Hanjo Schneider: Hermes sieht sich stark benachteiligt

Hanjo Schneider: Hermes sieht sich stark benachteiligt

von Christian Schlesiger

Der Otto-Vorstand über Preise, Expansion und Flughafenservice der Pakettochter Hermes und Ärger mit der Deutschen Post.

WirtschaftsWoche: Herr Schneider, vor einem Jahr hatten Sie in Aussicht gestellt, 2011 die Paketpreise zu senken. Doch Anfang 2011 dachten Sie plötzlich über eine Preiserhöhung nach. Was kommt denn nun?

Schneider: Die Preise für Privatkunden bleiben unverändert. Nur bei Geschäftskunden kann es aufgrund der gestiegenen Kosten, beispielsweise bei Energie und Maut, zu Preiserhöhungen kommen.

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Warum? Seit Juli 2010 darf Hermes jene Pakete von der Mehrwertsteuer befreien lassen, die Privatkunden untereinander versenden – wie die Deutsche Post auch.

Es gibt keine Waffengleichheit, sondern es wurde erneut eine Lex Post geschaffen. Hermes ist flächendeckend aufgestellt, verfügt über das dichteste Netz an Annahmestellen in Deutschland. Aber die Regelungen für die Steuerbefreiung sehen vor, dass jeder Ort mit mehr als 2000 Einwohnern über eine Annahmestelle verfügen muss. Nun gibt es aber Orte mit nur einem Laden – und der ist schon von der Deutschen Post besetzt. Wir müssten also quasi ein neues Geschäft eröffnen, um den Vorgaben zu entsprechen. Das ist wirtschaftlich nicht vertretbar.

Aber die Befreiung von der Mehrwertsteuer gilt doch ausdrücklich für die -Universaldienstleister, die jeden Winkel Deutschlands abdecken.

Das tun wir auch. Allerdings gibt es weitere Auflagen. Pakete unterhalb von zehn Kilogramm können von der Mehrwertsteuer befreit werden. Aber das Gewicht ist weder in der Logistik noch beim Paketversand der Kostentreiber, sondern das Volumen. Und nur weil es die mit dem Produkt Brief groß gewordene Deutsche Post immer so gemacht hat, wird diese künstliche, aber völlig unpassende Grenze jetzt auch bei Paketen gezogen. Die Deutsche Post dürfte zudem in Orten, die sie nicht wirtschaftlich betreiben kann, Wettbewerber behördlich verpflichten lassen, sich an den Verlusten zu beteiligen. So krumm kann eigentlich niemand denken.

Müssen Sie Ihr Ziel aufgeben, bis 2013 die Deutsche Post als Nummer eins im deutschen Paketgeschäft abzulösen?

Auf keinen Fall. Das Geschäft mit Hermes-Paketen läuft bestens. Wir haben 2010 um 18 Prozent zugelegt – damit waren wir deutlich besser als die Branche. Auch in Zukunft wollen wir zwei bis drei Mal stärker wachsen als der Markt. Allein in Deutschland stellen wir inzwischen mehr als 300 Millionen Pakete zu.

In Deutschland gibt es rund 14.000 Hermes-Shops. Wie viele planen Sie noch?

In Deutschland keine mehr. Hier haben wir unser flächendeckendes Netz aufgebaut. International aber schon.

Die britische Post Royal Mail wird privatisiert. Kaufen Sie das Paketgeschäft?

Nein. Wir gehen dort unseren eigenen Weg, und das Geschäft entwickelt sich extrem gut. Trotz eines schwierigen konjunkturellen Umfelds konnten wir im höheren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Planen Sie auch die Expansion in die USA und nach Asien?

Nein. Wir bleiben im Paketgeschäft der Dienstleister für Europa. Da sehen wir noch ausreichend Wachstumspotenzial.

Am Hamburger Flughafen bietet Hermes Passagieren, die versehentlich Parfüms oder Messer im Handgepäck haben, an, diese Dinge nach Hause zu schicken. Wann machen Sie das anderswo?

Wir testen noch. Aber ich könnte mir durchaus einen Roll-out in Deutschland vorstellen.

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