Handelskongress: Konzernchefs wie Ritter, Tod und Teufel

Handelskongress: Konzernchefs wie Ritter, Tod und Teufel

Bild vergrößern

Eckhard Cordes, Vorstandsvorsitzender der Metro Group

von Mario Brück

Die Konzernlenker der drei größten deutschen Handelskonzerne zeigten in Berlin Perspektiven, Herausforderungen und Probleme auf – und sparten nicht mit Sticheleien gegen die Konkurrenten.

Der deutsche Einzelhandel sei ein Bedeutungsriese und gleichzeitig ein Wahrnehmungszwerg, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes und skizzierte damit in wenigen Worten das Zerrbild der Branche. Bedeutend sei der Einzelhandel, weil er für rund zehn Prozent der Wertschöpfung in Deutschland stehe. Ein Wert, an den selbst die Automobilindustrie nicht heranreiche. Zudem seien in den Handelsunternehmen rund vier Millionen Menschen beschäftigt und die Branche sei darüber hinaus ein überaus wichtiges Arbeitsfeld für gering qualifizierte Menschen. Auch hätten in der Branche rund 20 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Alle diese Fakten seien jedoch wenig bekannt. Dafür würden aber immer wieder einige schwarze Schafe für ein schlechtes Image sorgen. Cordes nannte keine Namen, wohl wissend, dass jeder sie kennt: Lidl, Schlecker oder KiK.

Der Chef des Düsseldorfer Handelsriesen Metro, zu dem Real, Kaufhof, Metro-Cash & Carry sowie Media-Markt und Saturn gehören, kündigte an, mit neuen Ladenformaten näher an die Kunden heranzurücken. So seien etwa bis vor kurzem ausschließlich riesige Cash&Carry-Märkte mit Verkaufsflächen von 8000 und mehr Quadratmetern gebaut worden. Von dieser Strategie habe man sich verabschiedet. Man werde zunehmend auf kleinere Märkte setzen. In Shanghai sei erst kürzlich ein City Store mit rund 2000 Quadratmetern eröffnet worden.

Anzeige

Als Megatrend im Konzern benennt Cordes das Thema Nachhaltigkeit. Die Metro habe 2009 einen Nachhaltigkeitsrat installiert, in dem er die Leitung habe. „Mit ein paar eingeflogenen Promis und ein paar Werbespots kommt man heute bei diesem Thema nicht mehr weit“, sagt Cordes. Die Metro leiste Vorbildliches bei der Einsparung von Energie sowie bei den Themen zertifizierter Fischfang und soziales Engagements in Entwicklungsländern.

Energiekosten drücken das Ergebnis

Überaus positiv sieht Cordes derzeit die Entwicklung bei den Warenhäusern. „Wir haben bei Galeria Kaufhof im dritten Quartal ein flächenbereinigtes Wachstum erzielt. Zum ersten Mal seit langer Zeit.“

„Ich hätte nicht gedacht, auf dieser Veranstaltung den deutschen Nachhaltigkeitspapst zu treffen“. Mit dieser vollen Breitseite gegen Metro-Chef Cordes und seine Nachhaltigkeitsambitionen begann Rewe-Chef Alain Caparros seinen fulminanten Vortrag.

Metro-Chef Cordes, Edeka-Chef Markus Mosa und er selbst. Auf dem Podium gehe es ja zu wie bei Dürers Meisterstich Ritter, Tod und Teufel. „Nur, wir haben noch nicht besprochen, wer welche Rolle übernimmt.“ Das ginge nun ja auch nicht mehr, weil Herr Cordes ja schon wieder weg sei. „Er hat anscheindend wichtige Gespräche. Bei der Rewe gebe es keinen Nachhaltigkeitsrat wie bei der Metro. Bei der Rewe werde das Engagement dafür von zig tausend Mitarbeitern getragen. Caparros teilte den Optimismus von Verbandschef Josef Sankjohanser nicht, der von einer deutlichen Aufhellung des Konsumklimas und steigenden Umsätzen gesprochen hatte. Caparros:„Allein im kommenden Jahr werden wir fast 70 Millionen Euro für steigende Energiekosten ausgeben. Das drückt auf das Ergebnis.“ Alle großen Lebensmittelketten hätten sich seit zwei Jahrzehnten in eine Sackgasse manövriert, in der nur noch der Preis im Vordergrund stünde. Mit der Folge: Die Renditen im Handel liegen bei eins bis drei Prozent. „Und damit können wir auch keine attraktiven Löhne und Gehälter zahlen.“

Doch der Rewe-Chef sieht das Ende des Discountwahns nahen und die Auferstehung der längst totgeglaubten Mitte, sprich der Supermärkte. Nur im Supermarkt ließen sich Emotion und Effizienz unter einen Hut bringen.

Gegen Kostentreiber

Übrigens beschäftige die Rewe 10.000 Auszubildende und damit deutlich mehr als die Metro, konnte sich Caparros zum Abschluss seiner Rede einen weiteren Seitenhieb gegen die Konkurrenz nicht verkneifen.

Das Thema Azubis lieferte Edeka-Chef Markus Mosa die Steilvorlage. „Ganz nebenbei, die Edeka hat mehr als 17.000 Auszubildende.“ Mosa forderte von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen. Er erwarte zwar ein Plus bei den verfügbaren Einkommen. „Dieses Plus darf aber nicht wieder von steigenden Kosten für Sozialversicherungen, Energie oder den öffentlichen Personennahverkehr aufgezehrt werden.“

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%