
Der Vorstandschef des größten deutschen Handelskonzerns will seinen Postern aufgeben: Metro-Chef Eckhard Cordes tritt ab. Cordes habe dem Aufsichtsrat und den Mehrheitsgesellschaftern am Sonntag mitgeteilt, dass er für eine Verlängerung seines bis zum 31. Oktober 2012 laufenden Vertrags nicht mehr zur Verfügung stehe, teilte der Handelskonzern mit. Details wurden nicht genannt. Aus Unternehmenskreisen verlautete, Cordes werde sein Amt nicht sofort niederlegen. „Er wird seinen Vertrag erfüllen, bis die Nachfolgeregelung geklärt ist.“ Der frühere Daimler-Manager steht seit 2007 an der Metro-Spitze.
Über Cordes Abtritt war seit Wochen spekuliert worden: Es war lange unklar, ob der Manager noch die Rückendeckung der Metro-Eigentümer hat. Zuletzt hatte es geheißen, Cordes solle nur eine Vertragsverlängerung von maximal zwei Jahren angeboten werden. Üblich sind drei. Lange Zeit hatten die Zeichen auf einen Abschied des ehemaligen Daimler-Managers Cordes an der Metro-Spitze hingedeutet - doch der kämpfte um seinen Posten. Die Führungsdebatte um Cordes war über Wochen mit immer neuen Indiskretionen befeuert worden. Im November sollte der Aufsichtsrat eine Vertragsverlängerung erörtern.
"Keine vertrauensvolle Basis mehr"
Nun hatte Cordes offenbar genug davon. In einer Pressemitteilung erklärt der Konzernchef, er sei durch die Vorkommnisse der vergangenen Wochen und Monate zu dem Schluss gekommen, „dass eine vertrauensvolle Basis für einen Verbleib an der Spitze der Metro AG nicht mehr gegeben ist. So sind - durch welche Seite auch immer getrieben - immer wieder Spekulationen zu meiner Vertragsverlängerung in die Öffentlichkeit gelangt, die sowohl dem Unternehmen als auch den Mehrheitsgesellschaftern und meiner Person zu schaden drohten.“
Die öffentlich geführte Debatte um Cordes war lange aus dem Haniel-Umfeld angeheizt worden. Teile der Familie Haniel seien unzufrieden mit Cordes, hatte es in deren Umfeld geheißen, sie wünschten „einen Neuanfang“ an der Spitze der Metro - einem Milliarden-Investment der Haniels. Schützenhilfe hatte Cordes dagegen vom zweiten Großaktionär, der ebenfalls milliardenschweren Familie Schmidt-Ruthenbeck, erhalten. Deren Vertreter im Aufsichtsrat, Peter Küpfer, hatte sich demonstrativ hinter Cordes gestellt und für eine Vertragsverlängerung des Metro-Chefs plädiert. Haniel ist mit einer Beteiligung von 34,24 Prozent der größte Einzelaktionär des Handelskonzerns, Schmidt-Ruthenbeck hält knapp 16 Prozent.
Noch im September gab sich Cordes kämpferisch
Überraschend hatte sich Haniel im September dann doch hinter Cordes gestellt und für eine Verlängerung seines Vertrages ausgesprochen. Cordes hatte daraufhin Spekulationen zurückgewiesen, nach denen er binnen Tagen an der Spitze des Düsseldorfer Handelskonzerns zurücktreten werde. „Ich habe einen Vertrag, der bis zum 31. Oktober 2012 läuft, und diesen Vertrag möchte ich auf jeden Fall erfüllen“, hatte er dem Handelsblatt gesagt. Auch in den derzeitigen Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung gab er sich zu diesem Zeitpunkt noch optimistisch. „Die von mir angestoßenen Veränderungsprogramme bei Metro sind noch nicht abgeschlossen. Und deshalb fühle mich in der Verpflichtung, diesen Wandel weiter zu gestalten.“
Aus dem Kreis der Eigentümer war aber zuvor Unmut laut geworden, weil Cordes die angepeilten Ziele wie den Verkauf des Warenhauses Kaufhof und der Lebensmittelkette Real nicht umgesetzt hatte. Es waren auch Spekulationen laut geworden, Cordes solle selbst auf eine weitere Kandidatur verzichten, um dem Manager einen ehrenvollen Abgang zu ermöglichen. Dies hätten ihm Vertreter von Großaktionär Haniel nahegelegt. „Die Haniel-Seite ist verstimmt“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person dem Handelsblatt erst vor wenigen Wochen.













