Zalando: Modeshop leidet unter trödelnden Kunden

Zalando: Modeshop leidet unter trödelnden Kunden

von Henryk Hielscher

Weil viele Zalando-Kunden ihre bestellten Blusen, BHs und Ballerinas allzu zögerlich bezahlen, gerät Europas größter Online-Modehändler unter Druck.

Der Berliner Online-Händler Zalando wächst rasant. Doch die Gewinnentwicklung kann mit dem Umsatzanstieg offenbar nicht mithalten. Im zweiten Quartal rechnet der Berliner Modehändler mit einem bereinigten Betriebsergebnis (Ebit) zwischen 22 und 37 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 35 Millionen Euro gewesen. Grund für die unscharfe Prognose ist offenbar die schleppende Zahlungsmoral der Zalando-Besteller.

So kämpft der Konzern damit, dass Kunden ihre Rechnungen erst nach langwierigen Mahnverfahren oder gar nicht begleichen. Besserung ist nicht in Sicht, da die Berliner an ihren kundenfreundlichen aber inkasso-erschwerenden Retouren- und Bezahlregelungen festhalten wollen.

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Im Kernmarkt Deutschland - dem wichtigsten Markt für Zalando - kann sich der Kunde beim Kauf auf Rechnung 14 Tage Zeit lassen, bis er bezahlt. Im Vergleich zur Vorkasse, wie sie andere Versender verlangen, bedeutet das höhere Zinskosten und ein beträchtliches Ausfallrisiko. Je lockerer die Zahlungsbedingungen, desto größer ist andererseits auch die Lust der Kunden, im Netz shoppen zu gehen. Der Umsatz von Zalando stieg von April bis Juni um 33 bis 35 Prozent auf 727 bis 738 Millionen Euro.

Zalando auf einen Blick

  • Die Gründer

    Die Berliner Robert Gentz und David Schneider starteten im Oktober 2008 mit dem kleinen Online-Schuhshop Zalando. Ihr Büro diente als Warenlager, der Service lief über ihre Mobiltelefone.

  • Die Investoren

    Zu den Investoren zählen die Tengelmann-Gruppe (6 Prozent), der Facebook-Investor Digital Sky Technologies DST (9 Prozent), Holtzbrinck Ventures (8 Prozent) sowie die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander über ihren Berliner Startup-Entwickler Rocket Internet und European Funders Fund (17%). Die schwedische Investment AB Kinnevik hat mehrfach aufgestockt und hält mittlerweile 36 Prozent an Zalando direkt und indirekt via Rocket Internet. Damit sind die Schweden die größten Gesellschafter des E-Commerce Unternehmens. Im August 2013 stieg die Mode-Gruppe Bestseller von Anders Holch Povlsen mit 10 Prozent ein. Er kaufte u.a. Holtzbrinck und Tengelmann Anteile ab. Weitere Investoren wie der russischen Dotcom-Finanziers Yuri Milner halten insgesamt zusammen 13,5 Prozent.

  • Die Strategie

    Zalando expandierte in den vergangenen vier Jahren extrem schnell und aggressiv in ganz Europa und ist mittlerweile in 15 Ländern aktiv. Dafür setzte das Unternehmen große Summen für das Marketing, vor allem TV-Spots ein. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen berechnete die Ausgaben für die Spots im Jahr 2011 allein in Deutschland auf 90 Millionen Euro. Der Bekanntheitsgrad der Marke Zalando liegt in der werberelevanten Zielgruppe bei 95 Prozent. In Frankreich kennt den Online-Händler nach einem Jahr am Markt bereits jeder Zweie.

  • Die Umsatzentwicklung

    Laut Bundesanzeiger wies Zalando für 2009 einen Fehlbetrag von 1,6 Millionen aus. 2010 waren es 20,4 Millionen. Der Umsatz lag 2010 bei 150 Millionen Euro. 2011 waren es bereits 510 Millionen Euro, 2012 hat Zalando die Milliarden-Marke mit 1,15 Milliarden Euro Nettoumsatz geknackt und den Vorjahresumsatz verdoppelt. 2013 kletterte der Umsatz um 52 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Dabei steht aber ein Rekordverlust von 100 Millionen Euro in den Büchern.

  • Mitarbeiter und Logistik

    Zalando beschäftigt aktuell mehr als 1200 Mitarbeiter. In Berlin entsteht ein neuer Bürokomplex mit 20.000 Quadratmetern für mehrere hundert Mitarbeiter. Ab Sommer 2013 sollen weitere Büroflächen in Berlin Mitte angemietet werden. In Erfurt eröffnet Anfang Dezember das erste eigene Logistikzentrum, mit dem Bau eines weiteren hat der Online-Händler in Mönchengladbach begonnen, hier sollen bis zu 1000 Beschäftigte arbeiten.

An der Börse wurden die vorläufigen Zahlen mit deutlichen Kursverlusten quittiert. Der MDax-Wert verlor bis Dienstagmittag rund vier Prozent und notierte bei rund 32 Euro. Dabei ist Zalandos Inkasso-Problem kein Einzelfall in der Online-Branche.

So berichtet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) regelmäßig darüber, dass in erster Linie der Online- und Versandhändler unter der mauen Zahlungsmoral der Kundschaft leiden würden, gefolgt von Wohnungsvermietern, Energieversorgern und Fitnessstudios.

In der Regel haben die Unternehmen jedoch Systeme etabliert, um notorischen Zahlungsverweigerern Bestellungen zu erschweren. So verlangen einzelne Händler in ihren Orderschablonen von den Kunden, dass diese bei der Bestellung im Internet den Abgleich ihrer Personalien zulassen. Im Hintergrund überprüfen Datenbanken blitzschnell, ob es den Besteller überhaupt gibt, ob er zuvor immer brav bezahlt hat und ob er sich die Ware leisten kann. Tauchen Ungereimtheiten auf, wird der Kauf per Rechnung gar nicht erst angeboten. Doch auch derlei Präventionssysteme haben Nachteile.

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So kann es passieren, dass ein langjähriger Kunde nach einem Umzug plötzlich bei seinem Lieblingsshop im Internet im Voraus zahlen muss, obwohl dies zuvor problemlos per Rechnung funktionierte. Grund sind dann Informationen der angeschlossenen Wirtschaftsauskunft, die unter der neuen Postleitzahl des Bestellers viele Zahlungsausfälle registriert und das Risiko plötzlich anderes bewertet.

Ob und wie sich Zalando künftig trödelnder Kunden erwehren will, ist offen. Die endgültigen Quartalszahlen will Zalando am 13. August vorlegen.


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