Handelskonzern: Die Streithähne der Metro

Handelskonzern: Die Streithähne der Metro

von Henryk Hielscher

Wochenlang hielt der Machtkampf um die Führung von Deutschlands größtem Handelskonzern Mitarbeiter und Publikum in Atem. Nun stehen die Gewinner und Verlierer fest.

Der Kämpfer

Bild vergrößern

Der Vorstandsvorsitzende der Metro AG, Eckhard Cordes Foto: Roberto Pfeil/dapd

Über die Leistung von Metro-Chef Eckhard Cordes beim Umbau des Düsseldorfer Handelskonzerns ist die Branche geteilter Meinung. Sein Geschick im wochenlangen Gezerre um die eigene Zukunft an der Konzernspitze ist dagegen unbestritten. Seinen raschen Abgang hatten einige Medien schon per Schlagzeile prophezeit, da schaltete Cordes auf Powerplay, lehnte einen Rücktritt kategorisch ab, beackerte Aufsichtsräte und Aktionäre und konterte so den Versuch, ihn vorzeitig abzuservieren. Lange Zeit war der Frontverlauf unübersichtlich. Doch an echten Führungsalternativen mangelte es, zudem unterschätzten Cordes’ Gegner die Heterogenität der Metro-Großaktionäre und Loyalitäten im Vorstand. Jetzt sieht alles nach einer Vertragsverlängerung für den Manager aus, wenn auch über eine eng gesteckte Laufzeit. Doch auch Cordes geht aus dem Konflikt nicht ohne Blessuren heraus: Dass vor allem Teile des Haniel-Clans, dem mit 34,2 Prozent Anteilsbesitz größtem Metro-Aktionär, Stimmung gegen den Manager machten, dürfte nicht ohne Folgen bleiben. Wie Cordes und sein Aufsichtsratschef Jürgen Kluge, der zugleich Haniel-Chef in Duisburg ist, unter diesen Bedingungen vertrauensvoll zusammenarbeiten wollen, bleibt offen. Zudem wirft der Streit ein Schlaglicht auf die Probleme des größten deutschen Handelskonzerns: Der Verkauf der Kaufhof-Warenhäuser gelingt seit Jahren nicht, die Zukunft der SB-Warenhaustochter Real ist nach wie vor unsicher. Beim früheren Wachstumsgaranten MediaSaturn lähmt ein Streit mit den Unternehmensgründern die dringend nötige Aufholjagd im Online-Geschäft. Die Gemengelage schlug in den vergangenen Monaten auf den Metro-Aktienkurs durch. Um mehr als 40 Prozent sackte der Wert des Metro-Papiers seit Jahresbeginn – und verleitete wohl auch die Großaktionäre zu hektischen Personalentscheidungen.

Der Gegenspieler

Jürgen Kluge, Quelle: dpa

Jürgen Kluge, Haniel-Vorstandsvorsitzender, beantwortet am Montag (26.04.2010) während der Bilanzpressekonferenz in Duisburg Fragen der Journalisten. Jürgen Kluge erklärte den Weg des Mischkonzerns aus der Krise. Foto: Roland Weihrauch dpa/lnw (c) dpa - Bildfunk

Bild: dpa

Für Jürgen Kluge, Chef des Duisburger Haniel-Konzerns und Aufsichtsratsvorsitzender von Metro, könnte sich der Casus Cordes zum Bumerang entwickeln. Nach Duisburger Lesart gab es zwar gar keinen Machtkampf zwischen dem Duo. Er habe Cordes auch nie nahegelegt zurückzutreten, beteuerte Kluge jüngst in einem Interview. Doch das Dementi verpuffte, alle Treueschwüre halfen nichts: Zwischen den beiden krachte es gewaltig, heißt es unisono im Umfeld der Unternehmen. Und so gilt Kluge nun als Verlierer des Gezerres. Zumal die Pläne des früheren McKinsey-Deutschland-Chefs nicht zum ersten Mal scheitern. Sein zum Amtsantritt lautstark vorgetragenes Mantra, das Haniel’sche Portfolio neu auszubalancieren und „mehr kleine Stars“ an Bord zu holen, wurde bisher nur auf PowerPoint-Charts realisiert.

Anzeige

Die Anteile an Metro und dem Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio dominieren nach wie vor das Depot des Duisburger Familienclans, dessen Wert unter den Kursverlusten der beiden Kerninvestments empfindlich leidet. Seit Kluges Amtsantritt im Januar 2010 knirschte es zudem immer wieder zwischen dem Haniel-Chef und Managern der wichtigsten Beteiligungsunternehmen. So kam es bereits vor der aktuellen Auseinandersetzung zum schlagzeilenträchtigen Showdown mit dem langjährigen Celesio-Chef Fritz Oesterle, der inzwischen ein Ex vor seinem Titel führt. Spätestens die Cordes-Debatte dürfte Kluge indes auch in der Haniel-Familie Rückhalt gekostet haben. Sein Vertrag steht Anfang des kommenden Jahres zur Verlängerung an.

Der Kläger

Erich Kellerhals  FRANZ Quelle: dpa

Erich Kellerhals FRANZ NEUMAYR dpa

Bild: dpa

Freunde werden die beiden nicht mehr. Die Stimmung zwischen Erich Kellerhals, Mitgründer von Media Markt, und Metro-Chef Cordes gilt als frostig, seit Cordes versucht hat, über eine Beiratskonstruktion die Veto-Rechte des Minderheitsgesellschafters auszuhebeln. Kellerhals, der ob dieser Cordes-Volte bereits sein „Lebenswerk“ bedroht sah, klagt vor dem Landgericht Ingolstadt gegen den Vorstoß und wäre über einen Abgang von Cordes wohl alles andere als unglücklich. Unter einem neuen Metro-Chef würde die Gerichtsschlacht womöglich ein rasches und gütliches Ende finden. Nun geht die Auseinandersetzung weiter – vermutlich ruppiger denn je. Cordes hat sich jüngst die Dienste der Münchner Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner gesichert. Die vertrat zum Beispiel den kürzlich verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch bei seiner Dauerfehde gegen die Deutsche Bank und hielt das Kreditinstitut mit einer wahren Klageflut auf Trab. Jetzt dürften die Münchner Juristen auch im Casus MediaSaturn ihre Ruppigkeit unter Beweis stellen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%