Werner knallhart: Apotheker sind Supermarktverkäufer mit Hochschulabschluss

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Eine Apotheke

Kolumne von Marcus Werner

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Apotheker. Der liest sie Ihnen dann vor. Vom Display seines Kassencomputers. Das kann ich auch selber.

Stellen Sie sich vor, ein Kunde kommt zu Rewe oder Edeka und sagt zu einer Verkäuferin: "Ich suche einen Brotaufstrich für meine Enkelin. Der heißt Nutello oder so ähnlich. Haben Sie den?"

Die Verkäuferin blickt in Gedanken versunken an die Decke: "Nutello, Nutello, Nutello. Nee, tut mir leid. Nie gehört. Haben wir nicht, hatten wir auch nie und kriegen wir auch nicht rein."

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"Schade. Ok, dann suche ich noch nach einer Weingummi- und Lakritzmischung. Die heißt irgendwie Coloradi und ist von Haribu."

"Sowas haben wir auch nicht."

"Und Frischkäse namens Philodolphia oder so?"

"Nee, keinen blassen Schimmer."

Alberne Geschichte, oder? Unrealistisch. Weil sie nicht in der Apotheke spielt.

Neulich bat mich eine Kollegin, auf dem Weg zum gemeinsamen Mittagessen etwas aus der Apotheke mitzubringen. Ich mag sie, also tat ich ihr den Gefallen. Sie nannte mir den Namen des Präparats. Ich versuchte, ihn mir zu merken. Es gelang mir nur halbwegs.

Irgendwas mit Vitracap. Ein Präparat gegen winzige Verklumpungen im Glaskörper des Auges, die sich als nervige graue Mini-Schatten im Gesichtsfeld bemerkbar machen. "Ein rezeptfreies Nahrungsergänzungsmittel", wie meine Kollegin sagte.

Der Apotheker war ein typischer Apotheker. Hager, Brille, mit weißem Kittel, weil es anders ja sehr unhygienisch wäre, Pappschachteln anzufassen, in denen Tabletten in Blisterverpackungen eingeschlossen sind.

Ich war an der Reihe: "Ich hätte gerne Vitracap oder so ähnlich."

Der Apotheker tippte auf seiner Kasse herum: "Das gibt es nicht."

"Das ist ein Mittel, das für eine klare Flüssigkeit im Glaskörper des Auges sorgt. Irgendwas mit Cap am Ende."

"Hmm, der kann nicht nach hinteren Silben suchen."

"Und Prozentzeichen plus Cap?"

"Nein, das geht nicht."

"Also muss man immer die ersten Silben des Namens kennen? Wie in den Achtzigerjahren, als man noch Karteikarten und Kataloge durchgeblättert hat?"

Schweigen. Ich setzte neu an: "Naja, der Name ist ja auch egal. Es ist ein Mittel gegen Verklumpungen von Collagenketten im Glaskörper."

Der Apotheker wirkte nun noch hagerer. Er glotzte stumm auf sein Kassendisplay. Seine Hände bewegten sich nicht. Ich überlegte, wie ich dem Apotheker weiterhelfen konnte: "Probieren Sie doch mal Vitrocap."

Klackern auf der Tastatur: "Das gibt es, aber das haben wir nicht da. Kann ich Ihnen bis heute Nachmittag bestellen."

"Nee, ich..."

"Oder Moment, hier haben wir noch was anderes."

Er griff schräg hinter sich ins Regal. Auf der Schachtel stand fett unter dem Namen: Makula-Degeneration.

Ich: "Das ist doch was gegen Netzhautprobleme."

Er: "Ach so, ja."

Ich suchte das Weite. Denn ich hatte noch ein paar Minuten. Und wo eine Apotheke war, war die nächste nicht weit. Stellen Sie sich in einer Fußgängerzone mal vor eine Apotheke und gucken Sie links und rechts. Fast immer erblicken sie die nächste Apotheke.

Warum ist das so? Solange es sich lohnt, in Innenstädten alle 200 Meter eine Apotheke zu betreiben, läuft was falsch im Gesundheitssystem - auf Kosten der Patienten.

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