Werner knallhart: Wie soll es bloß mit Karstadt weitergehen?

kolumneWerner knallhart: Wie soll es bloß mit Karstadt weitergehen?

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Karstadt

Kolumne von Marcus Werner

Autobauer, Smartphone-Entwickler, Supermärkte, Hotelketten: Alle kämpfen mit immer neuen Produkten und neuem Service um ihre Kunden. Und wie erfindet sich das Warenhaus neu? Ähem. Ein Besuch bei Karstadt.

Warum ist mir mulmig bei einem Einkauf bei Karstadt? Ich habe meine Seele ausgequetscht und weiß es jetzt.

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Eigentlich ist das Warenhaus ein starkes Alternativkonzept zum Onlinehandel: Wie bei Amazon gibt es einen riesigen Haufen an Produkten unter einem Dach. Vom Tintenkiller über das Tee-Ei, den Wischmob, Geleebohnen, das Waffeleisen bis zum Geschenkset aus Rasierseife und Pinsel.

Amazons größter Vorteil: Man muss zum Einkaufen nicht aus dem Haus. Karstadts größter Vorteil: Man kann alles anfassen und anprobieren. Passt das Shirt in L nicht, dauert der Wechsel zu XL den Fußmarsch von der Umkleidekabine zum Klamottenständer und zurück. Bei Amazon dauert es mitunter Tage.

Die Top 10 Warenhausbetreiber Europa 2015

  • Rang 10

    Unternehmen: Dunnes
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.365 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 155
    Verkaufsfläche: 293.113 m²

    Quelle: Planet Retail - 9. Juni 2015

  • Rang 09

    Unternehmen: Karstadt (ohne Karstadt Feinkost (Perfetto))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 2.770 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 86
    Verkaufsfläche: 1.263.254 m²

  • Rang 08

    Unternehmen: Debenhams
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.199 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 186
    Verkaufsfläche: 1.264.607 m²

  • Rang 07

    Unternehmen: Home Retail Group
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.299 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 754
    Verkaufsfläche: 544.533 m²

  • Rang 06

    Unternehmen: Metro Group (nur Galeria Kaufhof (ohne Sport Arena und Dinea))
    Land: Deutschland
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.336 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 120
    Verkaufsfläche: 1.298.820 m²

  • Rang 05

    Unternehmen: Galeries Lafayette
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.604 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 64
    Verkaufsfläche: 530.048 m²

  • Rang 04

    Unternehmen: John Lewis
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 3.764 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 41
    Verkaufsfläche: 437.839 m²

  • Rang 03

    Unternehmen: Casino
    Land: Frankreich
    Brutto-Außenumsatz (2013): 4.051 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 304
    Verkaufsfläche: 546.700 m²

  • Rang 02

    Unternehmen: El Corte Inglés
    Land: Spanien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 9.531 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 88
    Verkaufsfläche: 2.420.000 m²

  • Rang 01

    Unternehmen: Marks & Spencer (ohne Spezialkonzepte)
    Land: Großbritannien
    Brutto-Außenumsatz (2013): 11.258 Mio. Euro
    Anzahl Filialen: 387
    Verkaufsfläche: 1.404.958 m²

Das Warenhaus hat also durchaus seinen Reiz. Und gerade deshalb dieses mulmige Gefühl bei Karstadt. Es ist diese ungute Vermutung: So wird das nichts mehr. Und das wäre so schade. Nicht nur für die Mitarbeiter. Die wären am meisten zu bedauern. Aber es wäre auch eben schade für uns potenzielle Kunden.

Es gibt ja nur einen einzigen Grund, warum wir Geld ausgeben. Weil wir glauben, dass es besser ist, es wegzugeben, als es zu behalten. Selbst derjenige, der wegen einer Erpressung Lösegeld zahlt, tut dies, weil er meint, dass die Vorteile dieser Investition die Nachteile überwiegen.

Der Gipfel der Gefühle ist es, wenn wir beim Geldausgeben regelrecht Freude empfinden.

Zu Karstadt gehe ich nur, wenn mir nichts anderes übrig bleibt. Und das tut mir leid. Aber leider kenne ich keinen einzigen Karstadt-Fan persönlich. Nun könnten Sie mir zurufen: "Herr Dingsdums, äh, Werner, fragen Sie halt mal Ihre Großmutter. Die wird Karstadt-Fans kennen."

Tja, und das ist das Problem. Die angestrebte Zielgruppe und der tatsächliche Kundenstamm sind zwei Welten.

Amazons größtes Problem ist die vertane Zeit zwischen Bestellung und Zustellung.

Karstadts größtes Problem ist die vertane Zeit zwischen 1881 und 2016.

Die Deutsche Bahn wiederum hat es gut. Junge Leute meiden den ICE ja nicht, weil er lahm, uncool und spießig ist. Er ist einfach sauteuer. Sobald es aber Sparpreise regnet wie im Moment, fahren junge und gutverdienende Menschen zusammen Zug. Weil er Generationen übergreifend bequem und schnell ist. Alt und Jung sind sich da einig.

Ganz anders bei Karstadt. Aber wirklich ganz, ganz anders. Karstadt bietet den Kunden 60+ die gewohnte Welt. Motto: Einkaufen wie seit anno dunnemals. Keine Überraschungen. Aber wie die Jungen zusätzlich begeistern ohne die Älteren zu verprellen?

Es ist ein Drahtseil-Akt. Denn Shopping ist Lifestyle. Und der Lifestyle der Jungen ist nicht identisch mit denen der Älteren. Eine Shopping-Mall hat dieses Problem nicht. Die Lifestyle-Welten sind dort in verschiedene Shops aufgeteilt. Gerry Weber und Seidensticker existieren dort friedlich im gleichen Haus neben H&M und Zara. Jeweils im zur Marke designten Interieur und mit Personal, das die eigenen Produkte kennt und glaubhaft beraten kann.

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Was aber tut Karstadt? Ich habe das Gefühl, die wollen nicht, was sie müssen. Sich neu erfinden. Sie machen klein klein, weil ihnen nichts Besseres einfällt. Karstadt ist mit Herz und Seele altmodisch. Das ist sympathisch authentisch. Aber eben nicht mehr massentauglich. Und das passt nicht zur Größe.

Und so imitiert das Management halbherzig, was andere längst probiert haben. Ich kenne das schon vom insolventen "Strauss Innovation". Man nennt es Concept-Store, glaube ich. Da werden dann zwischen einen Stapel mit Intimwaschlappen oder so ein paar Kartons Krokant-Ostereier aus Italien drapiert.

Karstadt macht sowas auch. In der Filiale in Trier können Sie zwischen Damenhandtaschen spontan das 1000-teilige Ravensburger Puzzle der Porta Nigra shoppen. Ist das die neue Karstadt-Welt?

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