
DüsseldorfWer will Teile von Schlecker? So lautet flapsig ausgedrückt die Gretchenfrage in dieser Woche. Das Familienunternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, zahlungsunfähig zu sein. Die nächsten Tage werden nun zeigen, wie es weitergeht.
Schnell wurden als mögliche Interessenten für die 7000 Schlecker-Filialen in Deutschland DM und Rossmann ins Spiel gebracht, doch die haben schon abgewiegelt. Schlecker passe nicht in ihr Konzept, ohnehin hätten sie nur Interesse an einer Handvoll großer, moderner Läden.
Nun richtet sich der Blick auf Finanzinvestoren wie Sun Capital. Das Beteiligungsunternehmen hat Erfahrung im Handelsbereich und bei der Restrukturierung. In Finanzkreisen gehandelt wird zudem der Besitzer der Textilkette Takko, Apax Partners. Doch das bleiben vorerst Spekulationen.
Das gilt auch für die Frage, wem Schlecker im Detail wie viel Geld schuldet. Laut Medienberichten hat das Unternehmen mehrere offene Rechnungen im Zusammenhang mit einer Einkaufsgemeinschaft, der unter anderem auch die Schlecker-Konkurrenten Rossmann und DM angehören. Über Schulden, Gläubiger und anvisierte Lösungswege schweigt Schlecker bislang.
Die Gläubiger müssen jedenfalls einem vorgelegten Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt. Zur Investorensuche hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Der Schlecker-Sprecher wollte entsprechende Angaben des „Manager Magazins“ nicht kommentieren.
Wie das Handelsblatt erfuhr, drängten am Wochenende bereits mehrere große Gläubiger auf die Ernennung des Frankfurter Rechtsanwalts Ottmar Hermann zum Insolvenzverwalter. Der hatte zuletzt die Warenhauskette Woolworth erfolgreich aus der Insolvenz geführt, indem er unprofitable Filialen schloss und das verschlankte Unternehmen an die Eigentümer von Kik und Tengelmann verkaufte.
Die Chancen für Hermann scheinen aber eher gering zu sein. Die Ulmer Amtsrichter, so wurde den Gläubigern mitgeteilt, bevorzugen einen Insolvenzverwalter aus Bayern. In Finanzkreisen wird daher erwartet, dass der Kaufmann Werner Schneider aus Neu-Ulm zum Zuge kommt. Er ist zwar gerade bei dem Druckmaschinenbauer Manroland im Einsatz, hat aber viel Erfahrung mit großen Insolvenzverfahren.
Gläubiger wollen nicht verzichten
Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) hat einer der wichtigen Gläubiger - der Einkaufsverbund Markant - dem zuständigen Gericht schon seine Vorbehalte gegen ein sogenanntes Planverfahren in Eigenverwaltung signalisiert.
Offenbar ist die Bereitschaft, freiwillig auf einen Teil der Forderungen zu verzichten, also eher gering. Zwei führende deutsche Insolvenzverwalter äußerten sich gegenüber der FTD skeptisch. "Die Gläubiger werden nur zum Verzicht bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie einen erheblichen Beitrag leistet", sagte einer der beiden Juristen, die aus Wettbewerbsgründen anonym bleiben wollten.
Die Restrukturierung von Schlecker, die seit Mitte 2010 läuft, soll "im Rahmen der Möglichkeiten eines Plan-Insolvenzverfahrens fortgesetzt werden", hieß es in der Mitteilung vom Freitag. Dabei wird der entsprechende Antrag mit einem Vorschlag zur Sanierung verbunden. "Folgen die Gläubiger dem Plan, bleibt die alte Geschäftsführung im Amt", hofft Schlecker. Der Betrieb läuft erst mal weiter. Daran dürfte auch Schleckers Lieferanten und Vermietern gelegen sein.
Die Drogeriekette schrieb zudem von einer Zwischenfinanzierung, die nicht realisiert werden konnte. Dabei geht es offenbar, so hieß es in Bankenkreisen, um einen Kredit über 150 Millionen Euro. Häufig arbeiten Ketten wie Schlecker zwar beim Zahlungsverkehr mit Banken zusammen, haben jedoch einen hohen Cash-Flow, aus dem sie die Modernisierung und Eröffnung neuer Läden finanzieren. Zudem räumen die Lieferanten in der Regel hohe Zahlungsziele ein. Auch Schlecker brauchte - und wollte - all die Jahre kein Geld von den Banken. Doch das rächt sich spätestens dann, wenn das Geld fehlt.
Nahe an der Insolvenz will und darf keine Bank mehr Kredite geben. "Schlecker ist zu optimistisch an die Sache rangegangen", sagt Thomas Roeb, Handelsprofessor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er berät Schlecker schon lange. "Die Familie hätte viel früher auf Geldgeber zugehen müssen."
Anton Schlecker betreibt die Drogeriekette, die als Anton Schlecker e. K. firmiert, als Einzelkaufmann. Die Gewerkschaft sieht den Inhaber gefordert. "Anton Schlecker trägt persönlich Verantwortung für seine Beschäftigten", sagte Stefanie Nutzenberger, im Verdi-Vorstand für den Handel zuständig. "Eigentum verpflichtet." Verdi geht es vor allem um die 30000 Arbeitsplätze in Deutschland.
Mitarbeiter haben einiges zu befürchten
Als Anton Schlecker 1975 seinen ersten Drogeriemarkt eröffnete, gab es nur ein Ziel: wachsen, wachsen, wachsen. Bis Anfang 2000 klappte das wunderbar, doch dann war die kritische Masse an Filialen erreicht.
Und es passierte das, was den Drogeriemarkt komplett umkrempelte: Die Konkurrenten dm (Karlsruhe) und Rossmann (Hannover) expandierten über ihre Stammgebiete hinaus. Das traf Schlecker hart, denn die Kunden gingen lieber zu dm und Rossmann mit den netteren Läden, dem breiteren Angebot und den niedrigeren Preisen. Schlecker galt nicht mehr als billig. Obendrein klagten die Mitarbeiter über schlechte Behandlung, Tarifflucht und Dumpinglöhne. Das ramponierte das Image.
Die Drogeriekette will in dieser Woche einen Weg aus der Pleite finden. Nach Angaben eines Sprechers reicht das Unternehmen aus dem schwäbische Ehingen heute oder Dienstag den Antrag auf eine sogenannte Planinsolvenz beim zuständigen Amtsgericht Ulm ein. Auf diesem Weg könnte sich Schlecker im Erfolgsfall in Eigenregie sanieren, große Teile des Filialnetzes und viele der 47.000 Jobs in Europa sichern. Wie der Plan genau aussehen soll, ist bisher allerdings noch völlig unklar.
Vor allem die Mitarbeiter haben einiges zu befürchten. Die eine Sorge ist, dass im Zuge einer Planinsolvenz die teuren Tarifverträge mit der Gewerkschaft Verdi gekündigt werden könnten. Noch unangenehmer ist die Gefahr, dass es im Falle einer betriebsbedingten Kündigung unter Umständen keine Abfindungen gibt. Allein in Deutschland beschäftigt Schlecker 30.000 Menschen. Über die Zukunft der Mitarbeiter in gut 3000 Filialen im europäischen Ausland sei noch nicht entschieden, hatte ein Schlecker-Sprecher am Sonntag gesagt.










