
DÜSSELDORF. Erstmals seit dem Börsengang 1996 muss Deutschlands größter Einzelhändler, der Düsseldorfer Metro-Konzern, in einem Geschäftsjahr Umsatzeinbußen hinnehmen. Wie das Dax-Unternehmen gestern mitteilte, gingen die Erlöse 2009 um 3,6 Prozent auf 65,6 Mrd. Euro zurück. Im Jahr davor hatte Konzernchef Eckhard Cordes noch ein Plus von 5,8 Prozent melden können.
Als entscheidenden Grund für den Rückgang nennt Cordes die negativen Währungseffekte in Osteuropa. Devisenabwertungen hatten in dieser Region, die knapp ein Viertel des Metro-Umsatzes trägt, die Erlöse im vergangenen Jahr um mehr als 14 Prozent geschmälert.
Gleichzeitig fiel das Geschäft in Russland, der Ukraine und zahlreichen anderen Ländern Osteuropas als Wachstumträger aus. Auch währungsbereinigt ging es in der Region, die Metro in den vergangenen Jahren als Hauptinvestitionsfeld sah, gerade einmal um 1,4 Prozent voran. Im Jahr zuvor waren Metros Osteuropa-Umsätze noch um fast 15 Prozent geklettert.
Die Erlösentwicklung des Düsseldorfer Einzelhändlers habe etwas unter den Erwartungen gelegen, bemängelt Unicredit-Handelsexperte Volker Bosse, der die Aktie dennoch auf "hold" beließ. Dass die Börse die Papiere nach der Veröffentlichung der Zahlen dennoch mit einem leichten Plus handelte, dürfte den optimistischen Anmerkungen des Metro-Chefs zu verdanken sein: Cordes bekräftigte, dass der Betriebsgewinn (Ebit) wohl "im Rahmen der Markterwartungen" liege. Analysten taxieren das Ebit für 2009 auf 1,9 Mrd. Euro - nach 2,2 Mrd. Euro im Jahr zuvor. Gewinnzahlen legt der Konzern erst im März vor.
Höhere Investitionen trotz Flaute
Analysten wie Jürgen Elfers von der Commerzbank werteten zudem die verkündeten Fortschritte des Sparprogramms "Shape 2012" als positives Zeichen, ebenso wie die Erhöhung des Investitionsbudgets. Statt 1,6 Mrd. Euro wie im abgelaufenen Jahr will Metro 2010 voraussichtlich 1,9 Mrd. Euro in den Ausbau des Konzerns stecken. Die Zahl der Neueröffnungen soll kräftig steigen - vor allem in Osteuropa und Asien.
Zudem signalisierte das Weihnachtsgeschäft eine hoffnungsvolle Entwicklung. "Der Dezember zeigte im Vergleich zu den ersten beiden Monaten des vierten Quartals eine spürbare Trendbesserung", berichtete Metro rückblickend.
Ähnlich äußerte sich gestern der Tesco-Konzern, mit dem sich Metro seit langem ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den dritten Rang der weltgrößten Einzelhändler liefert. Die Briten berichten für die sechs Wochen zum 9. Januar für den Heimatmarkt ein Plus von 4,9 Prozent im Jahresvergleich. Analysten hatten im Schnitt nur mit drei Prozent gerechnet. Vor allem die Nachfrage nach höherpreisigen Waren sei kräftig gestiegen, berichtete das Unternehmen.
Im eigenen Heimatmarkt hat sich auch Wettbewerber Metro tapfer geschlagen. Zwar gingen dort die Erlöse um 0,7 Prozent zurück, viele Konkurrenten hat die Krise jedoch noch deutlich stärker getroffen. Wie das Statistische Bundesamt vor wenigen Tagen meldete, verlor die Branche 2009 voraussichtlich 2,7 Prozent ihres Geschäfts.
Für das soeben begonnene Geschäftsjahr will Konzernchef Cordes, der 2009 die Investitionen drastisch gekürzt hatte, wieder in die Offensive gehen. "Wir gehen davon aus, dass auch 2010 die Rahmenbedingungen weiterhin herausfordernd bleiben", sagte er. Dennoch sehe er für Metro viele Chancen - und das auch im zuletzt schwächelnden Ausland. "Wir werden unser internationales Wachstum nun wieder deutlich beschleunigen", sagte er.













