Hans Peter Haselsteiner: „Gewisser Lästigkeitswert“ - Seite 2

Hans Peter Haselsteiner: „Gewisser Lästigkeitswert“

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Wird das auch wieder zu mehr Arbeitsplätzen in der Baubranche führen? Unwesentlich. Aber immerhin wird es keinen weiteren Abbau mehr geben. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Arbeitsplätze im Baugewerbe halbiert. Daran wird sich im Großen und Ganzen nichts ändern. Und wieso soll plötzlich Geld für öffentliche Investitionen da sein? Wenn viele Defizite durch die Mehrwertsteuererhöhung 2007 zum Teil abgedeckt werden, gibt es wieder Spielräume für bauintensive Maßnahmen. Wir werden von der Mehrwertsteuererhöhung sicher zu einem großen Teil profitieren. Auch die Lkw-Maut ist ja zweckgebunden und wird wieder in den Straßenbau gesteckt. Erwarten Sie denn auch eine Maut für private Autos in Deutschland? Früher oder später, davon bin ich überzeugt. Warum sollte es in Deutschland anders sein als in Frankreich oder Italien? Auch in Deutschland wird der Trend zur Privatisierung von Straßen nicht aufzuhalten sein. Außerdem stellt sich die Frage, warum in Deutschland ausgerechnet der Staat die Autobahnen betreiben oder bemauten soll. Ihr deutscher Konkurrent Hochtief steht als Betreiber für solche privaten Autobahnprojekte bereit. Sie auch? Wir sind nicht nur bereit, sondern wir haben auch schon jahrelange Erfahrungen darin. Im Moment betreiben wir eine Autobahn in Ungarn, eine in Polen, und ein Projekt in Kroatien steht kurz vor der Eröffnung. Trotzdem lege ich hohen Wert darauf, dass wir weiter ein richtiges Bauunternehmen sind mit Maurern und Po-lieren. Wann erwarten Sie denn die ersten Aufträge für den Flughafen Berlin-Schönefeld? An den Ausschreibungen wird in Berlin jetzt gearbeitet. Wir erwarten, dass wir in einigen Wochen, wahrscheinlich Anfang September, die ersten Ausschreibungen zu Gesicht bekommen und dann auch mitbieten. Es muss ja bald losgehen, denn 2011 soll der Flughafen in Betrieb gehen. Welche Vision hat ein Baulöwe wie Sie denn für die Strabag in Europa? Erstens bin ich kein Baulöwe... ... sondern? Ich bin von Haus aus Wirtschaftsprüfer. Den alten Typus des Baupatriarchen vom Schlag eines Ignaz Walter, der sich vom Bauleiter zum Konzernchef hocharbeitet, gibt es gar nicht mehr. Das gehört nicht zu meiner Biografie. Aber auf Visionen muss ich deshalb nicht verzichten. Wir wollen in Deutschland, in Mittel- und Osteuropa wachsen. In Deutschland durch organisches Wachstum, in Mittel- und Osteuropa auch durch Zukäufe. Wir sind zwar im Moskauer Raum vertreten, aber das übrige Russland ist für uns noch ein riesiger weißer Fleck und hat damit strategisches Entwicklungspotenzial. Ihre deutschen Konkurrenten Hochtief und Bilfinger streben auch nach Asien und ins westliche Ausland, wo die Risiken geringer sind als in Osteuropa. Hochtief ist stark in den USA und Australien – für Sie kein Vorbild? Ich bin froh, dass die Konkurrenten weit weg vom deutschen Markt investieren. Dann stören Sie uns wenigstens hier nicht. Und wir können in Deutschland in Ruhe am Bauaufschwung der nächsten Jahre teilhaben.

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