Zigarettenindustrie: Der langsame Tod der Tabakkonzerne

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Zigarettenindustrie: Der langsame Tod der Tabakkonzerne

von Stephan Happel

Am Samstag jährt sich der Weltnichtrauchertag. Die Tabakindustrie macht weiter hohe Gewinne - doch die Verbannung aus Kneipen und hohe Steuern zeigen Wirkung. Für einige Konzerne wird die Luft dünn.

Bei den letzten tiefen Zügen glimmt eine Zigarette besonders hell. Der Tabakindustrie geht es gerade ähnlich.

Allein hierzulande machte die Branche zuletzt einen Jahresumsatz von 13 Milliarden Euro, Tabak-Unternehmen erzielen hohe Gewinne. Die Reemtsma Cigarettenfabriken, die in Deutschland mehr als ein Viertel des Marktes beherrschen, weisen bei einem Umsatz von einer guten Milliarde Euro satte 573 Millionen als Gewinn aus. Weiteres Wachstum wird erwartet.

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Die Aktienkurse von internationalen Konzernen wie British American Tobacco, Philip Morris und Imperial Tobacco steigen oder bleiben mindestens auf hohem Niveau stabil. Während Ärzte vom Griff zur Zigarette abraten, empfehlen Börsenexperten, beim Tabak ordentlich zuzulangen. An ihre Aktionäre schütten die Unternehmen Dividende von vier Prozent und mehr aus. 

Fakten zum Tabakkonsum

  • Anteil der Raucher

    Knapp 30 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 79 Jahren rauchen. Zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: 33 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen greifen zu Zigarette und Co.

    Quelle: dpa, Stand 2014

  • Wer raucht?

    Je höher der soziale Status, desto geringer ist laut Studien das Interesse am Nikotin.

  • Pro-Kopf-Verbrauch

    Bei 996 Zigaretten lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2013 - ein Rückgang von 1,2 Prozent im Vergleich zu 2012. Im Jahr 2000 hatten die Deutschen noch 1699 Zigaretten pro Kopf konsumiert. Der Gesamtverbrauch lag 2013 bei 80,3 Milliarden. Hinzu kamen knapp 3,6 Milliarden Zigarren und Zigarillos.

  • Todesfälle

    Bis zu 120.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich an den Folgen, mehr als 3000 durch Passivrauchen. EU-weit sterben pro Jahr fast 700.000 Raucher.

  • Ausgaben für Zigaretten

    Gut 24,3 Milliarden Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für Tabakwaren aus.

  • Tabaksteuer

    Die Einnahmen aus der Tabaksteuer lagen 2013 bei 14,1 Milliarden Euro. Damit ist sie ist nach der Energiesteuer (39,4 Milliarden Euro) die zweitergiebigste der Verbrauchsteuern.

  • Werbeausgaben

    Rund 200 Millionen Euro jährlich investiert die Tabakindustrie in die Werbung.

Trotzdem klagen die Tabakkonzerne. Laut und nahezu permanent. Sind die Positivmeldungen nur das die letzten Aufflackern einer sterbenden Industrie?

"Die Stimmung in der Branche ist angespannt", sagt zumindest Dirk Pangritz, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands (DZV) und meint vor allem den heimischen Markt.

Hohe Umsatzeinbuße

Während weltweit so viel geraucht wird wie nie, werden die Bürger der westlichen Industrienationen zu Abstinenzlern. 220 Millionen Zigaretten paffen die Deutschen aktuell weg - täglich. Das klingt zwar viel, für die Tabakindustrie aber ein Negativrekord. Laut Statistischem Bundesamt sank der durchschnittliche Konsum von Zigaretten seit 1991 um etwa 55 Prozent. Neun Milliarden Euro Umsatz hat die Branche in Deutschland im Vergleich zum erfolgreichen Jahr 2003 eingebüßt. Das schmerzt.

"Die großen Unternehmen können Gewinnrückgänge in Europa auf anderen Märkten auf der Welt ausgleichen", sagt Verbandsmann Pangritz. Zu kämpfen hätten vor allem die kleinen heimischen Unternehmen, die eine Nische bedienen.

Dass sich der Trend jemals umkehrt, glaubt nicht mal der Tabaklobbyist. "In entwickelten Ländern wird der Tabakmarkt weiter schrumpfen", sagt Pangritz.

Luxuszigarren Die letzten Raucheroasen

Sie wirken wie aus der Zeit gefallen: In Zigarrenlounges treffen sich die letzten Gentlemen, um eine teure Zigarre nebst korrespondierendem Whiskey oder Cognac zu genießen. Vom Luxus, der in Rauch aufgeht.

Versteckte Lounges werden zum Refugium für Zigarrenraucher. Quelle: dpa

Das klingt fast nach Resignation. Die Lobby der Tabakindustrie gilt als eine der stärksten überhaupt. Die Konzerne geben viel Geld aus, um ihre Vertreter in die Parlamente zu schicken. Die werben dort um Verständnis für die vermeintliche wirtschaftliche Bedeutung der Tabakindustrie, betteln um Rücksicht auf angeblich tausende Arbeitsplätze, die von abhängen. Sie warnen davor, dass jede Änderung am Tabakgesetz nicht zu weniger Rauchern, aber zu mehr Schmugglern führen würde. Erbittert haben die Lobbyisten im EU-Parlament in Brüssel gegen eine Verschärfung der Tabakrichtlinie gekämpft. Trotzdem wird sie nun kommen. Vielleicht nicht so hart, wie es sich die Anti-Raucher-Lobby gewünscht hat, aber dennoch.

Untergang der Mittelständler

Lungenkrebs, Herzinfarkt, Raucherbein, Tod: Um davor zu warnen, hat das EU-Parlament im Februar der verschärften Tabakrichtlinie zugestimmt. 65 Prozent der Verpackungsfläche von Zigarettenpackungen sollen in Zukunft mit abschreckenden Bildern und Warnhinweisen bedeckt werden. Zudem dürfen die Hersteller nicht mehr mit Aromastoffen wie "Vanille" oder Bezeichnungen wie "mild" auf den Packungen werben. Menthol-Zigaretten sollen ab 2020 ganz verboten werden. Zudem müssen die Hersteller bald sehr viel genauer über Herkunft und Lieferkette ihrer Produkte Auskunft geben.

Die Tabakbranche stöhnt laut auf. "Da kommen erhebliche Belastungen auf die Mittelständler zu", sagt Franz Peter Marx vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR). "Besonders für kleine Unternehmen wird es schwierig." Schließungen könnten die Folgen sein, befürchtet der Lobbyist. Gerade die Mittelständler würden sich über doch ihre aromatischen Angebote für Genussraucher profilieren. Außerdem könnten sie den zusätzlichen bürokratischen Aufwand kaum stemmen, klagt er.

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