Zeugin beschuldigt Anton Schlecker: Angstkultur habe Niedergang beschleunigt

Zeugin beschuldigt Anton Schlecker: Angstkultur habe Niedergang beschleunigt

, aktualisiert 11. September 2017, 13:58 Uhr
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Die Direktoren – also die Führungskräfte direkt unter dem Konzernchef – hätten keinen Mumm gehabt, Schlecker über Fehler zu informieren, berichtet eine Zeugin.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Schlecker-Prozess wird fortgesetzt: Eine Zeugin wirft Firmenchef Anton Schlecker vor, mit seiner Uneinsichtigkeit die Drogeriekette in den Ruin getrieben zu haben. Ihr selbst wurde nach einem Widerspruch gekündigt.

StuttgartIm Schleckerkonzern hat Firmenchef Anton Schlecker laut Aussage einer Zeugin keinen Widerspruch geduldet. Dies habe zu schlimmen Fehlentscheidungen geführt, die den Niedergang der Drogeriekette noch beschleunigt hätten, sagte die frühere Chefin der Tochterfirma Schlecker XL am Montag vor dem Stuttgarter Landgericht. Die Direktoren – also die Führungskräfte direkt unter dem Konzernchef – hätten keinen Mumm gehabt, Schlecker über Fehler zu informieren. „Die erzählten Schlecker, was er hören wollte.“

In dem Prozess wird Anton Schlecker vorsätzlicher Bankrott vorgeworfen. Der Drogeriekonzern ging 2012 pleite, Zehntausende Beschäftigte wurden arbeitslos. Die Zeugin war bis 2010 im Konzern, zuletzt war sie für die Schlecker-XL-Märkte zuständig.

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Das Konzept für diese 2008 gestarteten, größeren Läden mit Hochglanz-Image sei gut gewesen, so die Zeugin. Dann jedoch seien Fehler gemacht worden. „Man hat den Pfad schnell verlassen und Läden aufgemacht, die schon unter dem alten Schleckerkonzept katastrophal liefen.“ Sie selbst habe kaum Raum für Entscheidungen gehabt. So sei ihr aufgetragen worden, den Umsatz in einem Laden in einem 500-Seelen-Dorf nach der Umstellung auf das XL-Format zu vervierfachen. Das habe natürlich nicht geklappt. „Aus einem Ackergaul ein Rennpferd machen, das geht nicht.“

„Jeder wusste, dass die Läden, die wir aufmachen, die falschen sind“, sagte die Zeugin. Sie habe ihre Bedenken den Direktoren mitgeteilt, die aber nichts gemacht hätten. „Im Grunde hatte jeder Angst um seinen Posten – es ging schnell bei uns, wenn man ein falsches Wort gesagt hat.“ Im Oktober 2010 habe sie selbst Anton Schlecker auf Fehler aufmerksam gemacht, woraufhin sie ihren Posten räumen musste.

Quelle:  Handelsblatt Online
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