Will Amazon wirklich Menschen als Lieferdrohnen?: Was die Botenpläne über den Onlinehandel verraten

Will Amazon wirklich Menschen als Lieferdrohnen?: Was die Botenpläne über den Onlinehandel verraten

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Werden Amazon-Pakete bald von Privatleuten ausgetragen?

von Stephan Happel und Jacqueline Goebel

Berichte, dass Amazon die Auslieferung seiner Pakete an Privatleute abgeben will, sorgen für Aufsehen. Die Idee ist abenteuerlich, zeigt aber deutlich, womit der Onlinehandel zu kämpfen hat.

"Amazons nächste Lieferdrohne: Du", titelt das "Wall Street Journal". In seinem Bestreben, Waren möglichst effizient und schnell auszuliefern, will der Online-Riese demnach die Vereinigten Staaten "in eine Nation der Kuriere" verwandeln.

Unter Berufung auf Insiderinformationen berichtet das Blatt, der Onlinehändler wolle Privatpersonen als Boten einsetzen. Amazon arbeite bereits an einer App, die solche Dienstleistungen koordinieren soll. In den Innenstädten großer Metropolen sollen die Gelegenheitsboten sollen die Pakete aus mitnehmen und abgeben, wenn sie ohnehin in die Richtung müssen. Gelagert würden die Pakete an festgelegten Orten, etwa in Geschäften, die mit Amazon kooperieren.

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Amazon hat den Bericht bislang nicht bestätigt. Wann das Angebot, das offenbar unter dem Namen "On my way" läuft, starten soll – und ob überhaupt, ist unklar. Branchenkenner bezeichneten die Berichte über die amazonschen Gedankenspiele gegenüber der WirtschaftsWoche jedoch als plausibel.

Späte Lieferung, beschädigte Ware Was Kunden bei Online-Lieferungen besonders nervt

Im Onlinehandel wächst nicht nur der Konkurrenzkampf. Die Kunden selbst verzeihen immer seltener Fehler und sind bereit, einfach den Shop zu wechseln. Dabei sind die Händler für manche Probleme gar nicht verantwortlich.

Quelle: dpa

DHL-Projekt liegt auf Eis

Neu ist die Idee nicht: Auch der Taxi-Vermittler Uber testet in Hongkong bereits einen ähnlichen Dienst, bei dem Privatpersonen Logistikaufträge annehmen. Und DHL, der Paketdienst der Deutschen Post, führte 2013 bereits in der schwedischen Hauptstadt Stockholm ein Pilotprojekt durch.

Der Bonner Konzern erhoffte sich eine besonders große Rückmeldung, da es in dem nur wenig besiedelten Land gar keinen Zustelldienste für die letzte Meile gibt. Stattdessen müssen die Einwohner selbst zum nächsten Postamt fahren, um ihre Pakete und Briefe abzuholen. DHL entwickelte die App "Myways", über die sich Paketempfänger und Zusteller verbinden können.

Doch seit Ende 2013 ruht das Projekt. Man habe die Testergebnisse ausgewertet und prüfe nun, ob sich ein ähnliches Projekt noch mal in einer anderen Stadt oder unter anderen Voraussetzungen lohne, sagte eine Post-Sprecherin. 

Probleme der Online-Händler

Auch wenn "On my way"  Realität wird: Dass Amazon, Effizienz-Meister und Service-König der Branche, die so wichtige letzte Meile im großen Stil in die Hände von Amateuren legt, ist ausgeschlossen.
Nicht nur dass, die großen Lieferdienste sehr viel effizienter arbeiten, als es Privatleute je könnten. Qualität der Zustellung, Zustand der Pakete,  Auftreten gegenüber dem Kunden - Amazon gäbe ganz entscheidende Faktoren für die Zufriedenheit mit der Lieferung aus der Hand. Das ist riskant – und dürfte sich nur im Einzelfall und auf expliziten Kundenwunsch lohnen.
Für Gedankenspiele und Testballons waren das Unternehmen und Jeff Bezos schon immer zu haben. Zumal die Warenauslieferung und der "Kampf um die letzte Meile" bis zum Kunden derzeit die Entwicklung in der E-Commerce-Branche bestimmen. Zum einen, weil die Kosten für die Auslieferung steigen. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Lieferkosten um 31 Prozent – und damit stärker als die Umsätze des Konzerns.

Die größten Probleme bei Lieferungen von Onlinehändlern

  • Platz 6

    14 Prozent der Befragten erhielten in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal keine Ware, obwohl Händler oder Zusteller eine erfolgreiche Zustellung meldeten

  • Platz 5

    Die falsche Ware erhielten im vergangenen Jahr 17 Prozent der Befragten

  • Platz 4

    24 Prozent der Befragten ärgerten sich über beschädigte Ware

  • Platz 3

    Mehr als ein Viertel der Befragten (26 Prozent) klagten darüber bestellte Waren gar nicht bekommen zu haben

  • Platz 2

    45 Prozent der Befragten gaben an, dass bei ihnen in den vergangenen zwölf Monaten die Karte mit dem Hinweis auf "verpasste Anlieferung" in den Briefkasten eingeworfen wurde, obwohl sie zu Hause waren

  • Platz 1

    Bei 48 Prozent der Befragten kamen Lieferungen später an als angekündigt

  • Die Studie

    Die Studie entstand im Auftrag für JDA Software, einen führenden Anbieter von Lösungen für die Bereiche Supply Chain, Produktionsplanung. Für die Auswertung wurden 2042 repräsentativ ausgewählte Verbraucher zwischen 16 und 64 Jahren aus Deutschland befragt. Die Erhebung erfolgte online im April 2015 und wurde von dem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt.

Zugleich schießen auch die Ansprüche der Kunden in die Höhe. Selbst im in Sachen Onlinehandel noch immer recht zurückhaltenden Deutschland gewinnen Zusatzservices wie die taggleiche Lieferung langsam an Bedeutung. Zugleich wird eine verpatzte Lieferung immer seltener verziehen. Trotz zuletzt hoher Investitionen können die Paketdienste manche Anforderungen nicht erfüllen, sie ächzen unter der Paketflut.
Auch deshalb testet Amazon gerade mit viel Aufwand - und unter großem Interesse der Branche – verschiedene neue Liefermöglichkeiten – darunter etwa die Auslieferung per Drohne.

Zugleich hat Amazon längst eine Alternative zur Privat-Botenarmee in Stellung gebracht, die den Konzern unabhängig von den Paket-Dienstleistern macht. In England etwa lässt der  Konzern waren Waren in Eigenregie ausliefern – mit eigenen Lieferwagen. Dem staatlichen Postdienst RoyalMail macht das zu schaffen, weil die Aufträge fehlen.

Späte Lieferung, beschädigte Ware Was Kunden bei Online-Lieferungen besonders nervt

Im Onlinehandel wächst nicht nur der Konkurrenzkampf. Die Kunden selbst verzeihen immer seltener Fehler und sind bereit, einfach den Shop zu wechseln. Dabei sind die Händler für manche Probleme gar nicht verantwortlich.

Quelle: dpa

In New York, wo der Onlinehändler schon seit einigen Monaten einen Service für die Zustellung am selben Tag anbietet,  ist der Konzern noch einen Schritt weiter, was Geschwindigkeit und Effizienz angeht. Amazon schickt seine Kuriere jetzt durch die U-Bahn. Sonst könnten die Kuriere die garantierten Lieferzeiten von zwei Stunden kaum einhalten, auch wenn in diesem Fall zusätzliche Kosten für Amazon entstehen könnten.

Auch in Deutschland mehren sich die Zeichen, dass Amazon einen eigenen Zustellservice plant. Ein erster Türöffner könnte der Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh sein, dessen Deutschland-Start Branchenkenner noch in diesem Jahr erwarten.

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