Werner knallhart: Wir brauchen eine radikale Feiertags-Reform

kolumneWerner knallhart: Wir brauchen eine radikale Feiertags-Reform

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Viele Männer nutzen den Vatertag an Christi Himmelfahrt als Gelegenheit zu feiern. Der Handel findet das gut

Kolumne von Marcus Werner

Wer an Vatertag mit dem Bollerwagen besoffen durch die Provinz zieht, ist noch lange kein gläubiger Christ. Doch die Menschen feiern nun mal gerne. Es wird höchste Zeit für einen neuen Feiertag.

Ein befreundetes Pärchen geriet jüngst in meiner Gegenwart in einen Streit. Er hatte ihm zum Geburtstag eine Yoga-Matte geschenkt. Und der Beschenkte nutzte sie nun regelmäßig dazu, um am Aachener Weiher in Köln mit Freunden auf der Wiese zu liegen, sich zu sonnen und Bier zu trinken.

"Ich schenke dir eine Yoga-Matte und du missbrauchst sie, um abzuhängen und zu saufen."

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"Sei doch froh, dass ich dein Geschenk so gut gebrauchen kann."

"Ja, aber nicht so!"

Ähnlich dürfte es den Kirchen-Oberen ergehen, wenn sie sehen, wie ihre schönen Feiertage, die die Kirchen der Gesellschaft spendiert haben, so einfach zum heidnischen Glücklichsein missbraucht werden.

Besoffen im Bollerwagen

Längst ist klar: Die Leute nehmen die Feiertage mit und treten trotzdem in Scharen aus der Kirche aus. Das ist der Beweis: Wer an Vatertag mit dem Bollerwagen besoffen durch die Provinz zieht, muss nicht zwangsläufig ein streng gläubiger Christ sein.

Daraus folgt: Der Gesetzgeber könnte sich bei der Festlegung von Feiertagen ganz gemütlich an Interessen aller Menschen in unserer Gesellschaft orientieren. Da gibt es neben zweifelsohne respektablen religiösen Interessen ja noch andere wichtige: Familie, Freunde, Gesundheit, Frieden, Umweltschutz oder einfach Abschalten vom Alltag.

Warum nicht einen "Ehrenamts-Tag"? Tagsüber wird für einen guten Zweck ohne Lohn gearbeitet, abends wird gemeinsam gefeiert. Nur so eine Idee.

Schulferien werden hin und her geschoben, das Ladenschluss-Gesetz wird gelockert. Wenn der HSV nicht absteigt, darf auch mal nach 22 Uhr laut gejubelt und gehupt werden. Aber bevor mal ein Feiertag angerührt wird, kommen eher die Dinosaurier zurück.

Eine der irrsten Irrungen des 21. Jahrhunderts ist, dass der Staat jungen Menschen verbietet, zu tanzen. An diversen Feiertagen gehen in den Clubs einiger Bundesländer tatsächlich mitten in der Nacht die Lichter an und die Musik geht aus. Weil es aus abendländischer Sicht an diesem Tag nichts zu tanzen gibt. Mitunter selbst an Heiligabend und Weihnachten.

Trauer auf Knopfdruck

Da wird der Heiland geboren und die Engel jauchzen vor Freude im Himmel. Aber über 2000 Jahre später darf man nicht tanzen. Dann stehen da zig Teenager und Twens mit Disco-Tinnitus, blinzeln verdattert in die kalte Deckenbeleuchtung und fragen sich, in welches Jahrhundert sie gerade gebeamt wurden. 24 Stunden Demut und Trauer für alle auf Knopfdruck.

So funktioniert Traditionspflege in Deutschland. Und da schütteln wir den Kopf, weil Frauen in Saudi-Arabien kein Auto fahren dürfen.

Der Gesetzgeber kann es nicht und rührt sich nicht. Also übernimmt die Industrie.

Sie fragt sich: Was machen die Menschen gerne? Lassen sie sich lieber das Tanzen verbieten oder lassen sie sich lieber zum Feiern ermuntern? Und schwupp geht es los - eben auf die kommerzielle Weise. Jetzt an Christi Himmelfahrt jauchzen die Bier-Brauer über den Vatertag.

Allerdings: An kaum einem Tag gibt es in Deutschland so viele Schlägereien wie an Christi Himmelfahrt. Und es passieren besonders viele Autounfälle unter Alkoholeinfluss. Aber die Supermarkt-Kette Real wirbt derzeit mit 5-Euro-Biergutscheinen für Männer, die bis ersten Juni im Online-Shop einkaufen. Saufende Männer. Die Werbung sagt: Das ist gut.

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