Zäsur bei der Metro: Aufsichtsratschef Haniel geht

Zäsur bei der Metro: Aufsichtsratschef Haniel geht

Die Duisburger Familienholding Haniel gibt beim Handelsriesen Metro das Heft aus der Hand: Ihr Vertreter Franz Markus Haniel wird künftig nicht mehr an der Spitze des Aufsichtsrats des Düsseldorfer Konzerns stehen.

Nachfolger solle ein "unabhängiger" Kandidat werden - der scheidende Chef des weltgrößten Schokolade- und Kakao-Herstellers Barry Callebaut, Jürgen Steinemann. Haniel hatte die Geschicke der Metro entscheidend mitbestimmt. Doch die Holding will sich unabhängiger vom Handel machen und hatte ihren Anteil an den Düsseldorfern in der Vergangenheit stetig abgebaut.

Der 1955 geborene Franz Markus Haniel ist seit April 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrats und hatte dieses Amt auch bereits von 2007 bis 2010 inne. Nun wolle er "die Möglichkeit eröffnen, dass der Aufsichtsratsvorsitz in die Hände eines unabhängigen, externen Vertreters übergeht", betonte Haniel. Die Duisburger Holding werde sich aber nicht komplett von der Metro verabschieden: "Die Geschichte der Metro und des Hauses Haniel ist seit über 50 Jahren eng miteinander verbunden, was sich auch in Zukunft nicht ändern wird." Haniel werde langfristig Aktionär bleiben, versprach er.

Das ist die Hudson's Bay Company

  • Die Geschichte

    Die Hudson´s Bay Company ist Kanadas größtes Kaufhaus und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Die Geschichte von HBC begann 1670, als Charles II von England der Company Eigentum über Land und Bodenschätze in Kanada übertrug. Der damals vollständige Name der Unternehmung: „The Governor and Company of Adventurers of England trading into Hudson´s Bay“.

    Rund 200 Jahre kontrollierte HBC vor allem den lukrativen Handel mit Pelzen, dann kaufte Kanada der Gesellschaft die Rechte wieder ab. HBC änderte daraufhin die Ausrichtung, stieg in den Großhandel ein und versorgte Siedler. Auch in der Schifffahrt und im Handel mit Öl und Gas war HBC tätig, bevor sich die Gesellschaft in den 1990er Jahren wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte.

    Die Hudson’s Bay Company fokussierte sich stets auf Aktivitäten in Kanada und Nordamerika - bis 1970 war ihr Sitz aber London.

  • Der Chef

    Die Historie der HBC ist derart eng mit der Kanadas verknüpft, dass seine Chefs bis heute Gouverneure heißen. Heute hat diesen Posten der US-Amerikaner Richard Baker inne, der das Unternehmen 2008 erwarb. Baker gilt als strategischer und ehrgeiziger Konzernlenker  

  • Die Expansion

    Schon vor der HBC-Übernahme hatte Baker 2006 amerikanisch Traditionskaufhauskette Lord & Taylor für knapp eine Milliarde Euro gekauft und das Geschäft durch Beleihung der Immobilien finanziert. Auch den vollständigen Kauf der Hudson’s Bay Company im Jahr 2008  finanzierte Baker hauptsächlich durch Schulden. Für rund 2,2 Milliarden Euro kaufte HBC 2013 schließlich die amerikanische Nobelkette  Saks Fifth Avenue  und deren Ableger OFF 5th. Erneut die entscheidende Geldquelle: beliehene Immobilien. 2015 machte der Konzern klar, in Zukunft auch außerhalb des nordamerikanischen Marktes wachsen zu wollen - durch Zukäufe wie Kaufhof. Neuestes Projekt ist die Einführung der Discount-Luxuskette Saks Off 5th in Deutschland.

  • Die Unternehmen

    Neben der namensgebenden Hudson’s Bay Company gehören zum HBC-Imperium eine ganze Reihe von Handelsunternehmen in Nordamerika. In Kanada ist es die Einrichtungshauskette Home Outfitters. In den USA hat HBC das Luxuskaufhaus Lord & Taylor, die Edelkaufhauskette Saks Fifth Avenue und deren Discount-Designer-Ableger Saks Fifth Avenue OFF 5th übernommen.

  • Die Immobilien

    Als starkes Rückgrat der Hudson’s Bay Company gelten die Warenhausimmobilien im  Besitz des Konzerns. Ihr Wert wird auf etwa 9,6 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, rund 6,7 Milliarden Euro. Allein der Saks Fifth Avenue Flagship Store in New York soll mehr als drei Milliarden Euro wert sein.

  • Die Umsätze

    Mit Saks Fifth Avenue, der Kernmarke Hudson's Bay, der Modekette Lord & Taylor und dem Haushaltswarenhändler Home Outfitters machte HBC zuletzt einen Umsatz von gut neun Milliarden Euro und rund 420 Millionen Euro Gewinn.

  • Saks Fifth Avenue und Saks Off 5th

    Der erste Laden der amerikanischen Luxux-Kaufhauskette wurde 1924 von Horace Saks zusammen mit einer Geschäftspartner auf der New Yorker 5th Avenue eröffnet. 1992 gründete das Unternehmen sein erstes Outletgeschäft in Pennsylvania. Als 1995 weitere Läden eröffnet werden sollten, wurde das Geschäft in Saks Off 5th umbenannt. 2013 übernahm HBC das Unternehmen. Im Jahr 2016 gab es weltweit 41 Fililalen von Saks Fifth Avenue und 117 von Saks Off 5th.

Das Duisburger Familienunternehmen hatte in den vergangenen Jahren seinen Anteil am Düsseldorfer Handelskonzern von gut 34 Prozent schrittweise abgebaut und plant, diesen bis 2020 auf rund 20 Prozent zu reduzieren. Dann werde Metro "ein angemessenes Gewicht" im Haniel-Portfolio haben. Neben Haniel sind die Familien Schmidt-Ruthenbeck sowie Beisheim Großaktionäre bei Metro - sie halten gut 15 sowie knapp über neun Prozent der Stimmrechte.

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Die Beteiligung an den Düsseldorfern hatte Haniel in der Vergangenheit nicht immer Freude gemacht. Metro stieg 2012 aus dem Dax ab, für 2012 musste Haniel zudem einen Netto-Verlust von rund 1,9 Milliarden Euro ausweisen. Rund 1,2 Milliarden Euro davon resultierten damals allein aus Abschreibungen auf die Metro-Beteiligung.

Der 1958 geborene Steinemann soll nun im September in den Metro-Aufsichtsrat aufrücken, Haniel will seinen Spitzen-Posten dann nach der Hauptversammlung im Februar 2016 abgeben. Steinemann werde dann den Metro-Vorstand "aktiv begleiten", stellte Haniel in Aussicht. Er kenne die Branche. Steinemann war vor seiner Zeit bei dem Schweizer Callebaut-Konzern unter anderem für den Konsumgüterkonzern Unilever tätig.

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