Werbesprech: Das neue Grauen heißt Echo

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Amazon Echo wirkt unscheinbar, hat aber das Zeug unser Leben zu revolutionieren - im Guten, wie im Schlechten.

Kolumne von Thomas Koch

Digitale Assistenten wie Amazon Echo sind der letzte Schrei. Sie sind aber auch der größte Lauschangriff auf unsere Privatsphäre, den es je gab. Und noch schlimmer: Ein neues Werkzeug für die Werbung.

Sie tragen unscheinbare Namen wie Amazon Echo „Alexa“ oder Google „Home“. Es sind digitale Assistenten, wie wir sie von Apples Siri her kennen. Nur diesmal kommen sie in Form eines Lautsprechers daher, den wir im Wohnzimmer oder unserer Küche platzieren. Mithilfe einer Spracheingabe steuert der kleine Assistent Hausgeräte, reguliert die Heizung oder bestellt auf Wunsch die Lieblingspizza.

Google bewirbt Home mit den Worten „Es ist ihr eigenes Google, immer zur Hilfe bereit“. Es kennt das Wetter, jeden Stau, das Fernsehprogramm und hilft gern mit Rezepten. Amazons Alexa kann sogar Witze erzählen und ist bereits seit September in Deutschland erhältlich. Aber nicht wirklich, denn es gibt längst eine Warteliste. Das „must have“-Gerät ist derzeit nur auf Einladung erhältlich.

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Zur Deutschland-Einführung sagte Amazon-Chef Jeff Bezos: „Millionen Kunden in den USA haben sich bereits in Alexa verliebt und wir sind begeistert, dass sie jetzt Deutsch spricht.“ Sein Deutschland-Chef Ralf Kleber wurde überschwänglich: „Hier geht die Tür zu einer neuen Zukunft auf. Wir haben dieses Pioniergefühl und sind auf der Spur nach etwas Großem, wir entdecken gerade etwas. Keine Ahnung, wie groß es wird. Aber wir haben das Gefühl, das wird extrem groß und erfolgreich.“ Man wird das Gefühl nicht los, dass eine wahre Revolution bevorsteht.

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Quelle: Fotolia

Am „Black Friday“ meldete Amazon, dass Echo Dot der meistverkaufte Item auf ihrer Website war - und erst einmal ausverkauft ist. Google Home wird es ebenso wenig unter unsere Weihnachtsbäume schaffen, denn die Auslieferung beginnt bei uns erst im Frühjahr.

Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom können sich 40 Prozent der Deutschen vorstellen, einen digitalen Sprachassistenten in den eigenen vier Wänden aufzustellen. Der Clou dabei: Der Internet-vernetzte Lautsprecher wird komplett über die eigene Stimme gesteuert, die damit zur Internet-Fernbedienung wird. Mit ihm steht uns das gesamte Wissen der Menschheit per Sprachbefehl zur Verfügung.

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Der ganz große Lauschangriff

Dahinter steckt allerdings auch eine neue Variante des Datensammelns, somit eine neuartige Form der Überwachung. Um die Künstliche Intelligenz („KI“) der Assistenten zu optimieren, zeichnen sie jedes Gespräch, jedes gesprochene Wort auf. Alles wandert auf die Server von Google und Amazon, wo es von deren Algorithmen analysiert wird. Damit lassen sich Profile der Hausbewohner erstellen, deren Detailreichtum schier unbegrenzt ist.
Google und Amazon lauschen mit und gelangen so an unsere intimsten Geheimnisse. Entweder für eigene Zwecke - oder ebenso gern zum Weiterverkauf an jeden, den interessiert, ob wir daheim gerade über Urlaubspläne, einen Autokauf oder den Drogenkonsum der Nachbarn reden.

Den meisten Menschen ist das gleichgültig. Schnell fällt da der oft gehörte Satz: „Ich habe nichts zu verbergen“. Natürlich besitzen die meisten keine ausgeprägte kriminelle Ader, die sie verstecken müssten. Dennoch hat dieses Argument die gleiche ethische Qualität wie die Aussage „Meinungsfreiheit ist mir egal, ich habe ohnehin nichts zu sagen.“ Eine derartige Komplett-Überwachung verletzt schlicht und ergreifend die Menschenwürde.

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Ronald Schill (l), Janina Youssefian (Model) Quelle: dpa

Willkommen im Albtraum

Das Auswerten alleine des Einkaufsverhaltens mittels Algorithmen versetzt amerikanische Einzelhandels-Giganten bereits in die Lage, die Lebenserwartung ihrer Kunden zu prognostizieren. Legendär ist der Fall von Wal-Mart, die anhand des veränderten Einkaufszettels Schwangerschaften erkennen. Sie schreiben daraufhin die Kunden an und unterbreiten ihnen gezielte Angebote. Leider erreichten sie damit auch einen Familienvater, der gar nicht wusste, dass seine minderjährige Tochter schwanger war.
Und die Polizei weiß dann künftig, wer welche Verbrechen begehen wird und kann die Täter bereits vor der Tat in Haft nehmen. Dazu reicht eine hohe Wahrscheinlichkeit. Willkommen im Albtraum von Big Data und seinen Algorithmen.

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