Handyhersteller: Was eine Nokia-Übernahme durch Microsoft bringen würde

Handyhersteller: Was eine Nokia-Übernahme durch Microsoft bringen würde

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Neuer Nokia-Vorstandschef Elop. Der bisherige Microsoft-Manager hat 2009 eine Partnerschaft mit Nokia ausgehandelt

von Michael Kroker und Jürgen Berke

Könnte der Softwaregigant Microsoft mit einer Übernahme des angeschlagenen Handyherstellers Nokia die Probleme beider Unternehmen im Mobilfunkgeschäft lösen?

Als Stephen Elop schon einmal Chef eines Unternehmens wurde, endete seine Mission mit einer Überraschung. Erst beförderte der Aufsichtsrat den gebürtigen Kanadier vom einfachen Vorstand zum Vorstandsvorsitzenden. Drei Monate später verkündete Elop, sein damaliger Arbeitgeber Macromedia, der Entwickler des Internet-Videoformats Flash, werde für rund 3,4 Milliarden Dollar an das US-Softwarehaus Adobe verkauft. Elop selbst blieb auch danach an Bord – immerhin hatte er die Übernahme maßgeblich miteingefädelt.

Wiederholt sich jetzt die Geschichte von vor fünf Jahren – nur diesmal beim finischen Handyhersteller Nokia? Dorthin wird Elop, bisheriger Chef der Officesparte beim US-Softwareriesen Microsoft, in dieser Woche wechseln. Das hatte Nokia Ende vorvergangener Woche verkündet. Der Clou wäre nun eine baldige Übernahme von Nokia durch Microsoft.

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Microsoft's Erfüllungshilfe

„Darüber wurde in Redmond definitiv schon diskutiert“, will Toan Tran, Analyst beim US-Investmentberatungshaus Morningstar, aus der Microsoft-Zentrale in Redmond im US-Bundesstaat Washington erfahren haben. Konkret habe zur Debatte gestanden, ob Microsoft sich einen Handyanbieter wie den Black-berry-Hersteller Research in Motion (RIM) oder eben Nokia einverleiben solle, so Tran. Der 46-jährige Elop mit dem Bürstenhaarschnitt wäre dann eine Art Erfüllungsgehilfe seines bisherigen Arbeitgebers. Als Microsoft-Manager vereinbarte er schon im August 2009 mit den früher verfeindeten Finnen eine überraschende Partnerschaft. Im Rahmen dessen hat Microsoft seine mobilen Office- und E-Mail-Programme auch auf den Nokia-Smartphones lauffähig gemacht. Nach der Ablösung des glücklosen Nokia-Chefs Olli-Pekka Kallasvuo durch Elop wäre die Übernahme durch Microsoft der krönende Schlusspunkt.

Fragt sich nur, ob beide Unternehmen überhaupt zueinander passen würden – und sich gegenseitig helfen könnten, ihre jeweiligen Probleme zu beheben. Denn nicht nur Nokia leidet massiv, seitdem das Internet mobil wird und Player wie Apple und Google den Finnen das Geschäft mit webfähigen Geräten, den Smartphones, abgraben.

Auch Microsoft-Chef Ballmer weiß bis heute keine Antwort auf den Erfolg des iPhones von Apple und das Handybetriebssystem Android von Google, auf das sich gleich eine Vielzahl von Herstellern wie Samsung oder Motorola stürzen. Dadurch bröckelt die in den vergangenen Jahren mit viel Aufwand erkämpfte Position von Microsoft bei Smartphones bedrohlich: Laut Marktforschungshaus Gartner halbierte sich der Marktanteil von Windows Mobile zwischen 2007 und heute auf unter fünf Prozent.

Bei Experten ist umstritten, ob der Kauf von Nokia vor allem Microsoft nützen würde. „Das wäre ein Desaster“, sagt etwa Charles Wolf, Technologieanalyst bei der US-Investmentbank Needham und Gegner der Übernahmethese. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ballmer so dumm ist, das zu tun.“ Nokia müsse aktuell zu viele Problemen auf einmal bewältigen, ob im Wettbewerb mit Apple und Google bei Smartphones oder mit Billiganbietern bei Einsteigerhandys in Asien. Morningstar-Analyst Tran dagegen glaubt, Microsoft könnte sich für einen Kauf von Nokia durchaus erwärmen: „Um in dem Geschäft wettbewerbsfähig zu sein, muss Microsoft auch über Hardware verfügen, um die gesamte Gerätenutzung zu kontrollieren.“ Das habe Apple beispielhaft vorexerziert.

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