Handyhersteller: Vorstand Vanjoki: "Wir müssen Nokia völlig neu aufstellen"

Handyhersteller: Vorstand Vanjoki: "Wir müssen Nokia völlig neu aufstellen"

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Anssi Vanjoki (AP Photo/Lehtikuva/Martti Kainulainen)

von Jürgen Berke

Der Nokia-Vorstand Anssi Vanjoki über den Umbau des Handy-Weltmarktführers und die Reaktion auf Google.

WirtschaftsWoche: Herr Vanjoki, alle wichtigen Kennziffern – Umsatz, Gewinn, Marktanteil – brechen ein. Wo hakt es beim Weltmarktführer?

Vanjoki: Ich kenne kein Unternehmen, bei dem es immer nur aufwärts geht – mit stetig steigenden Verkäufen und Gewinnen. Jedem Aufschwung folgt ein Abschwung. Dieser Gesetzmäßigkeit kann sich auch Nokia nicht entziehen. Deshalb ist es so wichtig, flexibel und schnell auf jede Art von Veränderung zu reagieren. Nokia hat in seiner 125-jährigen Geschichte mehrfach bewiesen, dass es sich an die Spitze einer neuen technologischen Entwicklung setzen kann. Ich bin sicher, dass wir das auch dieses Mal schaffen.

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Wie wollen Sie die Wende schaffen?

Wir müssen die Chance nutzen, Nokia völlig neu aufzustellen. Aus dem Hersteller von Mobiltelefonen wird ein Anbieter von Internet-Lösungen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Nokia gestärkt aus dieser Transformation hervorgeht.

Doch jetzt sind Apple, Google und Blackberry-Hersteller RIM die Helden. Wie konnte das passieren?

Wir waren auf die Angriffe nicht optimal vorbereitet, weil wir den dazu erforderlichen Umbau sicherlich zu langsam angegangen sind. Im Prinzip war uns auch vor zwei Jahren schon klar, dass der Umbau keinen Aufschub duldet. Doch erst die Wirtschaftskrise hat uns die Dringlichkeit vor Augen geführt. Heute arbeitet wirklich jeder bei Nokia an dieser Neuausrichtung, damit Nokia auch im Geschäft mit mobilen Lösungen und Applikationen ein starker Spieler wird.

Ein ehemaliger Nokia-Mitarbeiter hat dem Vorstand vorgeschlagen, die Geräteproduktion zu verkaufen und sich auf die Entwicklung von Software zu konzentrieren. Was halten Sie von der Idee?

Man soll nie nie sagen. Doch heute sind unsere Fabriken und unser weltweites Logistiknetz ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, den wir nicht aus der Hand geben sollten. Noch bauen wir alle Handys selbst und sind unter anderem deshalb so erfolgreich, weil wir es schaffen, 500 Millionen Geräte pro Jahr in jeden Winkel der Welt zu transportieren.

Bis Ende 2012 sollen 300 Millionen Kunden Navigation, Musik und Spiele aus dem Nokia-Portal Ovi nutzen. Doch Google bietet jetzt Navigieren zum Nulltarif an.

Nichts ist umsonst. Irgendeiner muss immer bezahlen – direkt oder indirekt, sonst funktioniert das Geschäftsmodell nicht. Für Nokia ist der Google-Vorstoß keine Gefahr. Wir haben entschieden, solche Lösungen als Teil des Gerätepreises zu monetarisieren. Der Kunde muss sich teilweise schon jetzt keine Gedanken machen, wie viel die Navigation bei uns kostet. Bei den Navigationsgeräten ist sie schon Teil des Gerätepreises. Alles inklusive – das ist die Idee, mit der wir die Kunden begeistern wollen. Ich bin davon überzeugt, dass sich dieses Modell durchsetzt.

Sie bauen Ihren Vertrieb um. In Deutschland verschickten Sie gerade blaue Briefe an langjährige Vertriebspartner.

Ab 2010 arbeiten wir nur noch mit sieben Großhändlern zusammen. Wir bereiten uns darauf vor, dass es künftig nicht so einen starken Bedarf für physische Distribution von Geräten gibt. Wichtiger ist, dass die Kunden künftig die neuen Dienste live im Shop ausprobieren und individuell gestalten können. Beim Verkauf und Transport von Bits, darum geht es letztlich, braucht es nicht mehr so viele Distributoren. Viele Märkte sind so gesättigt, dass wir Anpassungen vornehmen müssen.

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