkt wie jüngst Coca-Cola in ihr Sortiment aufnehmen. Bei den eigenen Aldi-Marken stützten sich die Discountketten zum Teil auch auf verschiedene Lieferanten. „Der Discounter kann damit Lieferanten austauschen und sorgt damit für Wettbewerb unter den Herstellern.“

  • Welche Kritik gibt es an Aldi?

    Die Gewerkschaft Verdi wirft Aldi Nord und Aldi Süd vor, systematisch Mehrarbeit von Mitarbeitern nicht zu bezahlen. „Aldi bezahlt die Mitarbeiter zwar grundsätzlich nach den Flächentarifverträgen. Wir stellen aber fest, dass bestimmte Zeiten wie Überstunden nicht angerechnet werden“, sagt der Verdi-Fachgruppenleiter Einzelhandel, Ulrich Dalibor. Das summiere sich zu riesigen Beträgen, die die Unternehmen ihre Mitarbeitern vorenthalten würden. „Deshalb ist die Einhaltung von Tarifverträgen in Anführungszeichen zu setzen.“

    Aldi Nord beschäftigt nach eigenen Angaben rund 28.000 Mitarbeiter in Deutschland, bei Aldi Süd wird in Kreisen der Gewerkschaft Verdi von etwa 25.000 Mitarbeitern in Deutschland ausgegangen.

    Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sieht Aldi mit dessen Fokus auf niedrige Preise zudem als einen Wegbereiter der Billigmentalität. „Aldi nutzt Chancen, die die Molkereiwirtschaft und Milchviehhalter mit einem Überangebot an Milch bieten, wirtschaftlich bis zur letzten Nuance aus“, schildert Sprecher des Bundes, Hans Foldenauer.

  • Was sagt das Unternehmen selbst dazu?

    Aldi Süd weist den Vorwurf, dass Mehrarbeit systematisch nicht bezahlt würde, zurück. „Eine über die offizielle Arbeitszeit hinausgehende, nicht vergütete Mehrarbeit wird weder erwartet noch geduldet. Dies wird durch den jeweiligen Vorgesetzten kontrolliert“, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens. In einigen Fällen könne es selbstverständlich vorkommen, dass es zu Mehrarbeit, also Arbeitsstunden, die über die im Vertrag festgehaltene Arbeitszeit hinausgehen, komme. „Derartige Mehrarbeit wird immer entweder vergütet oder durch Freizeitausgleich abgegolten“, betonte sie.

    Das Schwesterunternehmen Aldi Nord weist die Kritik ebenfalls zurück. Es werde eine Mehrarbeitsvergütung bezahlt - unabhängig davon, ob die Mitarbeiter tatsächlich Mehrarbeit geleistet hätten oder nicht. Dazu gebe es Vereinbarungen mit der Mitarbeitervertretung.

So können die Discounter zumindest noch beim Umsatz wachsen, wenn schon die physische Expansion an ihre Grenzen stößt. Aldi beispielsweise hat in Deutschland mehr als 4000 Filialen, mehr geht kaum und auch im Ausland sind die lohnenden Märkte bereits erschlossen. Da bleibt nur, die Umsätze in den bestehenden Geschäften weiter zu befeuern.

Lidl versus Aldi Der Siegeszug der Schwarz-Gruppe

Zieht Lidl an Aldi vorbei? Die Infografik zeigt alle Aldi-, Lidl- und Kaufland-Standorte in Europa - und wo das Potenzial für die Supermärkte der Schwarz-Gruppe besonders groß ist.

Grafische Tüten der Schwarz- und Aldi-Gruppen nebeneinander Quelle: WirtschaftsWoche
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