Werner knallhart: Karstadt ist nicht mehr zu retten!

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Die deutsche Warenhauskette Karstadt ging 2009 in die Insolvenz und wurde 2010 an den Investor Nicolas Berggruen verkauft, der alle Geschäfte übernahm. Die künftige Karstadt-Chefin will die Spezialisierung des angeschlagenen Unternehmens in die drei Bereiche Warenhaus, Premium und Sports fortsetzen.

Kolumne von Marcus Werner

In knapp vier Wochen beginnt die neue Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt offiziell ihren Job. Probeweise eingekauft hat die Schwedin dort schon. Trotzdem hat sie noch nicht hingeworfen. Die Frau hat Nerven.

"Das ist nicht mein Tisch." Diesen Spruch habe ich in einem Restaurant bestimmt zwanzig Jahre nicht mehr gehört. Bei Karstadt gibt es ihn noch. Zumindest sinngemäß. Kürzlich stand ich bei Karstadt vormittags an einer der Doppelkassen, von der aber nur eine geöffnet war. Ich wollte Clipverschlüsse für Gefrierbeutel kaufen. Damit halte ich meine Cornflakes frisch. Vor mir standen rund sieben Kunden. Bei der Kundin ganz vorne funktionierte etwas mit der Kartenzahlung nicht. Da hatte ich eine geniale Idee: "Können Sie bitte noch eine Kasse aufmachen?"

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Die Dame an der Kasse blickte über ihre Lesebrille mit Kordel: "Wie Sie sehen, bin ich alleine."

Ich deutete in Richtung der Badezimmerteppiche. Dort stand eine Verkäuferin in Gedanken versunken und pulte an ihren Fingernägeln.

"Die Kollegin kann da nicht weg. Die muss in der Abteilung bleiben." Weit und breit kein Kunde dort. Da fiel mir ein: Am Eingang zur U-Bahn gab es doch einen dm-Drogeriemarkt. Also kaufte ich da. Für einen Einkauf bei Karstadt hatte ich einfach keine Zeit.

Bei dm gibt es übrigens eine Klingel. Wenn man dort an der Leine zieht, machen die meist sofort eine weitere Kasse auf.

Eine Freundin brachte es kürzlich auf den Punkt: "Zur Not gucke ich bei Karstadt." Da dachte ich mir: Das ist es: das Karstadt-Problem. Es gibt große Kreise in unserer Gesellschaft, die kämen nicht im Traum auf die Idee, ohne Not, einfach mal so zu Karstadt zu gehen. Die gehen zu Karstadt, weil es gerade nicht anders geht. Aber mal zum Gucken, zum Bummeln? Hilfe, nein. Allerdings ist die Not bei vielen Kunden meist nicht groß genug, wie es Karstadt zum Überleben bräuchte. Sjödtedt sagt es selber: "Karstadt ist nicht profitabel. Und das muss sich schnell ändern." Ach nee. Aber wie? Es ist doch so schrecklich aussichtslos.

Wem ein Knopf abfällt oder wer Garn braucht, um Socken zu stricken, der flitzt schnell mal zu Karstadt rein. Aber wer bei Klamotten die großen angesagten Designer sucht, der klappert die Fußgängerzonen oder Einkaufszentren ab. Oder geht zu Peek & Cloppenburg. Dort gibt es neben den großen Marken auch Mal ein paar Geheimtipps und neue Ideen. Karstadt hingegen hat den Schnäppchenmarkt.

Wem zuhause eine Glühbirne durchbrennt, der geht zu Karstadt. Aber wann waren Sie zum letzten Mal in der Karstadt-Lampenabteilung? Dort kommt es einem doch hoch. Kennen Sie einen Menschen, der von sich sagt: "Diesen Fluter habe ich von Karstadt"?

Eine Tischsteckdose kriegt man bei Karstadt. Aber die große Auswahl an Elektronik vom Toaster bis zum iPad, das erwarten wir doch bei Saturn oder Promarkt. Karstadt hat nur von allem ein bisschen.

Wer einen billigen Sudoku-Sammelband braucht, der geht zu Karstadt. Wer ein gutes Buch sucht, der lässt sich in einem gut sortierten Buchgeschäft beraten. Dort kann er auch schmökern und bekommt einen Espresso.

Neulich räumte ich im Kollegen-Kreis ein, im Bistro bei Karstadt einen Salat gegessen zu haben. "Was, du gehst bei Karstadt essen?" Ich musste mich entschuldigen. Karstadt finden die Leute peinlich.

Bei was aber ist Karstadt spitze? Wo ist Karstadt erste Adresse? Wenn Sie mich fragen: bei Schreibwaren und Ledergeldbeuteln. Und manchmal bei Haushaltswaren, okay. Neulich wollte ich zwei Weingläser nachkaufen. Es waren welche auf einer sehr gelungenen Party zu Bruch gegangen. Die zwei Gläser kosteten bei Karstadt rund 39 Euro. Bei Amazon rund 35 Euro. Ich sagte zur Verkäuferin: "Wenn Sie mir den Amazon-Preis anbieten, kaufe ich bei Ihnen." Ihre Antwort: "Nein."

Ich zuckte nur zweimal: zum einen mit den Schultern, zum anderen mit dem rechten Daumen auf meinem Telefon. Gekauft bei Amazon. War auch praktischer. Da musste ich die Gläser nicht nach Hause tragen. Das Gleiche gilt für Koffer, Druckerpapier, Parfum, Uhren, Bücher und und und. Das Internet setzt die Maßstäbe. Karstadt schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Bei Saturn bekommt man den Artikel übrigens zum Amazonpreis. Man muss nur drum bitten. Die haben es begriffen.

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