Werbesprech: Der E-Commerce und seine Kollateral-Schäden

ThemaEinzelhandel

kolumneWerbesprech: Der E-Commerce und seine Kollateral-Schäden

Kolumne von Thomas Koch

Der Online-Handel boomt wie nie zuvor. Doch der Wettbewerb um den billigsten Preis führt in die Verlustzone und zum endgültigen Ende der Servicequalität. „Billig“ und „schlecht“ scheint beim Endverbraucher nicht anzukommen. Für den Drahtseilakt zwischen „Gut“ und „Günstig“ kann aber es nur eine Lösung geben.

Deutschland ist bekanntlich das Land der Schnäppchenjäger. Wir leben wie kaum ein anderes, europäische Land auf einer Insel der glückseligen Discounter. In keinem anderen Land sind die Lebensmittelpreise so niedrig wie bei uns.

Anzeige

Und noch ein weiteres Phänomen zeichnet die Deutschen aus: Wir sind bei fast jeder Entwicklung die langsamsten. Haben wir allerdings Lunte gerochen, legen wir eine beispiellose Geschwindigkeit an den Tag. So war es bei der Entwicklung des Fernsehens, des Internets, beim Breitbandausbau. Nun ist der E-Commerce an der Reihe. Aber das Land der Dichter und Denker nimmt sich dabei zu wenig Zeit zum Nachdenken.

Warum die Deutschen Online-Shopper sind

  • Eine Welt ohne Online-Shopping?

    „Aus heutiger Sicht wäre das der Weg zurück in die Steinzeit“, lautete eine Antwort auf diese Frage. E-Commerce hat sich fest in den Alltag der meisten Menschen integriert. Die Deutschen sind insgesamt besonders positiv eingestellt. 61 Prozent der Deutschen Online-Shopper möchten auf diese bequeme Art des Einkaufs nicht mehr verzichten.

  • Faktor Zeit

    „Zu den Zeiten einkaufen, die in mein Leben passen“ nennen in Deutschland vier von fünf Konsumenten als wichtigsten Vorteil. Eine echte Zeitersparnis haben 57 Prozent festgestellt. Mehr Zeit zu haben, empfinden dabei die meisten Deutschen als eine Entlastung im Alltag: 63 Prozent geben an, „viel weniger Stress beim Einkaufen als früher in der Stadt“ zu haben. 55 Prozent geben an, sich entspannter zu fühlen.

  • Faktor Angebotsvielfalt und Preis

    „Genau das Produkt, das ich suche“ finden in der Regel zwei Drittel der Online-Shopper. Und zwar sehr schnell und zum günstigsten Preis. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) gibt an, im Internet oft besonders individuelle Produkte zu finden, 62 Prozent schätzen es, dass sie Produkte finden, „die man im Geschäft beziehungsweise via Katalog nicht bekommen würde“.

  • Faktor Selbstbestimmung

    Die Mehrheit der Käufer erlebt sich im Internet als „empowered consumer“. Zwei Drittel der Online-Shopper halten sich für besser informiert über Angebote und Preise als früher, nutzen gerne Bewertungen anderer Kunden und meinen, dass Konsumenten heute durch Kommentarfunktion und Empfehlungen beim Online- Kauf viel mehr Einflussmöglichkeiten haben.

    Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Das Einkaufen im Internet boomt wie nie zuvor. Laut Bundesverband des Deutschen Versandhandels ist das Online-Geschäft bereits für 70 Prozent ihrer Umsätze verantwortlich und stieg 2012 um 27 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet man mit einem weiteren Anstieg von mindestens 20 Prozent. Das sind eindrucksvolle Zahlen.

Was den Deutschen beim Online-Shopping wichtig ist

  • Zahlungsmethode

    „Die von mir bevorzugte Zahlungsmöglichkeit aus­wählen zu können“ nennt mit 87 Prozent eine über­wältigende Mehrheit der Deutschen als wesentliche Anforderung beim Online-Einkauf. Die klassische Rechnung ist dabei nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Paypal und Lastschrift/Bankeinzug stehen ebenfalls hoch im Kurs.

  • Retouren

    Unkomplizierte Rücksendemöglichkeiten fordern 80 Prozent der Befragten von ihren Online-Händlern.

  • Tempo

    Besonders geduldig sind die Deutschen nicht, wenn es um ihre Online-Einkäufe geht. Eine schnelle Lieferung ist 80 Prozent der Befragten wichtig.

  • Lieferkosten

    Am besten umsonst: 77 Prozent der Befragten fordern eine kostenlose Lieferung ihrer Ware.

  • Schnäppchenjäger

    Auf das Gefühl, den besten Preis gefunden zu haben, legen 77 Prozent der deutschen Online-Shopper Wert.

  • Transparenz

    75 Prozent der Befragten in Deutschland ist eine transparente Darstellung der Lieferbedingungen wichtig.

  • Informationen

    Die Auswahl an Produkten im Online-Handel ist enorm. Über das gesamte Angebotsspektrum wollen sich 74 Prozent der Befragten gut informiert fühlen.

  • Produktpräsentation

    Vor allem wer viel Geld dafür ausgibt möchte sich die Ware vorher ganz genau ansehen – und das nicht nur im Laden sondern auch online. Eine anschauliche Darstellung des Produkts ist 64 Prozent der Befragten wichtig.

  • Versandunternehmen

    Dass das Versandunternehmen ihm bekannt ist bzw. dass er es vertrauenswürdig findet, erwarten 62 Prozent der deutschen Online-Einkäufer. Elf Prozent der Befragten machen den Einkauf sogar vom Versandunternehmen abhängig. Konkret möchten 30 Prozent der Online-Shopper in Deutschland von DHL beliefert werden, 13 Prozent nannten Hermes.

  • Nachverfolgung

    Sie wollen ganz genau wissen wann ihre Ware wo ist, und wann sie sie endlich in den Händen halten können. 61 Prozent der Befragten wollen daher die Möglichkeit haben, ihre Sendung online nachzuverfolgen.

  • Flexibilität

    Flexible Lieferung ist für 51 Prozent der Befragten wichtig. Wunsch-Lieferkonzepte stehen dabei hoch im Kurs. Jeder Fünfte möch­te wählen können, wo und wann sein Paket zugestellt wird – beispiels­weise bei einem Nachbarn, einer Packstation oder an einem bestimmten Wunschtag. Jeder Vierte der befragten Online-Shopper ist als Kunde bei einer DHL-Packstation registriert.

    Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Der Boom verwundert nicht. Natürlich ist es bequem, auf der Couch sitzend, das Warenangebot zu durchstöbern und am Computer gleich zu bestellen. Die anfängliche Angst der Deutschen via Internet zu bezahlen - die den Trend zunächst im Keim erstickte - ist plötzlich verflogen. Und durch die Einsparung der Mieten des stationären Einzelhandels und der Kosten für mehr oder weniger schlecht geschulte VerkäuferInnen ist der unaufhaltsame Boom des Schnäppcheneinkaufs vorprogrammiert. Es sei denn, die Online-Händler würden durch eine eigenartige Interpretation deutscher Gesetze und durch immer schlechteren Service sich selbst ein Bein stellen. Und alles das nur, um ihre Kosten und damit die Preise immer weiter zu senken.

Die Schattenseiten des Online-Handels

Dass dieses Geschäftsmodel nicht der Weisheit letzter Schluss ist, dürfte in der Amazon-Zentrale in Seattle besorgte Mienen hervorrufen. Denn die nach dem Marktforschungsinstitut Millward Brown wertvollste Handelsmarke der Welt macht inzwischen wieder Verluste.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%