Werner knallhart: PET-Flaschen: Der reinste Wahnsinn

kolumneWerner knallhart: PET-Flaschen: Der reinste Wahnsinn

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Leitungswasser kostet bei den aktuellen Wasserpreisen nur 1,50 Euro - pro Jahr.

Kolumne von Marcus Werner

In Entwicklungs- und Schwellenländern kommt man um Trinkwasser in PET-Flaschen nicht herum. Die Deutschen kaufen die Flaschen, obwohl Wasser sauber aus der Leitung sprudelt. Warum?

Sabine ist Anfang vierzig und seit neuestem und wider Willen Single. Um sich wieder voll ins Leben zu stürzen, hatte sie ein paar Freunde kürzlich zu einem Frühlingsdinner auf ihrer Dachterrasse eingeladen. Beelitzer Spargel en Masse und eiskalter Weißwein gegen den Liebeskummer. Im Gegenzug sollten wir alle halbwegs attraktiven, ledigen Männer zwischen 30 und 45 mitbringen. Soweit der Plan für den Freitagabend.

Normalerweise gelang es Sabine, sich an dem Tag schon um 16 Uhr aus dem Büro zu verabschieden. Nur ausgerechnet an jenem Freitag erwartete ein neuer Kunde dringend die Entwürfe für seine Plakatkampagne. Mit dem Einkauf für die Spargel-Party wurde es also eng. Sabine hatte für 18 Uhr eingeladen.

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Um 16 Uhr 45 verabschiedete sich Sabine von den zwei Junior-Designern und dem Hospitanten, eilte in die Tiefgarage und brauste zum Feinkostladen. Sechs Kilo Spargel, Butter, Räucherlachs, frische Himbeeren. Und gegen den Durchhänger um Mitternacht: vier Kästen Evian. Von ihrem Lieblingsweißwein hatte sie noch da.

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Gerolsteiner, Selters und Apollinaris führen die Imageskala der beliebtesten Mineralwässer in Deutschland an. Coca Cola und Nestlé haben es bei den deutschen Verbrauchern schwer. Punkten können Gerolsteiner & Co.

Ein Mann trägt einen Kasten mit Wasserflaschen Quelle: dpa

In der heimischen Tiefgarage angekommen, schob Sabine die Evian-Kästen fluchend mit den Füßen über den Betonboden rüber in den Aufzug, das Essen unterm Arm.

Im siebten Stock angekommen, bugsierte sie einen der Kästen als Bremsklotz vor die geöffnete Wohnungstür, die aus Brandschutzgründen sonst mit Wucht ins Schloss gefallen wäre. Einen zweiten Kasten schleppte sie auf den Balkon. Dort fielen ihr die acht leergetrunkenen Evian-Kästen auf. Die Plastikpfandflaschen standen in der Sonne.

Das sieht nicht aus, dachte Sabine und schnappte sich zwei leere Kästen, um sie vorübergehend im Treppenhaus zu deponieren. Einen knallte sie als neuen Bremsklotz vor die Wohnungstür, und brachte den vollen dafür auf den Balkon.

Und das war ihr Fehler.

Als die Gäste eine halbe Stunde später im siebten Stock aus dem Aufzug stiegen, stießen sie auf eine in Tränen aufgelöste Sabine. Sie hockte vor der verschlossenen Tür, neben ihr eine Tüte mit rohem Spargel, Butter, Himbeeren und Räucherlachs, ein Kasten Evian und zwei Kästen Leergut.

"Die verdammte Tür ist zugeschlagen. Und meine Handtasche mit dem Wohnungsschlüssel liegt auf der Couch. Diese scheiß Brandschutztür hat den leeren Wasserkasten einfach weggeschoben. Willkommen auf der peinlichsten Party Berlins."

Und ich dachte mir: Mit Leitungswasser wäre das nicht passiert.

Warum um alles in der Welt tun wir uns das an? Warum schleppen wir Plastikflaschen mit einer Flüssigkeit umher, die genauso gut im siebten Stock aus der Leitung direkt ins Glas sprudelt?

Kein anderes industriell aufbereitetes Lebensmittel wird bei uns so akribisch kontrolliert wie Leitungswasser. Obwohl die Grenzwerte insbesondere bei Keimen sogar strenger sind als bei Mineralwasser, werden Verunreinigungen fast nie festgestellt. Und wer als Verbraucher auf Nummer Sicher gehen will, kann im Labor untersuchen lassen, ob die Hausleitungen auf den letzten Metern vor dem Wasserhahn Schadstoffe wie Blei oder Kupfer ins Wasser abgeben. Die Stiftung Warentest übernimmt diesen Service zu bezahlbaren Preisen.

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34 Kommentare zu Werner knallhart: PET-Flaschen: Der reinste Wahnsinn

  • Guter Artikel! Aber das Wort "Umweltsünde bringt bei mir innerlich immer eine Waffe zur Entladung: Es ist schlicht und ergreifend eine ökonomische Sünde, es ist Verschwendung von Zeit und Geld.

  • Immer wieder wird berichtet das Leitungswasser das best kontrollierte Lebensmitteln sei, dass wir besitzen, doch bisher habe ich noch nie gehört, oder auch selbst erlebt, dass irgendjemand das Wasser welches aus meinem Wasserhahn kommt überprüft. Ich weiß nicht welche Rohre in meinem Haus verlegt sind, ich weiß nicht mit welchen Materialien der Hersteller der Wasserhähne gearbeitet hat und ich weiß nicht was ich mittlerweile über all die Jahre in den Leitungen abgelagert hat. Wenn man einmal einen alten Duschschlauch aufgeschnitten hat dann bekommt man eine Ahnung von dem Innenleben der Frischwasserrohre in deutschen Häusern und plötzlich erscheint abgefülltes Wasser doch nicht mehr so unsinnig. Streiten können sich allerdings wird es für die Flasche verwendete Plastik und das für und wieder bezüglich Glasflaschen.

  • Ich finde den Artikel gut und auch richtig. Wenn das Wasser vor allem mit Kohlensäure (CO2 versetzt wird)schmeckt man ohnehin nichts mehr.
    Ich mag aber den Geschmack von einigen Quellen und von anderen nicht und das liegt an der Mineralisierung. Unser Leitungswasser ist wunderbar, nur schmeckt es mir nicht. Da mögen einige für Wahnsinn halten, aber ich schmecke es einfach und so lange ich es mir aussuchen kann ob ich etwas konsumiere was mir schmeckt (z.B. schmeckt mir Volvic überhaupt nicht und Evian schon) oder nicht, werde ich die Wahl treffen. Ich würde zudem am liebsten Wasser wieder in Glasflaschen kaufen, was nicht bei allen Quellen möglich ist.
    Vergleichbar ist das mit Bier,Kaffee oder Käse oder anderen Genussmitteln die auch unterschiedlich schmecken, aber einigen egal ist ob diese unterschiedlich schmecken, weil sie es nicht schmecken oder eben nicht wichtig ist (das meine ich vollkommen wertungsfrei).
    Würde ich Sprudel mögen (darüber schreibt keuiner, wie viel Energie aufgewendet wird um CO2! herzustellen um Wasser und Getränke damit zu versetzen), würde ich Leitungswasser trinken.

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