Handelskonzern: Querelen überschatten Metro-Rekordergebnis

Handelskonzern: Querelen überschatten Metro-Rekordergebnis

von Henryk Hielscher

Rekordergebnis, Dividendenerhöhung, beschleunigte Expansion - die Bilanz von Deutschlands größtem Handelskonzerns kann sich sehen lassen. Doch ein handfester Streit zwischen Metro-Chef Eckhard Cordes und dem Gründer der Elektronikhandelstochter Media Markt macht die Zahlen zur Nebensache.

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Eckhard Cordes

Eckhard Cordes wirkte angeschlagen: „Ich werde nicht sterben, ich überlebe. Keine Hoffnungen“, witzelte der Metro-Chef nach einer von mehreren Hustenattacken bei der Vorstellung der Bilanz. Noch vor wenigen Tagen hütete der bronchitisgeplagte Manager mit 39,5 Grad Fieber das Bett. Heute musste er in Düsseldorf das Zahlenwerk des größten deutschen Handelskonzerns präsentieren. Im Grunde ein dankbarer Job: Die Metro-Töchter Kaufhof, Real, MediaSaturn und die Großmärkte haben sich insgesamt gut entwickelt.

Der Konzerngewinn stieg 2010 um 80 Prozent auf 936 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen eine höhere Dividende, nämlich 1,35 Euro je Aktie, bekommen. Die SB-Warenhaustochter Real, über die es Verkaufsspekulationen gab, bleibt vorerst im Konzernverbund, könnte aber bei einem guten Angebot auch verkauft werden. Zudem will Metro schneller wachsen und mehr investieren. Keine Frage, das Zahlenwerk von Deutschlands größtem Handelskonzern fiel solide aus.

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Doch schon am Wochenende zeichnete sich ab, dass die Bilanz des Handelsriesen eigentlich nur noch Beiwerk eines Stückes ist, das wahlweise als Wirtschaftsdrama oder -komödie inszeniert werden könnte.

In der Hauptrolle: ein Unternehmensgründer, der je nach Lesart a) um sein Lebenswerk kämpft, das ein gewissenloser Konzernboss an sich reißen und zerstören will oder der sich b) als alternder Nimmersatt in Belange einmischt, von denen er keine Ahnung hat und so das eigene Unternehmen ausbremst. Die Wahrheit dürfte wie so oft irgendwo dazwischen liegen.

Es geht um den Machtkampf zwischen Erich Kellerhals und Eckhard Cordes.  Am Freitagabend – und damit schlagzeilenpünktlich vor dem Bilanz-Termin - wurde bekannt, dass Kellerhals, einer der Gründer von Media Markt, Klage gegen Metro eingereicht hat. Kellerhals fühlt sich von Cordes ausgebootet, weil der einen Unternehmensbeirat bei MediaSaturn einrichten will, der die Minderheitsgesellschafter de facto entmachten würde.

Bisher ist die Gesellschafterstruktur bei der Elektronikhandelstochter äußerst diffizil. Metro besitzt zwar 75 Prozent der Anteile an der Media-Saturn-Holding. Die Firmengründer haben sich ihren Anteilsverkäufen vor Jahren aber weitreichende Mitspracherechte einräumen lassen. Neben Kellerhals, der über 21,6 Prozent der Anteile verfügt, ist auch noch Firmenmitgründer Leopold Stiefel mit drei Prozent beteiligt. Die Rechte gehen so weit, dass Kellerhals vor jeder Eröffnung eines neuen Marktes sein Okay geben muss.

Als im vergangenen Jahr der Streit um die Internetstrategie von MediaSaturn hoch kochte und Metro den damaligen MediaSaturn-Geschäftsführer Roland Weise entsorgen wollte, stieß die Idee bei Kellerhals anfangs auf wenig Begeisterung. Zugleich hätte Metro einer Vertragsverlängerung Weises nicht zugestimmt. Es drohte „ein Gleichgewicht des Schreckens“, beschreiben Metro-Manager die damalige Blockade-Angst. Vor diesem Hintergrund ließ der Konzern alle Verträge mit den Media-Minderheitsgesellschaftern nochmals prüfen. Ziel des juristischen Mammuteinsatzes war es offenbar, eine Lücke in den Verträgen zu finden, um die Macht der bisweilen widerspenstigen Minderheitsgesellschafter zu brechen.

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