Werbung und Islam: "Erotik ist ein schwieriges Thema"

InterviewWerbung und Islam: "Erotik ist ein schwieriges Thema"

Michael Funk, Creative Director bei BBDO, versteht die Aufregung über die retuschierten Bilder des Ikea-Katalogs für Saudi-Arabien nicht.

WirtschaftsWoche: Ikea hat in einem Katalog, der in Saudi-Arabien verbreitet wird, Frauen aus Bildern herausretuschiert. Ist das zu rechtfertigen?

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Michael Funk: Das hat natürlich ein Geschmäckle, aber die Aufregung darüber ist mir fremd. Denn ich finde es normal, dass Werbung auf kulturelle Befindlichkeiten Rücksicht nimmt. Vielleicht hätte es für Ikea andere Wege gegeben, als die Bilder zu retuschieren, wenn man vorher darüber nachgedacht hätte.

Wie gehen Sie bei BBDO mit den Befindlichkeiten in islamischen Zielmärkten um?

Ich bin für die Werbung für Körperpflege-Produkte von Braun verantwortlich. Wir besprechen uns  vor jedem Foto-Shooting und jedem Dreh sehr genau mit den Kollegen in den Ländern, für die eine Kampagne gemacht wird. Wie viel Haut und Haar kann ich zeigen? Das ist aus meiner Sicht weniger eine religiöse als eine kulturelle Frage. Es gibt da riesige Unterschiede. In der Türkei geht fast alles. Die Golf-Staaten, vor allem Kuweit und Saudi-Arabien sind  schwieriger. Wir produzieren deswegen verschiedene Varianten. Für Saudi-Arabien dreht man dann eben eine Variante, wo das Epilier-Gerät nicht am Bein, sondern am Unterarm gezeigt wird. Wenn man das öfter macht, ist es gar nicht so schwierig, sondern wird fast Routine. Aber wir haben immer eine gemeinsame, globale Idee einer Kampagne.

Michael Funk, Global Executive Creative Director bei der Werbeagentur BBDO Quelle: Presse

Michael Funk, Global Executive Creative Director bei der Werbeagentur BBDO

Bild: Presse

Das heißt, die Models sind auch global dieselben?

Ja. Wenn wir eine weltweite Kampagne machen, dann suchen wir bei dem Model nach dem gemeinsamen Nenner für alle Kulturen. Also wählen wir eher eines mit dunklen Haaren aus. Aber die Frau sehen Sie dann auch in Deutschland.

Verschleiern Sie Ihre Models denn auch für bestimmte Länder?

Nein. Wir verdecken Haut und gehen bewusst mit dem Thema Haare um. Für Saudi-Arabien zum Beispiel gibt es die Regel: Wenn ich die Haare einer Frau zeige, darf nicht gleichzeitig das Gesicht zu sehen sein. Also sieht man sie von der Seite oder von hinten.

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Kann man in islamischen Ländern überhaupt mit erotischen Reizen werben?

Generell sollten Frauen und Männer dort nicht in wilden, anzüglichen Situationen gezeigt werden.  Da tanzen dann eben in einer Szene nicht Frauen und Männer zusammen, sondern nur drei Frauen.  Erotik ist in einigen Ländern schon ein schwieriges Thema.

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