Werner knallhart: Lebkuchen im September: Stellt euch nicht so an

kolumneWerner knallhart: Lebkuchen im September: Stellt euch nicht so an

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Schon jetzt stehen die ersten Lebkuchen in den Supermarktregalen.

Kolumne von Marcus Werner

Jedes Jahr im Spätsommer die gleiche kollektive Empörung: Im Supermarkt liegen ja schon wieder Weihnachtsplätzchen! Tun das die Supermärkte, weil die Marktleiter die Kunden hassen? Oder gar, weil die Kunden das Zeug kaufen? Ein Zwiegespräch.

Neulich kam es zwischen einem befreundeten Kollegen und mir bei einem zur Jahreszeit passenden leichten Weißwein zu folgendem Dialog:

"Gestern war ich Essen einkaufen, da stehen wieder überall Lebkuchen und diese klebrigen Klötzchen. Wie heißen die nochmal?", fragte er.
"Dominosteine", antwortete ich.

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Es ist soweit: Das Lebkuchen-im-Sommer-Gemoser geht wieder los. Im Büro, in der Kneipe, bei Fernsehumfragen. Das hat ja mittlerweile einen festen Platz im Spätsommer - so wie das Gejammer über ausgefallene weiße Weihnachten im Dezember, obwohl in Deutschland nun mal Januar und Februar die Schneemonate sind. Menschen, die sich über Lebkuchen im Supermarkt aufregen, lästern auch über Tomatensaft im Flugzeug.

Mein Kollege war empört. "Idas nicht ein Witz? Wollen die uns Weihnachten versauen?"
Ich sehe das anders. Ich habe zum Beispiel keinen Hund. Und rege mich trotzdem nicht auf.

Das verstand mein Kollege überhaupt nicht. Also versuchte ich mich an einer Erklärung.

Saisonale Produkte Das Geschäft mit den Jahreszeiten

Zehn Prozent des Umsatzes von Süßwaren entfallen auf saisonale Produkte wie Schokonikoläuse und Lebkuchen. Ganze Marken bauen auf dem Geschäft mit den Jahreszeiten auf.

Schokoladennikolaus Quelle: dpa


Wenn ich in den Supermarkt gehe, komme ich regelmäßig am Gang mit dem Tierfutter vorbei. Obwohl ich kein Hundenassfutter, Katzenklogranulat oder Hamsterstreu brauche. Ich mag auch keinen Schmierkäse mit Schinkengeschmack, Schaumwein mit Pfirsicharoma, Kartoffelsalat aus dem Eimer, Luftschokolade oder Mett. Den Geschäftsführer würde ich trotzdem nicht rufen. Stattdessen kaufe ich es einfach nicht. Zigaretten, Nagellackentferner, Tampons - lasse ich alles links liegen, ohne zu maulen.

"Aber Lebkuchen heißt Weihnachten", meinte mein Kollege, "und Weihnachten ist im Dezember. Das ist doch Tradition."

Tradition. Ich spürte, wie mir langsam der Ruhepuls entglitt: Überließ mein Kollege Aldi die Pflege unserer Traditionen? Prägte Rewe sein Weltbild?
"Ich möchte nicht, dass ein Supermarkt mein Tagesgefühl konterkariert. Das ist einfach ein blödes Einkaufserlebnis."
"Dann bestell dein Essen halt im Internet."

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